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Georgiy Antonovich Orvid

Porträt eines berühmten russischen Trompeters

Georgiy Antonovich Orvid

Georgiy Antonovich Orvid

82 Jahre sind es nun seit der Geburt des trefflichen sowjetischen Trompeters, Volkskünstlers der russischen Föderation und Professors am Staatskonservatorium Moskau, Georgiy Antonovitch Orvid (1904-1980). Als Schüler des hervorragenden russischen Trompeters M.I. Tabakov (1877-1956) machte Orvid eine Karriere als bekannter Musiker, Lehrer und Person des öffentlichen Lebens.

Er wurde in Voznesensk, Ukraine, geboren. Sein Vater war Blasmusikdirigent und weckte das Interesse des Knaben an der Trompete, wobei er auch sein erster Lehrer war. Von Anfang an zeigte Orvid bemerkenswertes musikalisches Talent und zog schon mit 13 aller Aufmerksamkeit auf sich durch seine raschen Fortschritte. Während des russischen Bürgerkrieges war Orvid Militärtrompeter in einer Regimentsmusik der roten Armee (1918-1926). Nach dem Krieg besuchte er das Konservatorium in Kiev, wo er neben Trompete auch Militärmusikinstrumentation studierte und 1927 beide Fächer mit Diplom abschloss. Anschliessend vervollkommnete er seine Fähigkeiten durch ein dreijähriges Studium am Moskauer Staatskonservatorium bei Professor Tabakov. Nach seinem Abschluss 1930 betrieb er Nachdiplomstudien während zwei Jahren. 1930 begann er am Moskauer Konservatorium zu unterrichten, später wurde er zum Professor ernannt. Zur selben Zeit spielte er am Bolschoi-Theater, im Radiosymphonieorchester, im staatlichen Symphonieorchester der UdSSR und in der Moskauer Philharmonie. 1939-1946 bildete Orvid die Dirigenten der Armeekapellen aus. Er sparte nicht mit Anstrengungen, die Qualität der Militärmusiken zu verbessern. Am Ende der 40er und in den 50er Jahren bekleidete er wichtige administrative Funktionen.

Er war Prorektor des Moskauer Konservatoriums, Direktor des Bolschoitheaters, Abgeordneter der UdSSR und Kulturminister. Lange Zeit war er auch Vorsteher der Bläser- und Schlagzeugabteilung am Moskauer Konservatorium.

Trotz seiner hohen öffentlichen Ämter gab Orvid die Trompete nie auf. Seine fruchtbarsten Perioden waren die 30er und die 60er-Jahre. Schon in den 30er Jahren verrieten seine zahlreichen Konzerte eine klare und originelle Künstlerpersönlichkeit. 1941 gewann Orvid den Bläserwettbewerb der gesamten UdSSR in Moskau. In den 60er Jahren, nach einem Unterbruch von gut 20 Jahren, erschien er wieder auf den Konzertpodien. Sein Spiel zeichnete sich aus durch technische und ausdrucksmässige Meisterschaft, eine grosse Spannweite reiner und ebenmässiger Klänge und Gleichmässigkeit der Klangfarbe in allen Registern. Er besass ein ausgezeichnetes Gedächtnis und spielte alle Werke auswendig. Stets spielte er irgend ein neues Werke für Trompete, weshalb seine Konzerte grosses Interesse bei Musikern und Musikliebhabern hervorriefen. 1967 spielte er auf der Bühne des Moskauer Konservatoriums 5 grosse Sonaten für Trompete und Klavier von den sowjetischen Komponisten B. Asafiev, E. Golubyov, M. Milman, N. Platonov und Y. Aleksandrov. Orvid war oft der erste, der unbekannte Werke in Russland aufführte, welche selbst die sowjetischen Trompeter nicht kannten: die «Légende» von Enesco, «Fairy-tales» von Absil, «Triptyques» von Tomasi, «Intrada» von Honegger, «Triptyques» von Desenclos und andere. Seine Konzerte ermutigten die Musiker, neue Werke ins Repertoire aufzunehmen.

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Auch seine brillanten Aufführungen im grossen Saal des Moskauer Konservatoriums waren stets ein grosser Erfolg. Dort führte er das Haydn-Konzert, die Symphonie concertante von Henry Barraud, dirigiert von Jean-Claude Casadesus, auf. Er nahm auch viele Werke auf: die Sonate für 2 Trompeten und Streicher von Vivaldi (mit seinem Schüler M. Yudin), die Sonatine von Martinu, die Sonaten von Hindemith, Milman und Aleksandrov, das Concertino von Banshikov und das Andante und Scherzo von Barat gehören zu den wichtigsten. Orvid ist auch der Autor der ersten sowjetischen Trompetenschule, die 1933 herauskam und 1936 und 1940 neu aufgelegt wurde. Neben Tonleitern, Übungen und Etüden enthält das Werk verschiedene Werke mit Klavierbegleitung. Er gab auch die Bearbeitung der Arban-Schule von Maire 1964 in der UdSSR heraus. Dieses Werk machte die sowjetischen Trompeter mit zeitgenössischem französischem Unterrichtsmaterial bekannt. Aus dem Schatz seiner Erfahrungen als Bläser und Lehrer publizierte er auch einige theoretische Werke über die Trompete. Seine wissenschaftlich-methodische Untersuchung über die Grundlagen der Tonerzeugung und die Kunst der Trompete, erschienen 1976, basierte auf Versuchen in akustischen Laboratorien und Röntgenaufnahmen von spielenden Trompetern. Orvid analysiert darin innere körperliche Vorgänge und erteilt viele nützliche Ratschläge. Ebenfalls publizierte er verschiedene Artikel über berühmte sowjetische Bläser.

Georgiy Antonovich Orvid

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Während nahezu 50 Jahren unterrichtete er am Moskauer Staatskonservatorium. Unter seinen Schülern sind viele Preisträger nationaler und internationaler Wettbewerbe, Solotrompeter grosser Symphonie- und Opernorchester und berühmte Lehrer. V. Yudin, S. Gevorkyan, L. Golovin, V. Traibman, O. Usach, L. Chumov, E. Fomin, M. Usach, N. Chobanu und andere zählen dazu.

Im Dezember 1984 wurde eine Feier anlässlich des 80. Geburtstages von Professor Orvid abgehalten. Das Moskauer Musikpublikum, die besten sowjetischen Trompetensolisten, das Moskauer Trompetenquartett, das Blechbläserquintett aus Schülern des Moskauer Konservatoriums, das Trompetenensemble der Bolschoi-Bühnenmusik nahmen daran teil.

Brass Bulletin 55, III / 1986 Seiten 75–79

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