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Teil 6

Instrumentenbau in USA

Holton (G. Leblanc Corporation)

Instrumentenbau in USA

Die heute zur G. Leblanc Corporation gehörende Firma Holton ist in einem prächtigen alten Fabrikgebäude in Elkhorn, Wisconsin, untergebracht. In dieser lieblichen Gegend, 120 km nördlich von Chicago, pflegte der Gründer der Firma, Frank Holton, seine Ferien zu verbringen. Es sind nun schon gut 65 Jahre her, seit er beschloss, seinen damaligen Betrieb samt der Belegschaft von Chicago nach Elkhorn zu verlegen.

Frank Holton war zur Zeit der Gründung seiner Firma, 1898, ein sehr bekannter Posaunist. Anfänglich wandte er sich der Herstellung von Hilfsprodukten, wie Zugfett und ähnlichem, zu. Im Verlaufe der Zeit wurde eine mechanische Werkstätte angegliedert, wo zuerst Reparaturen ausgeführt wurden. Dann aber wagte er den Schritt zum Instrumentenbau, wobei er mit «seinem» Instrument, der Posaune, begann. Nach und nach wurde die Produktion erweitert.

Heute liegt das Hauptgewicht bei den Waldhörnern. Daneben werden jedoch nach wie vor Top-Posaunen gebaut, sowie Es-Hörner, Sousaphone und Baritone. Unter dem Namen «Marching French Horn» wird zudem ein speziell entwickeltes und patentiertes Horn mit Perinet Ventilen hergestellt, welches in «Trompetenhaltung» geblasen wird, an die man sich schon etwas gewöhnen muss.

Lotauswalzmaschine

Lotauswalzmaschine

Drücken eines Waldhornbechers

Drücken eines Waldhornbechers

Quernaht-Löten eines Waldhornschallstücks

Quernaht-Löten eines Waldhornschallstücks

Dem einzelnen Arbeiter wird in der Regel nur ein kleiner, in kurzer Zeit erlernbarer Produktionsschritt anvertraut. Man schätzt aber die langjährig tätige Belegschaft, und nicht ohne Stolz wurde mir Frau Dorothy Rohda vorgestellt, seit 57 Jahren treue Mitarbeiterin der Firma!

Spezielle Herstellungsverfahren, die sich grundlegend von der Konkurrenz unterscheiden, sah ich bei Holton nicht. Die Schallstücke werden vorwiegend aus zwei Teilen hergestellt, gebogen wird in konventioneller Art mit Pech. Besonders fasziniert haben mich die Geschicklichkeit und Schnelligkeit, welche beim Biegen und Nachrichten der Waldhornschallstücke zu beobachten waren: Befestigen des geraden Schallstücks an der Modellscheibe und gekonntes Darumziehen. Die Posaunenzüge werden in Gruppen von drei Einheiten maschinell eingeschliffen. Das Entgräten der gestanzten Teile erfolgt im Vibrationsbad, wie dies in der Branche üblich ist. Sehr gut ausgebaut ist bei Holton die Galvanische Abteilung, wo verchromt, vernickelt, versilbert und vergoldet wird. Auch hier interessierte es mich, die Auffassung über die Wirkung der Oberflächenvergütungen kennen zu lernen. Herr Larry Ramirez, der mich durch den Betrieb führte, meinte dazu:

Die Tonqualität ist zweifellos besser bei unbehandelten Instrumenten; die Kehrseite dazu ist die Ungeschütztheit des Metalls. Jedes Galvanisieren verändert die Materialstärke, auch wenn es noch so wenig ist; nur sind eben viele nicht feinhörig genug, um den Unterschied wahrzunehmen.

Biegen eines Waldhornschallstücks

Biegen eines Waldhornschallstücks

Sauberschaben pechgefüllter Rohre

Sauberschaben pechgefüllter Rohre

Grosse Wichtigkeit wird bei Holton dem Grad des Ausglühens beigelegt.

Es kommt alles auf die gewünschte Klangfarbe an, und davon hängt es ab, wie lange und mit welcher Temperatur ein Becher ausgeglüht werden muss. Ein Trompetenbecher, der nach einem brillanten Klang verlangt, wird selbstverständlich hart belassen; ganz anders bei einer Bass-Posaune, bei der auf einen weichen, dunkeln Klang hingearbeitet wird. Nur darf man eine gewisse Grenze nicht überschreiten, das Material verliert sonst jede Tragkraft: der Ton fällt dann geradezu vor einem herunter!

Verglichen mit den Spitzenqualitäten sind die Studenteninstrumente in der Konstruktion wesentlich vereinfacht. So besitzen z.B. bei Trompeten die Ventile nur eine Führung, die oberen und die unteren Ventildeckel sind identisch, es wird nicht um einen Draht, sondern hohl gebördelt. Auch die Formgebung der Stahldorne, auf welche die Rohre aufgezogen werden, beschränkt sich auf das Wesentliche (weniger Punkte auf der X-Achse).

Zusammenlöten eines Waldhorns

Zusammenlöten eines Waldhorns

An Mundstücken offeriert Holton bei den Waldhörnern 6 verschiedene Modelle, bei den übrigen Instrumenten meist nur ein einziges.

Spezialanfertigungen werden nur in Ausnahmefällen ausgeführt, etwa wenn es sich um einen besonders bekannten Musiker handelt. Da wird dann unter Umständen, wie z.B. für Philipp Farkas, ein individuell ausgerichtetes Modell entwickelt. Dieses kann in der Folge ebenso zum Prototyp einer ganzen Serie werden.

Auch bei Holton blickt man mit Vertrauen in die Zukunft. «Vor allem,» so Larry Ramirez, «wollen wir vermehrt mit Posaunen experimentieren. Allgemein ist noch viel Raum für Verbesserungen, nur müssen wir immer wieder feststellen, dass sehr viele Musiker — und die Blechbläser ganz speziell — extrem konservativ sind! Neue Ideen setzen sich da nur mit Mühe durch. Aber wir werden sie durchsetzen!»

G. Leblanc Corporation

President: Vito Pascucci
Executive Vice President: Leon Pascucci
Vice President Marketing: Bill Price

Interviews with: Stan Surber, VP International Sales (Leblanc)
Larry Ramirez, Design Engineer (Holton)
Angelo Battelini, General Manager (Martin)

Employees, Holton, Martin and Vito Woodwind: 350

Repairs: only on own instruments

The G. Leblanc corporation distributes the following brands: Leblanc (Paris), Holton, Martin, Yanagisawa, Noblet/Normandy, Courtois, Vito, Vandoren, and woodwind brands.

Contact address (for Holton and Martin):
Stan Surber, VP International Sales, G. Leblanc Corporation, 7019 Thirtieth Avenue, Kenosha, Wisconsin 53141, USA.

Brass Bulletin 53, I / 1986 Seiten 109–112

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