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Von den Jagdzinken und anderen ähnlichen Instrumenten
Aus Pierre Trichets Traité des Instruments de Musique (um 1640)
Von Pierre Trichet
Pierre Trichet (1586/1587 - 1644)
Ich stelle fest, dass die Jagdzinken, die Hörner, die Buzinen, die Trompeten und die Büchel keine Löcher auf der Oberfläche aufweisen, gleich den Trompeten und Zugtrompeten (Saqueboutes). Sie sind deswegen aber trotzdem polyphon und können verschiedene Töne erzeugen. Aber alle diese Namen scheinen synonym zu sein und unter den Franzosen eine selbe Sache zu bedeuten, gleich wie man auch behauptet, dass cornu, lituus und buccina von den Römern oft durcheinandergebracht werden. Es stimmt, dass Festus annimmt, der Lituus sei eine Art kleiner Buzine, und dass Lipsius (Buch 4 de militia Romana (1594)) sagt, dass Buzine und Zink am Anfang nicht unterschieden wurden, dass man diese Unterscheidung seither aber macht, weil man die Zinken (cornets) grösser und gebogener baut. Die Buzine, so der selbe Autor, war ursprünglich ein Rinderhorn: et a bene nomen sumpsit, ut instrumentum quod bubus canit (den Namen hat das Instrument zu Recht angenommen, denn es röhrt wie ein Rindvieh…). Isidor leitet die Etymologie des Wortes ab von buccina a voce quasi vocinam dicas (Buzine, d.h. Rindlein, weil die Stimme wie ein Stimmlein klingt). Varro hingegen (1. rer. deper.) nimmt an, dass sie so heisst, weil sie beim Anblasen «Bu-Bu» klingt. Pancirole erklärt Form und Namen der Buzine mit folgenden Worten: usurpabant buccinas circa orificium, per quod vox immittebatur, angustas: in ima vero parte, ex qua sonus egreditur latas: erantque oblongae ad similitudinem buccini, quod purpurae genus est, unde et causa nomini (Die Buzinen nahmen eine solche Form an, dass sie bei der Öffnung, durch die der Ton hineingeblasen wird, eng waren und im unteren Teil dagegen, wo der Ton herauskommt, weit. Sie waren länglich wie die Buccini, welches eine Art Purpurschnecken ist — woher auch der Name stammt).
Einer unserer französischen Schriftsteller sagt, dass das Jagdhorn nicht die Stürze ist, welche man heutzutage benützt, sondern ein Horn aus Elfenbein oder Horn — denn die alten Jäger benützten nur Tierhörner, während die Stürzen ganz aus Erz gemacht sind. Ich gestehe ihm gerne zu, dass einst die Hörner nur aus Elfenbein oder Horn gemacht wurden, aber man macht heutzutage auch ganz zweifellos Hörner aus anderen Materialien. Jules de l’Escale¹ (Buch 1. poet. c. 20, p. 78) bezeugt dies und gibt an, dass die Deutschen Hörner aus Buchsbaum machen, die aber anders als die Jagdhörner sind.
Nunc cornua germani e busco efficta multis foraminibus inflant magno spiritu non sine gratia et decore, praesertim in nocturnis festivitatibus. Vocem namque humanam imprimis imitantur, eamque vehementer contentam.
(Nun blasen die Germanen Hörner, die aus Buchsbaum gemacht sind und viele Löcher haben, mit viel Gemüt und nicht ohne Anmut und Reiz, vor allem anlässlich nächtlicher Festlichkeiten. Vor allem die jubelnde menschliche Stimme ahmen sie dergestalt nach.)
Varro sagt, dass cornu a curvore dictum fuit (das Horn wegen seiner Krümmung so genannt wurde). Fungerus hingegen leitet es vom griechischen kéras (Horn) ab, oder vom fast gleich geschriebenen hebräischen Wort.
Der Ursprung des Jagdzinkens kommt von dort, wo die Hirten mit seinem Schall ihre Herden riefen. Diesbezüglich hat Columelle geschrieben, das Vieh sei daran zu gewöhnen, beim Schall der Buzine in den Pferch zurückzukehren. Später haben die Jäger das Instrument benutzt, um damit die Hunde anzutreiben und zu rufen. La Boderie hat über diese Art der Verwendung folgende hübsche Verse verfasst:
Des Jägers Zinkenschall im Wald
die Hunde jagen macht, und ihr Gebell erschallt.
Mit der Trompete hellem Klang sodann,
sagt er die Hatz und auch die Heimkehr an.
Es gibt geschickte Jäger, welche mit ihren Zinken ebensoviele Töne wie eine Trompete hervorbringen können. Le Fouilloux hat in seinem Buch über die Jagd so ausführlich darüber berichtet, dass wir hier nicht näher darauf eingehen müssen.
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Brass Bulletin 47, III / 1984 Seiten 51–54
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