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Teil 1

Instrumentenbau in USA

Instrumentenbau in USA

Besuch und Besichtigung verschiedener Blechblasinstrumentenbaufirmen in den Vereinigten Staaten

Im Anschluss an einen Studienaufenthalt in den USA hatte ich Gelegenheit, eine Reihe von Blechblasinstrumentenbaufirmen zu besuchen. Mit Ausnahme der Fa. King Music Co. in Eastlake, Ohio, die vorübergehend geschlossen war, konnte ich im Januar und Februar dieses Jahres die vorgesehenen Betriebe besichtigen, und ich möchte mich an dieser Stelle ganz herzlich für den freundlichen Empfang bedanken, der mir allerorten bereitet worden ist.

Meine Fragen wurden jeweils vom Besitzer selbst oder von einem der Manager beantwortet, und bereitwillig zeigte man mir die verschiedenen Produktionsabteilungen, wo ich auch fotografieren durfte. Die Grösse der einzelnen Unternehmen reicht von der Einmannfirma bis zum Grossbetrieb mit 700 Angestellten. Allgemein gesehen unterscheiden sich die maschinellen Einrichtungen und die Produktionsmethoden weniger als man erwarten könnte. Es hat sich in dieser Branche in den letzten hundert Jahren, verglichen mit anderen Wirtschaftszweigen, auch relativ wenig verändert. Seit einigen Jahren scheint sich aber ein Wandel anzubahnen, besonders im Bereich der Studenteninstrumente. Die für den Bau eines Instruments aufzuwendende Zeit verkürzt sich laufend, vor allem als Folge der neuen Entwicklungen in der Herstellung von Ventilen und Schallstücken. Zusätzlich werden die Verfahren des Lötens, Biegens, Rohrherstellens und Lackierens modifiziert und, da der Markt, wie man mir sagte, zu 95% Band-Instrumente verlangt, stehen weitere Umwälzungen bevor.

Die meisten Instrumente werden von Arbeitern gebaut, die kaum Beziehung zum fertigen Produkt haben. In der Regel werden sie in der Herstellung eines bestimmten Einzelteils oder für einen begrenzten Arbeitsablauf angelernt, und sie bleiben oft nur wenige Jahre im gleichen Betrieb.

Die meisten Blechblasinstrumente werden in der Gegend des Michigan-Sees gebaut. Dort befindet sich auch Elkhart, Indiana, heute immer noch das wichtigste Zentrum im Musikinstrumentenbau der Vereinigten Staaten. Da hier die Löhne höher sind als im Süden der USA, könnte es aktuell werden, die Fabrikation dorthin zu verlegen. Rohteile werden auch schon in Mexico hergestellt, wo ein noch viel ausgeprägteres Lohngefälle besteht im Vergleich zur Situation in den Staaten.

Abilene/ConnChicago/LewisChicago/SchilkeElkhorn/GetzenElkhorn/HoltonKenosha/MartinElkhart/BlessingElkhart/BachGrand Rapi...
  1. Abilene/Conn
  2. Chicago/Lewis
  3. Chicago/Schilke
  4. Elkhorn/Getzen
  5. Elkhorn/Holton
  6. Kenosha/Martin
  7. Elkhart/Blessing
  8. Elkhart/Bach
  9. Grand Rapids/Yamaha
  10. Boonsboro/Lawson

Die Nachfrage nach Holzblasinstrumenten setzte seiner Zeit lange vor dem Interesse an Blechblasinstrumenten ein. Beispielsweise weist ein New Yorker Dokument von 1786 einen umfangreichen Import verschiedenster Instrumente auf, Violinen, Spinette, Klarinetten, usw., aber keine Blechblasinstrumente. Diese waren noch nicht weit genug entwickelt, um in einer Band gespielt zu werden. Die Erfindungen in Europa der Klappenhorninstrumente am Ende des 18. und die der Ventile am Beginn des 19. Jahrhunderts steigerten die Einsatzmöglichkeiten ganz beträchtlich. 1834 wurde denn auch die vermutlich erste Brass Band gegründet, die «Dodworth Band of New York» und ein Jahr später die «Boston Brass Band». In den gleichen Jahren wurden auch die ersten Blechblasinstrumente in den USA selbst gebaut.

Der bedeutendste Instrumentenbauer der Anfangszeit war Samuel Graves, der 1824 die Graves & Co. gründete. Zuerst waren es ausschliesslich Holzblasinstrumente, und erst mit der Hilfe von James Keat, einem sehr guten Instrumentenbauer aus London, konnte Graves 1837 mit dem Bau von Blechblasinstrumenten beginnen.

Vier weitere Instrumentenbauer sind aus dem 19. Jh. hervorzuheben:

  • Joseph Lathrop Allen (aktiv 1833-1872), Erfinder eines effizienten Drehventils
  • E.G. Wright (aktiv 1839-1869), welcher u.a. Klappenhörner in Gold und Silber für Bandleader baute. Er gründete 1869 mit Samuel Graves die «Boston Musical Instrument Manufactory».
  • Thomas D. Paine (aktiv 1841-1881), Erfinder des Schnurmechanismus für Drehventile
  • Isaac Fiske (aktiv 1842-1887), von welchem verschiedene Ventilpatente stammen. In den 50er Jahren wurde eine Kornett Gruppe gegründet, die nur seine Instrumente spielte, die «Fiske’s Cornet Band». 1887 verkaufte er die Firma an C.G. Conn & Co.

(Eliason, Robert E. «Early American brass makers», Nashville 1979; Redway, Virginia, «Music directory of early New York city», New York 1941)

Für die nächsten Nummern des BRASS BULLETIN ist eine Folge von Kurzberichten über meine Besuche und Besichtigungen vorgesehen, beginnend in der kommenden Ausgabe mit den Firmen C.G. Conn & Co. und Schilke Music Products, Inc.

* Stephan Suter (*1961): 1968-1980: Rudolf Steiner Schule Basel; 1980-1984; Berufslehre bei der Fa. A. Egger, Basel mit Abschluss als Blechblasinstrumentenbauer; 1981-1983: Hornist im Schweizerischen Jugendsymphonieorchester; 1984-1985: Studienaufenthalt in den USA. 1985: Mitarbeiter in der Fa. A. Egger, Basel.

Brass Bulletin 50, II / 1985 Seiten 18–21

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