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Haydns Trompetenkonzert

André, Wobisch, Dokschitzer, Stringer und andere zeigen, wie Tempo, Phrasierung, Verzierungen und Kadenzen Haydns Konzert verändern.
Haydns Trompetenkonzert

Im 1. Teil dieses Beitrags habe ich mit Notenbeispielen die Verschiedenheit der im Druck vorliegenden Lesarten des Haydn-Konzertes illustriert. Da dieser dreiteiligen Artikelfolge (II: Interpretation; III: Rezeption) nur sehr beschränkter Raum zur Verfügung steht, werde ich die hier lediglich angeschnittene Analyse in einer späteren Veröffentlichung vertiefen. Dort werde ich auch verschiedene Ausgaben mit dem Mikrofilm des Originals vergleichen und Interviews und Briefe von Interpreten wiedergeben.

II. Die Interpretation

Die meisten von uns wissen um den Unterschied, ob man einen Text oberflächlich (dem Wortlaut nach) oder aber substantiell (Geist und Gehalt des Gesagten erfassend) von einer Sprache in die andere übersetzt. Nicht von ungefähr heisst «Dolmetscher» im Französischen «interprète». Die Analogie führt uns unserem Problem auf die Spur.

Dass es in der Musik nicht genügt, die Noten (die «Wörter») zu spielen, weiss jeder. Darüber hinaus gilt es, Wesentliches («Schlüsselwörter») und Beiwerk auseinanderzuhalten, richtig zu phrasieren (zu «interpunktieren», «Kommas», «Punkte» und «Abschnitte» zu setzen), ohne sich vom beabsichtigten Stil (der im Original gewählten Ausdrucksform) zu entfernen und ohne des Inhaltes (der vom «Erzähler» verfolgten Absicht) verlustig zu gehen. Denn Hauptaufgabe des Interpreten ist es, den Geist der einzelnen Sätze («Kapitel») des Musikstückes («Buches») wiederzugeben.

Geist und Gehalt des Werkes

Wie sie definieren, wie ihnen auf die Spur kommen?

Nur recht wenig ist anscheinend über Haydns Trompetenkonzert geschrieben worden (allerdings habe ich noch nicht die gesamte Literatur durchgekämmt). Doch vielleicht sind auch schon ein paar Hinweise interessant. Sie gehen von der Persönlichkeit des Komponisten, seiner gesellschaftlichen Stellung und seiner Zeit aus.

Haydn gilt als eines der nur fünf Genies der Weltgeschichte, die sich bester seelischer und körperlicher Gesundheit erfreuten. Strotzend von Gesundheit, waschechter Österreicher, war unser Komponist für seinen Humor bekannt. Seine Stellung am Hof (1761-1790) forderte von Haydn viele Opfer, brachte ihm Arbeitsüberlastung, Einsamkeit — aber auch Vorteile. Er konnte dem Experimentieren frönen, wozu er auch motiviert war: verschiedene Versionen eines Orchesterwerkes durchspielen lassen und je nach Erfolg überarbeiten, neue Instrumente oder neue Spielweisen einführen (Karajan, S. 9) usw.

Er dachte gar daran, mittels Würfeln zu komponieren. Nach mühevollem Tagewerk brachte er sich zu nachtschlafener Stunde in sechs Monaten das Barytonspiel bei, um seinem Dienstherrn, der dieses Instrument nur sehr mässig beherrschte, zu zeigen, wie weit man es darauf bringen konnte (Hughes, S. 39). Haydns Kantate «Die Erwählung eines Kapellmeisters» befasst sich in ironischer Weise mit der Dirigentenwahl (Kobald, S. 224).

Wenn nun dieser Komponist ein Konzert für eine neue Trompete schrieb, so geschah dies bestimmt nicht nur aus Freundschaft zu einem Hoftrompeter, sondern — vielleicht sogar in erster Linie! — als bewusste Herausforderung. Das von Weidinger entwickelte Instrument war sehr unvollkommen und schwierig zu spielen (unterschiedliche Stärke und Qualität der Töne). Nach Tenschert (S. 213) war diese Trompete «noch nicht völlig ausgereift», als Haydn sein Konzert schrieb. Abenteuerlich also, für dieses Instrument zu schreiben.

Bereits 1796 geschrieben, wurde das Werk für «Solotrompete, 2 Violinen, Bratsche, Bass, 2 Flöten, 2 Oboen, 2 Fagotte, 2 Hörner, 2 Trompeten und 2 Pauken» (Hoboken HV 22, Nr. 1) erst 1800 im Wiener Burgtheater aufgeführt (Robbins, S. 35).

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Brass Bulletin 36, IV / 1981 Seiten 34–41

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