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Teil 3

Instrumentenbau in USA

C. G. Conn Ltd. Abilene, Texas

Instrumentenbau in USA

C. G. Conn Ltd.

Zurück zur Qualität

Conn ist wohl der älteste Name, unter dem in den Vereinigten Staaten heute noch Blechblasinstrumente hergestellt werden.

Der «erste» Conn, Charles Gerard, ein guter Kornettspieler, patentiert im Jahre 1875 ein Mundstück mit Gummirand, das er nach einer Lippenverletzung eigens für sich entwickelt hat. Im gleichen Jahr gründet er in Elkhart, Indiana, mit Eugen Dupont als Partner eine erste Firma, die Conn-Dupont, welche neben der Produktion dieser Mundstücke bald auch die Fabrikation von Blechblasinstrumenten aufnimmt. 1887, der Firmenname lautet inzwischen C.G. Conn Co., kauft er die damals bekannte Firma Isaac Fiske in Worchester, Massachusetts, auf. Es folgen gut 20 Jahre erfolgreichster Tätigkeit, dann wendet sich das Glück und Conn gibt auf. Er verkauft seine Firma im Jahre 1915 an Carl D. Greenleaf, der sie als C.G. Conn Ltd. weiterführt. Der bisherige Verkauf auf briefliche Bestellung wird dem Fach-Detailhandel übertragen, die Produktion wird rationalisiert und in einzelnen Bereichen auf Fliessband umgestellt. 1970 wird die Firma vom Druck- und Publikationskonzern MacMillan übernommen, der die Fabrik aus Kostengründen nach Abilene in Texas verlegt

Das Firmengebäude

Das Firmengebäude

Seit 1980 gehört die Firma zur Mardan Corporation in Elkhart, Indiana, wo deren heutiger Besitzer, Mr. Daniel J. Henkin mit Genugtuung feststellen kann, dass es gelungen ist, den in den vorhergehenden 10 Jahren verlorenen Boden zurückzugewinnen.

Die Conn Blechblasinstrumente werden an drei Orten gebaut: In Abilene konzentriert sich u.a. die Herstellung der Top-Linien, während sich die Fabrikation der Studenten-Instrumente auf die restliche Kapazität von Abilene und die beiden Werke Nogales verteilt, auf dasjenige im mexikanischen Nogales, wo die Rohteile und dasjenige im benachbarten gleichnamigen amerikanischen Ort im Staate Arizona, wo diese kontrolliert und zusammengebaut werden. Die Studenten-Trompeten und -Kornette (neben Saxophonen, Flöten und Piccoli) kommen aus Nogales, die übrigen Studenten-Blasinstrumente aus Abilene. Man hält darauf festzustellen, dass sämtliche Bestandteile in gesellschaftseigenen Werken hergestellt werden; so z.B. die Fiberglasteile für die leichten Sousaphone in der Etuifabrik in Goshen, Indiana.

Ein Vorarbeiter mit fertig gedrücktem vorderen Becherteil und dem Stahlmodell

Ein Vorarbeiter mit fertig gedrücktem vorderen Becherteil und dem Stahlmodell

Lackieren eines Waldhorns

Lackieren eines Waldhorns

Schallstück abschleifen

Schallstück abschleifen

Die Fabrik in Abilene ist ein einstöckiges, langes Gebäude. Im «Machine Product Department» werden die Kleinteile hergestellt, Aussen- und Innenzüge, Zwingen, Stützen, etc., bei Serien von mehr als 1500 Einheiten ausschliesslich auf Vollautomaten. Bei den Mundstücken z.B. muss nachträglich einzig die Stiftbohrung noch geschnitten werden. In der nächsten Abteilung, dem «Fabrication Dept.» werden die konischen Rohre hergestellt und mit Pechfüllung gebogen. Daneben entstehen in grösseren Serien die Roh-Schallstücke, die in mehreren Arbeitsgängen, ausgehend von 2 Messingblechzuschnitten, einer Scheibe und einem stumpfen Kegel, geformt, zusammengeschweisst, ausgeglüht und nachkorrigiert werden. Die im «Assembly Dept.» zusammengebauten Instrumente werden nach dem Polieren, das mir im «Buffing Dept.» gezeigt wurde, in Ultraschall-Bädern gereinigt. Dann werden die Instrumente zerlegt, die Öffnungen sorgfältig verschlossen, bevor die einzelnen Teile einen Finish aus Epoxidlack erhalten. Anschliessend werden sie zwischen Infrarotwänden durchgeführt, wo die aufgespritzte Lackhaut bei einer Temperatur um 150° C. eingebrannt wird. In der letzten Abteilung, dem «Final Assembly Dept.» erfolgt das Wiederzusammensetzen, das Justieren und die Kontrolle der fertiggestellten Instrumente.

Zusammenlöten eines Waldhorns

Zusammenlöten eines Waldhorns

Die Belegschaft stammt aus der Gegend. Wechsel von einer Abteilung in die andere erfolgen nicht häufig, die meisten bleiben dort, wo sie beim Eintritt in die Firma angelehrt worden sind. Man hat mir freundlicherweise ein Exemplar der Vereinbarung der Firma mit der zuständigen Gewerkschaft überlassen, worin die Beziehungen zwischen dem Unternehmen und der Belegschaft minutiös geregelt sind. Das Abkommen umfasst sämtliche in der Produktion eingesetzten Mitarbeiter, vom Pförtner bis zu den Spezial- und Vorarbeitern, wobei die einzelnen Bestimmungen ohne jede Diskriminierung betreffend Geschlecht, Alter, Rasse, Farbe, Glaube, Abstammung, physische und psychische Behinderung oder Gewerkschaftszugehörigkeit Anwendung finden sollen.

Drehen einer Kleinserie

Drehen einer Kleinserie

Eine Neueinstellung wird fest nach 60 Tagen Probezeit. Normal wird wöchentlich 40 Stunden gearbeitet, von Montag bis Freitag. Die Stundenlöhne, mit Zuschlägen für Schichtarbeit, werden für die einzelnen Arbeitsgänge in Dreijahresperioden im voraus festgelegt und zwar für die Probezeit und daran anschliessend für eine Betriebszugehörigkeit ab 2 bzw. 6 Monaten. Die Gehälter zwischen den einfachsten und den anspruchsvollsten Arbeiten stehen ungefähr im Verhältnis von 1:2. Die Gewerkschaft verzichtet auf Streik, das Unternehmen auf Aussperrung. Bei Entlassungen und in Streitfällen tritt ein genau festgelegtes Schlichtungsverfahren in Funktion. Wichtig ist für jeden Mitarbeiter das eigene Dienstalter im Betrieb, denn im Falle von Personalabbau trifft es zuerst die Zuletzt­eingetretenen. An Ferien werden in den ersten 2 Dienstjahren 1-2 Wochen, vom 9. Dienstjahr an 3 Wochen gewährt. Dazu kommen 10 bezahlte Feiertage im Jahr; einer davon ist der eigene Geburtstag. Zugunsten ihrer Angestellten finanziert die Fa. Conn eine paritätisch mit der Gewerkschaft verwaltete Pensionskasse, welche im Alter und bei Invalidität eine bescheidene Rente gewährleistet.

Die obigen Angaben stellen die Verhältnisse natürlich in sehr summarischer Form dar. Sie dürften aber doch ein gewisses Bild über die in einer derartigen Unternehmung im Süden der Vereinigten Staaten üblichen Anstellungsbedingungen geben.


C.G. Conn, Ltd.
5520 North First Street, Abilene, Texas 79603

Interview mit: Lyndia Oman, General Manager
Mitarbeiter: 125
Jahresproduktion: 12 - 15’000 Instrumente

Die Firma C.G. Conn, Ltd. gehört zur Mardan Corporation, Elkhart, Indiana in welcher folgende Firmen vereinigt sind:

C.G. Conn, Ltd., Abilene und Nogales
Artley Flutes, Nogales, Arizona
Goshen Case, Goshen, Indiana
Scherl & Roth, Cleveland, Ohio
Continental Music, Atlanta, Georgia und Reno, Nevada
King Music Co., Cleveland, Ohio
W.T. Armstrong, Elkhart, Indiana

Brass Bulletin 51, III / 1985 Seiten 54–58

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