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Brass Bulletin 45, I / 1984 Seite 14–17 · 3 Min. Lesezeit

Harry James (1916-1983)

Young Man With A Horn

Zwischen Jazzvirtuosität und Unterhaltung machte Harry James die Trompete zur Stimme eines breiten Publikums und gewann zugleich den Respekt klassischer Musiker.
Harry James (1916-1983)

Harry James

Ein Vorhang schiebt sich beiseite und lässt das Schallstück einer Trompete, aus dem feurige Noten hervorsprühen, erscheinen... Das ist Harry James. Eine ganze Generation Zuhörer und Trompeter wird ihn, der sie in den Zauber der «konzertierenden Trompete», ja sogar in Jazz, einweihte, lange im Gedächtnis behalten. Für diese musikalische Gattung gibt es Schöpfer und «Verbreiter» (nicht im negativen Sinne), jeder hat seine wesentliche Rolle. Wenn Harry sich Jazz aneignete, so wird er sich besonders als Star an der Spitze seines eigenen Orchesters behaupten, indem er eine ansprechende, dem Geschmack des weissen Publikums zugängliche, Ausdrucksform verbreitete.

Harry, 1916 in Georgia geboren, stammt aus einer Musikerfamilie. Sein Vater, Everette James (aus New Orleans stammend), lässt ihn sehr früh mit Schlagzeug anfangen, dann mit Trompete (im Alter von 10 Jahren). Es scheint, dass Harry James der Generation angehörte, die die Etappe des Kornetts übersprang. Sein Vater lässt sich in Beaumont, Texas, nieder, wo er in Schulen unterrichtet und Privatstunden in Musik erteilt. Harry wird sofort zum «Star» des Orchesters seines Gymnasiums. Obwohl Everette den Unterricht des Wundersohnes in der Hoffnung auf eine «legitime» Karriere lenkte, lässt sich der «junge Mann mit der Trompete» vom Jazz anziehen. In 1931 spielt Louis Armstrong hinreissend und gibt der Trompete ihre wirkliche Entfaltung. In diesem Jahr spielt Harry in verschiedenen Orchester der Umgebung, besonders für den Geiger Joe Gill, der ihn bis nach New Orleans kommen lässt. In 1932 ist er Berufsmusiker und wendet sich endgültig der Tanzmusik und dem Jazz zu. Sein erstes Engagement in einem bekannten Orchester ist 1935: Denn der Schlagzeuger Ben Pollack bemerkt dieses Phänomen aus Texas. Harry bleibt ein ganzes Jahr bei Pollack und verdankt ihm die Aufnahme seiner ersten Soli («Deep Elm»). Aber was ihn dem breiten Publikum bekannt macht, ist sein Engagement in dem sehr beliebten Orchester des Klarinettisten Benny Goodman (Januar 1937 bis Dezember 1938). Die Gruppe der Trompeter ist eine der berühmtesten in der Jazz- und Variétégeschichte: Harry James, Ziggy Elman und Chris Griffin! In 1937 laden die Schwarzen Lionel Hampton und Teddy Wilson ihn zu Zusammenkünften ein, wo er sich als ausgezeichneter Jazzman zeigt, der Sprache der Schwarzen sehr nahe stehend¹. Am 16. Januar 1938 spielt er in dem fabelhaften Konzert von Goodman in der Carnegie Hall mit. Wer kennt nicht die virtuosen Einfälle von Harry über «Sing Sing Sing»? Trotz des Talentes eines «Bunny» Berigan, seines ernsten Rivalen, gelangt Harry an die Spitze, und 1939 steht er bei allen Umfragen an erster Stelle. Dies führt ihn am 11. Januar 1939 zu Aufnahmen mit den Metronome All Stars, deren Mitglieder als «bestklassifiziert» nach der Leserwahl der Zeitschrift «Metronome» ausgesucht und zusammengestellt wurden: Bunny Berigan, Sonny Dunham, Harry James als Trompeter, Tommy Dorsey und Jack Teagarden als Posaunisten! Eine grosse Epoche, in der die Synkopen durch die grössten Virtuosen der Blechbläser, alle Gattungen vereinigt, gemeistert sind: Das goldene Zeitalter! Dennoch lässt Harry James sich nicht verwirren, so erzählt der Schlagzeuger Jo Jones: «Bei einer Umfrage einer grossen Zeitung (Down Beat) wurde der Oskar Harry James angeboten. Er lehnte ihn schlicht ab und sagte: Nehmen Sie das zurück und geben Sie ihn Louis Armstrong.»

1939 orientiert sich Harry anderweitig; er nimmt «Ciribiribin» auf, wo in der Phrasierung der Einfluss von Jazz, gekoppelt mit fast «klassischen» Zügen, zu finden ist. (Beisp. 1)

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