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Teil 8

Instrumentenbau in USA

Getzen

Instrumentenbau in USA

Richten vor dem Zusammenlöten

Angefangen hat alles in einem alten dreistöckigen Gebäude in Elkhorn, wo der Gründer der Firma, T.J. Getzen, im Jahre 1939 begann, Blechblasinstrumente zu reparieren. Seine praktische Ausbildung hatte er zuvor bei der Holton Company erhalten, wo er zuletzt als Plant Superintendant beschäftigt gewesen war. Nach dem Krieg nahm er den Vertrieb von Instrumenten verschiedenster Herkunft auf, und in der Werkstatt kam man vom blossen Reparieren zum Eigenbau von Studenten-Instrumenten. Zuerst waren es Posaunen, dann auch Flügelhörner.

Im Jahre 1960 wurde die Firma von Harold M. Knowlton, einem prominenten Anwalt und Geschäftsmann aus Milwaukee übernommen. Unter seiner Führung und nach dem Umzug in ein modernes Fabrikgebäude im Industriezentrum von Elkhorn, erfolgte ein neuer Start der Firma. Ein grosser Teil der bisherigen Modelle wurde durch qualitativ höherstehende ersetzt, die Produktionsmethoden neugestaltet, der Verkauf reorganisiert. Heute können der Kundschaft etwa 80 verschiedene Modelle offeriert werden, aufgeteilt unter den Markenbezeichnungen «Eterna» für die professionellen Instrumente, «Capri» für diejenigen für fortgeschrittene Studenten und «Serie 300» für die Schülermodelle. Etwa die Hälfte der Produktion wird exportiert, mit Generalvertretungen in zahlreichen Ländern. In den Staaten selbst sind sieben, auf Provisionsbasis arbeitende Vertreter ständig unterwegs, damit, neben dem Verkauf über Händler, auch der Kontakt mit Schulen und Universitäten intensiv gepflegt bleibt.

Die Getzen Company hat ferner die Generalvertretung für ganz Nord-Amerika für die im Werk Geretsried (BRD) hergestellten bekannten Konzert-Tuben der Firma Meinl-Weston.

Im Herbst 1963, drei Jahre nach der Neuorientierung der Firma, zerstörte ein Grossbrand die ganze Fabrik. Noch heute erinnern sich alle, die dabei waren mit Stolz an diese Zeit; denn schon 90 Tage nach dem Brand stand auf den alten Grundmauern eine neue Fabrik. Ed Stevens, Sales Manager der Firma, gab mir eine bewegte Schilderung des damaligen, wirklich einmaligen Einsatzes von Belegschaft, Baufirmen und Lieferanten, welche den Wiederaufbau in dieser unglaublich kurzen Zeit möglich gemacht hatten. Elf Jahre später, 1974, brannte die Fabrik erneut, doch konnte das Feuer diesmal schneller gelöscht werden. Der Schaden war trotzdem enorm, da alles, was in Verarbeitung stand, zusammen mit dem Lager an fertigen Instrumenten, der Hitze zum Opfer fiel. Erneut in Rekordzeit, diesmal nach kaum mehr als einem Monat, lief die Produktion wieder an.

Getzen Company, Elkhorn Wisconsin

Getzen Company, Elkhorn Wisconsin

In der Fabrik ist jede Abteilung in einem eigenen Raum untergebracht, was für die Arbeiter bestimmt angenehmer ist, als die sonst üblichen grossen Hallen. Obwohl man bestrebt ist, der Herstellung aller Einzelteile volle Aufmerksamkeit zu schenken, ist die Maschine, der Ventilblock, eines der Herzstücke bei Getzen. Die Züge und Ventile werden von Hand eingeschliffen. Gebogen wird ausschliesslich mit einer Bleilegierung, welche bei 95° C., also in siedendem Wasser, ausgeschmolzen werden kann. In der Galvanisierabteilung wird mit Nickel, Chrom und Silber gearbeitet; lackiert wird mit dem üblichen Epoxyd-Lack. In der Regel werden 50er Serien in Produktion genommen, und in 10er-Serien wird zusammengebaut. Reparaturen werden nur bei eigenen Modellen ausgeführt. Die Mundstücke werden von auswärts bezogen.

In besonderem Masse pflegt die Firma die Beziehungen zur Kundschaft. Dreimal jährlich erscheint die «Getzen Gazette», eine Publikation, welche in einer Auflage von 50’000 Exemplaren an Studenten, Lehrer, Dirigenten und Händler im In- und Ausland verteilt wird. Ferner stehen den Interessenten zahlreiche, von bekannten Musikern und Praktikern verfasste Schriften kostenlos zur Verfügung. Es handelt sich dabei vor allem um Ratschläge, sei dies die Handhabung einzelner Instrumente, die Atmung, das Transponieren, usw.

Unter der Leitung von Ed Stevens besteht eine Art Brain Trust, dem zahlreiche national und international bekannte Bläser, Musiker und Musikprofessoren angehören. Diesem Gremium, aber auch der Käuferschaft und den Händlern, — so Ed Stevens — entstammen viele Ideen und Anregungen, welche wieder zu neuen Entwicklungen im Bau der Instrumente führen. Ständig wird an Verbesserungen gearbeitet. Sieben Entwicklungsjahre, hörte ich, stecken im gegenwärtigen Eterna-Modell der Getzen Professional Posaune. Die dabei gewonnenen Erfahrungen kommen später wieder den Studenteninstrumenten zugute. Mein Besuch fiel mit dem vorläufigen Abschluss einer sehr intensiven Entwicklungsphase für eine ganze Gruppe von Instrumenten zusammen. Unter diesen wurden mir genannt: die erwähnte Posaune, ein Eterna C-Kornett, ein Marching Mellophone, ein Marching Bariton, eine Piccolo-Trompete und ein Capri Flügelhorn.

Seit 1964 hat sich die Kapazität der Fabrik mehr als verdoppelt. Der erreichte Marktanteil soll auf alle Fälle gehalten werden, ein Ziel, welches begleitet ist vom Motto, welches Mr. Harold M. Knowlton als Präsident der Getzen Company seinen Mitarbeitern zur Richtlinie gegeben hat: Verständnisvolles Eingehen auf die Wünsche, Anregungen und Anforderungen der Künstlerschaft — und — Bereitschaft und Können, diesen zu entsprechen.

Getzen Company Inc.
211 W. Centralia
Elkhorn, Wisconsin 53121, USA
Phone (414) 723-4221
President: Charles E. Andrews
Vice President: David W. Ference
Interview with Ed Stevens,
Sales Manager
 

Employees: 60
Repairs: only own instruments.

Brass Bulletin 54, / 1986 Seiten 75–78

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