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Die Posaune im Jazz und in der Unterhaltungsmusik
Die klassische Armstrong-Periode (1927-1945)
Von Michel Laplace
Louis Armstrong und Trummy Young (Harold Davison Ltd.)
In New Orleans hatte sich, abseits vom charakteristischen «tailgate», ein origineller, für die gemeinsame Improvisation in kleiner Formation geeigneter Stil von 1926 an entwickelt. Die Posaunisten erkannten aber sehr rasch die Grenzen dieser Spielart, und der «moderne» Legatostil wurde in den Tanzorchestern von 1922-1925 an gespielt. Die weissen Musiker üben einen technischen Einfluss auf die Schwarzen aus, welche die Weissen wiederum in stilistischer Hinsicht beeinflussen.
Lange galt Jimmy Harrison als der einzige (oder erste) Pionier des solistischen Posaunenspiels im Jazz (1900-1931)³, aber offenbar muss die Vaterschaft geteilt werden zwischen Harrison, Charlie Green (1900-1936), J.C. Higginbotham (1906-1973) und Benny Morton (*1907). Der Trompeter June Clark, der Green und Harrison beschäftigt hat, stuft beide gleich hoch ein. Green wurde als Vorreiter der drei anderen angesehen aufgrund seiner Aufnahme «trombone Cholly» mit Bessie Smith 1927, die ein Nahtstück zwischen archaischem und modernem Stil ist. Green, Harrison und Morton haben die Gemeinsamkeit, im Orchester von Fletcher Henderson (1927-1928) entdeckt worden zu sein. Neben seinen muskulösen und swingenden Einwürfen ist Harrison auch ein trefflicher Melodiker (Hop off, Sept. 1928 vgl. mit «I’ve found what I wanted», Dez. 1930). Seine Technik scheint uns ausgezeichnet (Beisp 2), und er scheint zweifellos von Armstrong sehr beeinflusst zu sein. Der Stil Higginbothams erscheint uns weniger raffiniert als der Harrisons. King Oliver ermöglicht ihm die ersten Aufnahmen.
Bsp. 2 — «Walk that thing», Charlie Johnson’s Paradise Orchestra: 19. Sept. 1928. transkr. von John R.T. Davis (Storyville 35, 1971). Jimmy Harrisons Break (Take 1)
Zu dieser Zeit ist der Einfluss Louis Armstrongs bestimmend für die Posaunisten. Er inspiriert direkt Harrison, Higginbotham, Jack Teagarden und Trummy Young. Der populärste unter ihnen war der Weisse Jack Teagarden (1905-1964), der einen nonchalanten Stil mit untadeliger Technik verband. Wie der Trompeter Max Kaminski berichtet, benützte er häufig Hilfspositionen.
Er beginnt 1928 mit Plattenaufnahmen. Wie Mole («shim-me-sha wabble» mit seinen little Molers 1928) wechselt Teagarden Legato-Passagen mit Portatostellen ab («makin’ friends», Cordon & his Footwarmers 1928). In der Hochblüte des Swing, wo jeder Virtuose seine eigene Bigband hatte (L. Armstrong, T. Dorsey, H. James....), tat er, allerdings ohne grossen Erfolg, das selbe.
Jack Teagarden (Sammlung M. Laplace)
Jimmy Harrison (Sammlung M. Laplace)
J.C. Higginbotham, als Anfänger, 1926 (Foto Sammlung T. Zwicky)
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Brass Bulletin 51, III / 1985 Seiten 40–46
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