Polieren mit Musik
Scott Laskey neben seinem Mundstückkopierdrehbank
Durchgänge bohren bei Pistonventil
Der Gründer der Firma, Renold Schilke (1910-1982) begann schon mit 8 Jahren Kornett zu spielen und hatte in der Folge eine sehr intensive Bläser-Ausbildung. Von 1929-1961 war er Musiker im Chicago Symphony Orchestra, abwechslungsweise als Zuzüger, assistierender Erster und als erster Trompeter. Er bekam schon mit 11 Jahren, als er 1921 bei Holton eintrat und dort 2 Jahre arbeitete, einen ersten Einblick in den Instrumentenbau. Später, von 1934-1952, assistierte er Elden Benge und eröffnete dann 1956 eine eigene Werkstatt. Von 1966 bis zu seinem Tod war er auch als Berater und Designer für Yamaha tätig, immer unter Beibehaltung seiner Selbständigkeit. Ich hatte die Ehre, ihn kurz vor seinem Tod, anlässlich der Frankfurter Musikmesse kennenzulernen. Seine Tochter beschrieb ihn mir so:
«Er war eine sehr intensive, starke Persönlichkeit, vor allem ein Praktiker. Leute, die sich für etwas aus voller Kraft einsetzten, selbst wenn sie dabei scheiterten, unterstützte er, wo er konnte. Er hatte Respekt für jede gut geleistete Arbeit. Kein Verständnis hatte er dagegen für Leute, die nur von grossen Ideen und Plänen erzählten.»
Noch heute hängen seine Hüte im Betrieb, an denen er genauso Freude hatte, wie an Stofftieren.
Beim Zusammenbau
Scott Laskey, dem heute alles, was mit Kundenmundstücken zu tun hat anvertraut ist, schilderte mir, wie er auf folgende, für Renold Schilke charakteristische Weise zur Firma kam:
1972, mitten im Studium, kaufte ich eine Trompete, traf dabei mit dem Chef der Firma zusammen und hatte das Glück, dass er sich — er war auch ein ausgezeichneter Musiklehrer — bereit erklärte, mir Trompetenstunden zu geben. Allerdings konnten diese nur jeweils am Samstag Morgen zwischen 5.30 und 6 Uhr vor Arbeitsbeginn, stattfinden, was für mich nicht so selbstverständlich war, wie für meinen Lehrer. Geld nahm er keines dafür. Schon bald prophezeite er mir, ich werde mein Studium in Bälde aufgeben und für ihn arbeiten, was zu jenem Zeitpunkt gar nicht in meinen Plänen lag. — Einige Zeit später, es war ein Samstag, wurde ich telefonisch in die Firma gerufen. Zu meiner Überraschung hatten, wie ich dies erwartet hatte, die Trompetenstunden nichts damit zu tun, vielmehr, als ich aus dem Lift trat, stand Herr Schilke vor mir, warf mir die Schlüssel der Firma zu und erklärte mich zu seinem neuernannten Angestellten. Ich willigte ein und habe es nicht bereut. Später wechselte ich über zu den Kundenmundstücken. Mr. Schilke liess mich frei arbeiten und rechnete auch mit gelegentlichen Fehlern. Sein Interesse galt, wie immer, in erster Linie dem Ergebnis, nicht der Methode.
Lötzinn abkratzen
Wie man auch Karriere in der Firma Schilke machen kann, zeigt der Weg von Kerry Griffith. Als die Stelle eines Packers frei wurde, bewarb er sich darum und erhielt sie, trotzdem man bald sah, dass er manuell sehr ungeschickt war. Nun, in der Packerei war nicht viel Unheil anzurichten. Da er aber für vieles Interesse zeigte, wurde er bald, seinen Fähigkeiten besser entsprechend, mit verantwortungsvolleren Aufgaben betreut und heute, sieben Jahre später, ist er Nachfolger von Scott Laskey als Verkaufsmanager. Natürlich sind das Ausnahmen, wobei Kerry Griffiths abgeschlossenes Posaunenstudium nicht vergessen werden darf.
In der Regel kommen die Arbeiter ungelernt zur Firma. Sie werden dort eingesetzt, wo gerade ein Arbeitsplatz frei ist, und wenn es nicht klappt, versucht man, etwas geeigneteres für sie zu finden; ist der Arbeitsplatz aber einmal gefunden, wird später kaum noch gewechselt.
Als um fünf Uhr die Arbeiter nach Hause gingen, hatten viele von ihnen Instrumentenkoffer bei sich. Das Beispiel des Firmengründers, Musikinstrumente nicht nur zu bauen, sondern sie auch zu spielen, ist lebendig geblieben!
Schilke Music Products, Inc.
529 S. Wabash Avenue, Chicago, Illinois 60605
Interview mit: Joan Schilke, Executive Vice President
Kerry Griffith, Sales Manager
Scott Laskey, Custom Made Mouthpieces
Mitarbeiter: 30
Jahresproduktion: 1200-1500 Instrumente
Reparaturen: Trompeten aller Marken