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Die Trompete und das Kornett im Jazz und in der Volksmusik
Der Pluralismus der sogenannten «modernen» Formen (1945 bis heute)
Von Michel Laplace
Nach 1945 löst sich der «Jazz» in viele kleinere Strömungen auf und wird bei den Kritikern zu einem Gegenstand der Polemik. Da gibt es vor allem die kleinen Be-Bop Combos und als Gegenströmung zu diesem «Modernismus» die gewohnte Auferstehung der Vergangenheit in der Tendenz «New Orleans Revival». In seiner dritten Periode vernachlässigt Louis Armstrong die Virtuosität der 30er-Jahre und pflegt mit grosser Bravour einen vereinfachten Stil. Man kann sich keinen bewundernswerteren «Held» der traditionellen kleinen Formation denken, und dies bis zu seinem Tod. Vordergründig halten die «Boppers» noch bis ans Ende der 40er-Jahre an der Trompete fest. Von 1948 an mischt Gillespie an der Spitze einer grossen Formation «Be-Bop» und den «lateinischen» Stil; einige Züge dieser Art sind erhalten geblieben. Nach dem Krieg haben die sogenannt «typischen» Orchester in Frankreich viel Erfolg (Mambos, etc.). Sie spielen an der Seite kleinerer Jazz-Gruppen ganz verschiedener Art ((New Orleans, Be-Bop) sowie grosser Tanzorchester von dem Typus Jacques Hélian (für viele junge Trompeter sind das so gut «Schulen» wie die Konservatorien). In beinah all diesen Sparten und noch an andern Orten trifft man die gleichen, bereits erwähnten Künstler an: Barelli, Fassin, Van Haeke, Gérard. Der Beginn der 50er-Jahre bringt eine Menge ausgezeichneter Instrumentalisten hervor, die ihre Orchestergruppe anführen: Maurice Thomas (*1928), Michel Decourrière (*1924), Vincent Casino (*1923); gute Solisten wie Fernand Verstraete (*1925) und Pierre Sellin (*1930), sowie zwei grosse Chorusmen: Bernard Hulin (1931-1981) und vor allem Roger Guérin (*1926) von internationaler Bedeutung. In den 50er-Jahren tauchten noch zwei weitere gute Chorusmen und Bearbeiter für Big Band auf: Jean-Claude Naude (*1933) und Ivan Jullien (*1934). Neben ihnen gibt es natürlich noch viele andere.
Es war für die Trompete nicht günstig, dass in der Entwicklung des Jazz der Saxophonist Charlie Parker ein ungewöhnliches Format an den Tag legte. Und nach ihm wurden die 60er-Jahre von John Coltrane in den Griff genommen. Diese Riesen motivierten die junge Generation. Die Saxophonisten wurden sehr zahlreich und beherrschen heute den Vordergrund der sogenannten «modernen» Jazz-Szene. Gewiss, auch heute noch haben die Trompeter einen Leitstern: Miles Davis, welcher sich wie Armstrong ständig weiterentwickelt. Es sind bei ihm bereits vier Perioden zu unterscheiden:¹³
- 1944-1955: er ist ein «Bopper», der sehr auf Gillespie achtet, dessen Spielweise jedoch in einen bedächtigeren und lyrischeren Stil verwandelt (die Anfänge eines Genies sind dazu bestimmt, sich seine Grenzen bewusst zu machen, und Miles hatte nie die technische Leichtigkeit eines Gillespie). Er verwendet Bop-Harmonien mit konventionellen Rhythmen. Sein Repertoire weist keinerlei Besonderheiten auf: Standards, Blues, Bop-Themen. Sein Ton ist rein und ohne Vibrato. Als Eigentümlichkeit bezüglich des klanglichen Kolorits bleibt seine Aufnahme von 1949 mit Horn und Tuba zu erwähnen, sie ist den weissen Jazzmen der Westküste wie Shorty Rogers (*1924) in Erinnerung geblieben; Shorty Rogers ist ein hervorragender Arrangeur.
- 1955-1959: eine Periode, die mehr Gewicht auf die Chromatismen legt und damit den dramatischen Charakter seiner Phrasierung (sie wird luftiger) und seiner Klangfarbe unterstützt. Für ein nach wie vor konventionelles Repertoire benützt er jetzt gemässigtere Tempi. Der «Harmon»-Dämpfer ist wichtig.
- 1960-1964: sein Spiel wird wählerischer, er setzt auch Modi ein; grossen Erfolg verschafft ihm auch die Zusammenarbeit im grossen Orchester mit dem Arrangeur Gil Evans.
- seit 1965: Quintett; er lässt sich vom Rock beeinflussen und beginnt sich elektronischer Mittel zu bedienen. Seine Sprache wird freier, pantonal und benützt oft kurze Phrasen mit einem Höhepunkt.
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Brass Bulletin 44, IV / 1983 Seiten 64–60
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