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Die Trompete und das Kornett im Jazz und in der Volksmusik
Das Instrument für den Jazz
Von Michel Laplace
Das Instrument für den Jazz
Die gewohnte Ausrüstung besteht also in der B-Trompete und im Flügelhorn. Das Kornett wird nicht mehr häufig eingesetzt, und die Verwendung der Piccolo-Trompete ist unwichtig. Die C-Trompete fand im Jazz keinen Platz (Ausnahme: Boyd Senter in den 20er-Jahren), leistete aber in der U-Musik gute Dienste (Erleichterung des Transponierens: Robert Fassin und Fred Gérard, vor allem zu Beginn ihrer Karriere). Meistens werden die amerikanischen «top» Marken gewählt. Wie überall muss auch im Material für Jazz/U-Musik ein gutes Verhältnis Tonstärke/Klangfarbe gefunden werden. Die Wahl eines Mundstückes ist zwischen Jazz und «Klassisch» sehr unterschiedlich, obwohl sehr viele Ausnahmen zu beobachten sind.
Wir sind das Thema vor allem auch der älteren Künstler wegen angegangen. Ein Mundstück mit grossem Durchmesser und tiefem Kessel bewirkt in der unmittelbaren Umgebung grosse Tonstärke, die jedoch aus mangelnder Transparenz der Klangfarbe nicht weit trägt («Projektion»). Seit 1945 hatten die Lead-Trompeter wie «Snooky» Young und in Frankreich Robert Fassin zwar keinen «grossen Ton», aber weite Strahlkraft.
Die Wahl des Mundstücks wird bestimmt durch den Typ der Klangfarbe und die Wirkung, die man erreichen möchte. Auch hier gibt es Modeströmungen, da die musikalischen Stile sich mit der Zeit entwickeln. Ein Studio-Musiker zum Beispiel weiss, dass er gewisse Forderungen erfüllen muss, wenn er sein Leben verdienen will, und er rüstet sich entsprechend aus. Die gegenwärtige Mode des Rock wählt schrille Mundstücke und nicht jene, die den Klang der Trompete demjenigen des Kornetts oder des Flügelhorns annähern. Ich möchte darauf hinweisen, dass diese Mode auf die modernen Techniken der Tonaufnahme abgestimmt ist, die kein grosses Klangvolumen mehr voraussetzen. Kompakte, d.h. sehr spitze Klangfarbe wird der breiten vorgezogen. Heute ist es also von Bedeutung, dass man einen klaren Trompeten-Eindruck schafft, und den Rest steuern die Aufnahmegeräte bei. Man muss sich auch bewusst sein, dass man heute versucht, auf der Bühne die Bedingungen des Studios zu schaffen. Früher war das Gegenteil der Fall: man versuchte im Studio den Klang der direkten Musik zu imitieren.
(Roger Guérin, Jazz Magazine, Nr. 281, 1979).
«Der Mensch als Instrument»
Diese Worte von Timofey Dokshitser beschreiben sehr schön, was die Trompete eigentlich zum musikalischen Ausdruck, unserem letzten Ziel, hinführt. Wenn es vor allem bei den Weissen (Bix Beiderbecke, Ruby Braff) ein paar Autodidakten im Jazz gibt, so hat sich doch jeder der führenden Köpfe (Armstrong, Miles Davis, Wynton Marsalis) die Ratschläge eines oder mehrerer Lehrer angeeignet, seien diese bekannt gewesen oder nicht. Trotzdem haben sich im Jazz und in der U-Musik sehr bald neue Konzepte festgesetzt, die aus der Auseinandersetzung mit praktischen Problemen und der Konfrontation mit andern Ideen herauswuchsen. In diesem Zusammenhang besteht gemäss Fred Gérard die grundlegende Technik für ein Blasinstrument auf der Voraussetzung von
- Widerstandskraft
- grossem Tonumfang
- Klangqualität
Der letzte Punkt wird heutzutage am meisten vernachlässigt. Dies bedingt, dass man die Parameter in einer logischen Reihenfolge beherrschen lernt. Tony Russo und Charles Colin sprechen von «stetiger intelligenter Konzentration». Die Schwierigkeiten steigern sich wie folgt:
- Ansatz
- Artikulation
- Atemtechnik
Dieses Schema entspricht ungefähr demjenigen von Roy Stevens, Charles Colin und vor allem Fred Gérards.
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Brass Bulletin 45, I / 1984 Seiten 38–44
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