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Die Trompete und das Kornett im Jazz und in der Volksmusik
Besondere Jazz-Techniken
Von Michel Laplace
Es ist kein zum Jazz gehöriges Ausdruckselement, aber bis zum Bop war es ein wichtiger Bestandteil. Sowohl während der «archaischen» wie während der «klassischen» Periode war es das persönlichste Merkmal jedes Solisten; jeder wählte seine eigene Geschwindigkeit, Intensität und Verwendungsweise.
Louis Armstrong benützte während seinen drei schöpferischen Perioden je ein eigenes Vibrato. Gemäss Irakli ist dieses Armstrong’sche Vibrato vor der Aera der «Hot Five» ziemlich schnell (nahe bei Oliver). Bis 1940 vibriert er dann mit sehr leichten Trillern in der hohen Tonlage. Nach 1940 besteht sein Vibrato in der Höhe eigentlich aus einem Triller. Er benützt dieses Vibrato zum Phrasieren. Es verändert sich je nach Tempo. Sein sehr singendes Vibrato ist ein seltenes Wunder in langsamen Tempi. Armstrong demonstrierte aber auch die Art und Weise, wie man dieses Vibrato produziert: indem man das Instrument mit der rechten Hand in schwingender Bewegung schüttelt. Unter andern befürwortet auch Fred Gérard dieses Vorgehen. Andere, wie Edna White¹⁶, lehnen es ab und setzen sich für ein Vibrato ein, das durch eine «Vibration der Luftsäule» bewirkt wird. Gewisse begabte Jazz-Musiker der jungen französischen Generation wir Jean-Luc Cappozzo wenden dieses Prinzip an.
Bix Beiderbecke hielt die «richtige» Note aus und fügte ihr am Ende ein Vibrato an, das langsamer war als dasjenige von Armstrong. Joe Smith andererseits verwendete ein konstantes und viel markanteres Vibrato, das nach Dick Sudhalter durch die Vibration des Unterkiefers (oder durch die Vibration der Luftsäule) hervorgerufen wird.
Sudhalter hat ein Diagramm des Vibratos von acht bedeutenden Solisten der «virtuosen» Aera aufgezeichnet¹⁹ (Schema Nr. 5).
Schema 5
Vibrato nach Sudhalter
Das Vibrato von Rex Stewart wurde nach der Entwicklung seiner Ventil-Technik viel gepresster. Ende der 40er-Jahre haben Gillespie und Miles Davis eine besondere Variante eingeführt: das Fehlen des Vibratos. (Als die «klassischen» Trompeter, vor allem in Frankreich, noch das Vibrato benützten; man denke an Raymond Sabarich. Erst mit Maurice André entschloss man sich in den 60er-Jahren für Töne, die wenig oder gar nicht vibriert wurden. Mit dem hervorragenden Timofey Dokshitser als Beispiel sind die Russen dem Vibrato treu geblieben. Als ich im August 1982 diesen Künstler beim Einblasen aus der Nähe beobachten konnte, stellte ich fest, dass er mit dem Unterkiefer ein wenig vibriert.) Im «modernen» Jazz kann man bei Clifford Brown am Ende der Phrase ein sehr diskretes Vibrato hören, wenn er in mittlerem oder langsamem Tempo die Themen exponiert (Serie der französischen Aufnahmen im Jahre 1953). Das schnelle Vibrato ergibt folgende Aufzeichnung: 〰 (Beispiel Nr. 15).
Beispiel 15
«Skit-dah-de-dat» — Louis Armstrong, Transkr. Lee Castle (*1915)
Die Effekte
Wenn man vom Einfacheren zum Komplizierteren fortschreitet, ergibt sich folgende Liste:
- der «du-wah»
- der «bend», «smear», «dip»
- der «drop»
- der «half-valve», «glissando»
- der «growl», «rasps»
- der «shake»
1. der «du-wah» (englische Aussprache) (Beispiel Nr. 16)
«du-wah» bezeichnet den Klang, der entsteht, wenn man die gebogenen Finger der linken Hand (bei einem Rechtshänder) vor die Stürze hält. Es entsteht ein dumpfes «du». Wenn die Hand sich von der Stürze entfernt, wobei sich die Finger langsam strecken, wird der Ton zu einem «wah». Also wie der Wink «Auf Wiedersehn» vor der Stürze der Trompete! Die Zeichen «+» und «o» über den Noten bedeuten «Hand vor» und «Hand ausserhalb» der Stürze. Für diesen Effekt kann auch der Dämpfer «Plunger» verwendet werden.
Beispiel 16
2. Trompetenstimme: «Don’t get around much anymore» von Duke Ellington
2. Der «bend», der «smear», der «dip» (Beispiele Nr. 17)
(U) = dip und gleicht dem Anfang eines übertriebenen Vibratos, das kurz nach dem Anstoss aufhört.
Der «bend» ist ähnlich: man muss den Ton in der Mitte senken und dann wieder auf die ursprüngliche Tonhöhe zurückführen. Nach Yngve Nilsson sieht das folgendermassen aus (ohne Verwendung der Ventile):
Der «smear» ist eine Bezeichnung für folgende Technik: den Ton über einen halbtonschritt gleiten lassen, um so einen «unsauberen» (dirty) Effekt zu erzielen.
Er wird im Blues bei mittleren Tempi verwendet.
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Brass Bulletin 47, III / 1984 Seiten 39–45
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