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Ungarn-Spezial

Die Trompeten des ungarischen Nationalmuseums Budapest

Die Trompeten des ungarischen Nationalmuseums Budapest

Ich hatte im Oktober 1983 Gelegenheit, die international wohl kaum bekannten Trompeteninstrumente des «Magyar Nemzeti Múzeum» zu vermessen. Da diese Instrumente in einem Depot lagern und nur vereinzelt zu Ausstellungen herangezogen werden, ist ihr Bekanntheitsgrad, selbst in Ungarn, nicht sehr hoch. Um den geplanten Katalog der Sammlung nicht allzusehr vorgreifen zu wollen, erscheint hier nur eine Übersicht, sowie eine genauere Beschreibung der vier, mir am interessantest erscheinenden, Trompeten. Ich danke dem stellvertretenden Generaldirektor des Museums, Herrn Dr. T. Kovacs, für die Veröffentlichungsgenehmigung, und Frau Eszter Fontana, der Leiterin der Musiksammlung, für ihre freundliche Unterstützung.

Tenorposaune, Geyer, Wien, 1702 (Inv. Nr H 1951.9)

Tenorposaune, Geyer, Wien, 1702 (Inv. Nr H 1951.9)

Stürze des Geyer-Posaune (Inv. Nr H 1951.9)

Stürze des Geyer-Posaune (Inv. Nr H 1951.9)

Tabelle 1: Trompeteninstrumente des Ungarischen Nationalmuseums in Budapest

Nr.Instrument
1Naturtrompete in F, Kerner, Wien 1798, silber (schwarz)/gold
2Naturtrompete in D, Kerner, Wien 1800, mit Mundstück
3Naturtrompete in D, anonym (Ungarn, 19. Jh.?), mit Mundstück
4Naturtrompete in E♭, Huschauer, Wien 1804
52 Naturtrompeten, anonym 19. Jh., davon 1 mit Mundstück
6Kurze Naturtrompete in D♭, Lausmann, Pressburg (Bratislava) 1823, mit Mundstück
7Kurze Naturtrompete, anonym, unspielbar (schwer beschädigt)
8Klappentrompete in D♭, Hoyer, 5 Klappen, mit Mundstück
9Fanfaretrompete in tief D, W.J. Schunda, Pest 2. Hälfte d. 19. Jh. (Länge: 107 cm, Schallbecher Ø: 13,4/13,6 cm)
10Altposaune, Geyer, Wien 1702
11Tenorposaune, Geyer, Wien 1702, mit Mundstück

Verschiedene Instrumente fielen einem Brand im letzten Krieg zum Opfer; von einigen davon gibt es noch Kranzreste, z.B.: «Chr. Scheily in Pest», «Thomas Zilka, Brünn» und «D. Meink KK a p Instr Fabrick in Wien».

Beschreibungen:

1) Naturtrompete in F (Inv. Nr. 67.8520, Waffensammlung) Inschrift: IGNAZ KERNER KAY KÖNIG HOFTROMP UND WALDHORNMACHER IN WIEN 1798 (s. Abb. 4). Bögen, Rohre und Schallstück sind schwarz oxydiert (ursprünglich silber, wie unter dem beweglichen Knauf ersichtlich), Zwingen, Knauf und Kranz (mit Muscheln) sind gold. Am Instrument befinden sich auch zwei goldene, originale Kordeln. Knickstellen in der Stürze. Zustand: 3-4, musikalische Qualität: 1-2, Verarbeitungsqualität: 1-2. Ein schönes Instrument mit schönem Klang.

2) Naturtrompete mit Mundstück in D (Inv. Nr. 67.8558) Inschrift: ANTON UND IGNAZ KERNER KK PRIVIL HOF UND KAMMER WALDHORN UND TRP MACHER IN WIEN 1800. Knauf nicht beweglich, Muschelkranz. Diente vermutlich als Vorlage für Instrument 1916.34.8.6, mit dem es gemeinsam aus kirchlichem Besitz erworben wurde (s.a. dieses). Kein Holzpflock, sondern 3 Metallstreben, die Mundrohr und Stürze verbinden (Loch in Stürze vorhanden!), die offenbar jüngeren Datums sind. Zustand: 2, musikalische Qualität: 2, Verarbeitungsqualität: 2.

Naturtrompete in D und Naturtrompete in F, beide Kerner, Wien (Inv. Nr. 67.8558 und 67.8520)

Naturtrompete in D und Naturtrompete in F, beide Kerner, Wien (Inv. Nr. 67.8558 und 67.8520)

Stürze der F-Trompete (Inv. Nr. 67.8520)

Stürze der F-Trompete (Inv. Nr. 67.8520)

Tabelle 2: Masse der beschriebenen Trompeten

Instrument67.852067.85581916.34.8.61951.5
Stimmtonhöhe:FDDE♭
bei a’:450 Hz438 (442) Hz438 Hz¹435 Hz
Mundstück:Tilz Sp. 2Original (Tilz Sp. 2)OriginalTilz Sp. 2
Länge:58,5 cm72,5 cm72,5 cm¹69,0 cm
Bohrung beim Mundstück:11,55 mm11,7/11,85 mm11,7 mm11,8 mm
Aussen Ø des Rohres:12,0 mm12,1-12,4 mm12,1-13,0 mm11,9-12,0 mm
Schallbecher Ø:11,57/11,63 cm11,57/11,70 cm11,31/11,42 cm nicht sehr gleichmässig rund11,98/12,06 cm
Nahtstellen der Stürze:nicht sichtbarMusic example 1nicht sichtbarnicht sichtbar

¹ ohne Zusatzstück

Tabelle 3: Originalmundstücke (Masse in mm)

Instrument67.85581916.34.8.6
Gesamtlänge:74,566,5
Kesselteil:  
Länge:20,222,1
Innen Ø/Aussen Ø:17,3/27,918,9/28,5
Tiefe:12,210,- (nicht exakt messbar)
Bohrung:4,154,3
Rand:flachflach
Beschreibung:scharfe Kantezw. Kessel- und Trichterform
Schaft:  
zyl. oder kon.:beideskonisch
Länge:53,636,8
Ø beim Kessel:10,912,7
Ø am Ende:10,210,4-10,6 (leicht deformiert)
Bohrung (zyl. o. kon.):beideskonisch
Innen Ø am Ende:8,2/10,28,8/9,1
Beschreibung:voller Ton, liegt gut 
Skizzeinnen: konisch / zylindrisch

Skizze
innen: konisch / zylindrisch

3) Naturtrompete mit Mundstück in D (Inv. Nr. 1916.34.8.6) Dieses Instrument wurde gemeinsam mit dem vorhergehenden aus kirchlichem Besitz erworben. Provenienz ungewiss (Ungarn, 19. Jh.?), keine Inschrift, kein Zeichen. Es befindet sich ein nicht originales Zusatzstück (Länge 10,29 cm) an dieser Trompete. Mit grosser Wahrscheinlichkeit handelt es sich hier um eine Kopie des Instrumentes 67.8558. Für diese Annahme spricht:
a) die gleiche Stimmung (ohne Zusatzstück)
b) der völlig gleiche Knauf
c) die 3 Metallstreben, die sich an der gleichen Stelle wie beim Pendant befinden
d) die (unnötige) letzte Zwinge, die an der gleichen Stelle wie beim Gegenstück sitzt. (Der 2. Bogen geht einteilig über die letzte Zwinge hinaus, sodass das Schallstück erst 62,4 mm nach dieser beginnt.)

4) Naturtrompete in E♭ (Inv. Nr. 1951.5) Provenienz: Wien 1804. Inschrift: Joseph Huschauer, 18 in Wienn 04 Kranz verziert mit: [Ornament] und Muscheln. Alle Inventarnummern, die mit 1951 beginnen, gehören zu Instrumenten, von denen alle Unterlagen in den Kriegswirren verlorengingen. Zustand: 3, musikalische Qualität: 2 (sehr hell klingend), Verarbeitungsqualität: 2.

Instrumente von peripherem Interesse

Neben dem Serpent (Inv. Nr. H 1951.27, Inschrift am Mundstück: GEBR. ALEXANDER MAINZ; s. Abb. 5) ist vor allem der Elfenbeinzink bedeutsam.

Der Serpent der Sammlung (Inv. Nr. H 1951.27)

Der Serpent der Sammlung (Inv. Nr. H 1951.27)

Dieser Zink (Inv. Nr. H 1876.147.10) steht in B♭ (a’ = 445 Hz, gemessen mit einer Rekonstruktion des Mundstückes 1879.55 des Historischen Museums in Basel) und ist rechtsgriffig. Eine Röntgen- und zwei Endoskopie-Aufnahmen findet man im «Galpin Society Journal XXXVI» (Eszter Fontana: The Manufacture of Ivory Cornetti). Er trägt weder Inschrift noch Zeichen.

Der Elfenbeinzink der Sammlung (Inv. Nr. H 1876.147.10)

Der Elfenbeinzink der Sammlung (Inv. Nr. H 1876.147.10)

Diese Skizze entspricht der der Messprotokolle, die Edward H. Tarr für die Beschreibung dieser Instrumente für den Katalogteil des «Zink-Buches» (Basler Jahrbuch für historische Musikpraxis V, 1981) verwendete.

Tabelle 4: Die Masse des Elfenbeinzinkes

Tabelle 4: Die Masse des Elfenbeinzinkes

Table 4: Measurements of the ivory cornetto

Measurement (mm)Description
578Overall length along this centre line
256Lenght 1
322Lenght 2
3.12/3.25Outside measurement, lower end, AB
2.715/1.72Inside measurement, lower opening, CD
1.58/1.64Outside measurement, upper end, EF
0.68Inside measurement, narrowest point, GH
approx. 400Distance GH-EF

Brass Bulletin 48, IV / 1984 Seiten 64–70

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