2 Min. Lesezeit
Punkt- und flächenförmige Korrosionserscheinungen an Blechblasinstrumenten aus Messing (MS 72)
Von Karl Hachenberg
Nach einer Definition der DIN 50900 versteht man unter Korrosion «die von der Oberfläche ausgehende, durch unbeabsichtigten chemischen oder elektrochemischen Angriff hervorgerufene Veränderung eines Werkstoffes». Uns allen ist die zerstörende Wirkung der Korrosion des Eisens — auch Rost genannt — gut bekannt. Weniger bekannt dürfte sein, dass es auch bei anderen Metallen und Legierungen ähnliche zerstörende Korrosionserscheinungen gibt. Dies trifft in besonderer Weise auf eine spezielle Korrosionsform des Messings zu, die man «Entzinkung» nennt.
Die Entzinkung entsteht in der Regel durch die Bildung von «Lokalelementen» auf der Metalloberfläche, die zu einer Auflösung des Materialgefüges führen. Voraussetzung für die Entzinkung ist allerdings die Anwesenheit von Feuchtigkeit, die als Elektrolyt wirkt. Durch die Korrosion wird das unedlere Zink aus dem Materialgefüge herausgelöst. An der Korrosionsstelle bleibt eine mehr oder weniger poröse Kupfermasse zurück. Die Fehlerstelle weist in der Regel die typische rötliche Farbe des Kupfers auf.
Bei Blechblasinstrumenten aus gelbem Messing (MS 72) sind die Korrosionserscheinungen häufig als vereinzelte rote Punkte oder Flecken bis 5 mm Durchmesser zu erkennen. Sie treten bevorzugt an den Instrumententeilen auf, die beim Gebrauch von innen feucht werden, z.B. Mundrohre, Stimmzüge, etc. Vielen Bläsern und mit Sicherheit allen Instrumentenherstellern ist das Erscheinungsbild aus der Praxis gut bekannt. Über die Fehlerursachen werden allerdings ausserordentlich unterschiedliche Ansichten vertreten. Die häufigsten Aussagen lauten:
- Der Speichel des Bläsers ist zu aggressiv.
- Die Pflege des Instrumentes war mangelhaft.
- Magensäure ist ins Instrument gelangt.
- Die Werkstoffe sind nicht mehr so gut wie früher.
- Durch die Lackierung kann das Metall nicht atmen.
- Durch das hydraulische Aufweiten von Messingrohren entstehen Poren im Werkstoff.
Da ich beruflich ständig mit der labormässigen Untersuchung von Korrosionsfällen beschäftigt bin und bei der Pflege meiner privaten Blechblasinstrumentensammlung mit derartigen Korrosionsproblemen immer wieder konfrontiert wurde, hat es mich natürlich gereizt, dieses Problem einmal etwas genauer zu untersuchen. Ich habe im Laufe von einigen Jahren eine Vielzahl von Instrumententeilen mit und ohne rote Punkte und Flecken u.a. mikroskopisch und analytisch untersucht. Siehe hierzu auch die Bilder 1-4. Ausserdem habe ich die beim Gebrauch der Instrumente auftretenden korrosiven Beanspruchungen so weit wie möglich analysiert.
Weiterlesen
Erhalten Sie vollständigen Zugang zur digitalen Ausgabe.
Brass Bulletin 54, / 1986 Seiten 99–102
Alle Inhalte sind urheberrechtlich geschützt © Brass Bulletin 1986–2026