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Teil 9

Instrumentenbau in USA

Yamaha Music Products

Instrumentenbau in USA

Yamaha Music Products – Grand Rapids, Michigan

Wird in den Vereinigten Staaten eine Trompete, eine Posaune, ein Kornett oder ein Flügelhorn der Marke Yamaha gekauft, ist es in den allermeisten Fällen ein Instrument aus dem Werk Grand Rapids. Die Fertig-Importe aus Japan — etwa 20% des Umsatzes im Bereich der Metallblasinstrumente — betreffen in der Hauptsache einige Spitzenklassenserien der genannten Instrumente, sowie die im Produktionsprogramm von Grand Rapids nicht vorgesehenen Artikel, wie u.a. Waldhörner, Tuben und Euphonien.

Neben den erstgenannten Metallblasinstrumenten — mit denen sich meine Reportage in der Hauptsache befasst — produziert das Werk Grand Rapids auch Holzblasinstrumente: Flöten, Saxophone und Klarinetten. Holz- und Blechblasinstrumente zusammengenommen, hat das Werk eine Jahreskapazität von bis zu 70'000 Instrumenten.

Mit sicher berechtigter Genugtuung wurde mir gegenüber hervorgehoben: «Als wir vor 11 Jahren unsere Fabrikation hier aufnahmen, hatten wir als japanische Firma allerhand zu beweisen. Heute ist das Eis gebrochen!» und Mr. Tom Williams, mein Interview-Partner, fügte bei: «Auch dieses Werk ist ein Teil unserer grossen Firmen-Familie. Wir sind uns der damit verbundenen Verantwortung bewusst, denn der Ruf, den wir geniessen, ist eng verbunden mit dem Ruf aller unserer Schwester-Firmen.»

Zurück zur Fabrikation der Blechblasinstrumente: Die Hauptbestandteile werden serienmässig in Japan vorfabriziert. Diese kommen dann nach Grand Rapids, wo die einzelnen Instrumente zusammengebaut, adjustiert und zuletzt, je nach dem, mit einem Lack oder Silber-Finish versehen werden, entsprechend einem Wertanteil am fertigen Produkt, wie mir gesagt wurde, von 60-70%. Importiert werden vor allem die Ventile, die Mundrohre, sowie die Schall- und Mundstücke. Dies soll sich in einzelnen Sparten mit der Zeit eher zugunsten des amerikanischen Produktionsanteils verschieben; in anderen, wie z.B. bei der Herstellung von Trompeten-Ventilen, wo Japan allein einen grossen Teil des Weltbedarfs zu decken vermag, dürfte sich dagegen auch in Zukunft kaum etwas ändern.

Hauptanliegen ist, wie schon angedeutet, die Qualität der produzierten Instrumente. Deshalb wird auch der Schulung der Angestellten eine sehr grosse Wichtigkeit eingeräumt. Zeitstudien, die von zugezogenen Spezialisten ausgearbeitet werden, dienen in der Regel als Anhaltspunkte für die eigenen Erhebungen. In der Folge werden die Leistungen der einzelnen Arbeiter während 3 Monaten erfasst; damit ist die Basis für einen angemessenen Durchschnitt gegeben. Wer weniger leistet, dabei aber sorgfältig und zuverlässig arbeitet, hat dabei keine Nachteile zu befürchten, denn man hat die Erfahrung gemacht, dass anderseits die guten Leute in der Regel Überdurchschnittliches leisten, solange sie sich frei und nicht an eine Norm gebunden fühlen. Unter dieser Voraussetzung wird dann gern und gut auch das Manco ihrer weniger schnell arbeitenden Kollegen ausgeglichen — und dies alles unter Wahrung eines hohen Qualitätsstandards.

In diesem Arbeitsklima, versicherte man mir, hat die Firma sehr wenig Personalwechsel. Das sei zwar nicht immer so gewesen, denn am Anfang hätten sich viele Arbeiter kaum um Qualitätsanforderungen gekümmert. Umso mehr darf man heute auf die Belegschaft stolz sein.

Bis 1979 wurden in Grand Rapids, dem ersten Yamaha-Werk in den Vereinigten Staaten, neben Blasinstrumenten auch Orgeln gebaut. Jetzt werden diese in Thomaston, Georgia, produziert; in einer weiteren Fabrik werden die unter der Marke «Everett» bekannten Klaviere hergestellt.

Endmontage einer Trompete

Endmontage einer Trompete

Abgesehen von den Konzern-Entscheidungen, für welche Japan zuständig ist, ist Grand Rapids die Zentrale, die sich mit der Werbung, der Marktpolitik und dem Verkauf befasst, soweit dies die Yamaha Musikinstrumente für USA betrifft. 80% der Verkäufe soll sich erfahrungsgemäss auf die Monate Juli bis September konzentrieren, ein Umstand, der notwendigerweise ganz erhebliche Lagerkapazitäten verlangt. Verkauft wird ausschliesslich an Händler; das Werk selbst verfügt über keine eigene Verkaufslizenz. Das dichte Händlernetz ist für die Firmenleitung die Informationsquelle. Die auf diesem Wege erhältlichen Mitteilungen und Anregungen, zusammen mit den Beiträgen aus Musikerkreisen, ergeben laufend ein aktuelles Bild über die Marktsituation und die Wünsche der Kundschaft.

Selbstverständlich ist man in ständigem Kontakt mit den Yamaha Unternehmungen in Japan; zudem werden, wie mir gesagt wurde, die ganzen Anlagen alle paar Jahre von japanischen Technikern überprüft und begutachtet. Über das Yamaha Stammhaus in Japan hat Jean-Pierre Mathez einen ausführlichen Artikel geschrieben, der im BRASS BULLETIN Nr. 40 erschienen ist.

Im Werk von Grand Rapids fiel mir vor allem eine relative Ruhe angenehm auf. Im Gegensatz zu Japan tragen die Arbeiter hier keine Uniformen, nur weisse Handschuhe sind bei vielen zu sehen. In die grosse Halle sind einzelne, wie Würfel wirkende, gut isolierte separate Räume eingebaut. In einem konnte ich das Testen fertiggestellter Instrumente durch einen Musiker beobachten; in andern sah ich, wie in völliger Abgeschiedenheit Top-Instrumente adjustiert werden. Diese weisen, verglichen mit den Studenten-Instrumenten, einen wesentlich höheren Anteil an Handarbeit auf, wie von Hand eingeschliffene Ventile und Züge. Ein gewichtiger Teil der aufzuwendenden Arbeitszeit entfällt, im ganzen gesehen, immer noch auf die Lötarbeiten.

Zur Zeit meines Besuches wurde an einem neuen Ausbildungsprogramm für die Angestellten gearbeitet, nach den Initialen von «Productivity Improvement», «Productivity Index» und «Personal Improvement» abgekürzt «PI-System» genannt. An den Vorteilen, die sich die Firmenleitung davon verspricht, sollen auch die Mitarbeiter teilhaben, was schon das Motto sagt, unter dem das Ganze steht: «Wir wollen, dass unsere Mitarbeiter genauso wachsen wie wir. Darum suchen wir ihr Wissen zu vermehren. Sie werden dieses auch wieder der Firma zurückgeben.»

Yamaha Musical Products

3050 Breton Road S.E.
P.O. Box 7271
Grand Rapids, Michigan 49510, USA
President: Stan Stitgen
Interview with Tom Williams
Production Manager
Employees: 150
Capacity: up to 70'000 a year (including woodwind)
Sales: only through dealers
Repairs: none

Brass Bulletin 55, III / 1986 Seiten 81–84

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