Brass Bulletin 23, III / 1978 (Seite 25–29) · 3 Min. Lesezeit
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Václav F. Cerveny (1819-1896)

Berühmter Blechblasinstrumentenmacher

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V. F. Červený entstammt einer gebildeten patriotischen Bauernfamilie aus Dubec, einem kleinen Dorf der Prager Gegend. Stehlík, der Dorfschullehrer, gab ihm eine gute Musikausbildung und lehrte ihn Flügelhorn spielen, womit er die Laufbahn des kleinen Václav vorbereitete. Er empfahl ihn später Jan Adam Bauer, dem berühmten Prager Instrumentenmacher und Lieferanten, der ihn als Lehrling anstellte. 1838 schloss Červený seine Lehre ab, wurde fahrender Geselle und wanderte wie es damals üblich war, von Stadt zu Stadt auf Arbeitssuche. So kam er nach Brünn, Wien, Pressburg, zurück nach Wien und schliesslich zu F. Schöllnast in Pressburg.

Als er wieder in Böhmen war, begann er im Jahre 1842 (zur gleichen Zeit wie Sax in Paris) mit der Herstellung eigener Blasinstrumente in Hradec Králové, einer ostböhmischen Kleinstadt. Anfangs beschäftigte er nur 4 Angestellte. Um ja nur verkaufen zu können, kam es vor, dass er von seinen Kunden alte Instrumente annahm. Sehr bald aber wurden Červenýs Instrumente unter den Musikern (bürgerlichen wie militärischen) bekannt, und er konnte sein Unternehmen vergrössern und mehr Leute anstellen.

Unter ihnen war auch František, Červenýs jüngerer Bruder, der ebenso bei Bauer in die Lehre gegangen war, den aber seine feindliche Haltung der Regierung gegenüber während der 1848er Revolution zwang, Österreich zu verlassen und in die Vereinigten Staaten zu übersiedeln. Václav kam ihm zur Hilfe, indem er ihm die Einzelteile seiner Instrumente schickte, die František drüben zusammensetzte. So entstand die erste ausländische Filiale! Červenýs Instrumente hatten also in die Neue Welt Eingang gefunden. 1853 erhielt dann auch sein «Fonikon» einen Preis auf der New Yorker Ausstellung. Es war der erste Preis, den er für ein Instrument erhielt, in Europa hatte ihn noch keine Ausstellung geehrt. Später kamen zur amerikanischen noch zwei weitere Filialen hinzu: eine in Kiew und eine in Lvov.

Althorn in Es

Althorn in Es

Nachdem V. F. Červený die organisatorischen und technischen Voraussetzungen für die Produktion geschaffen hatte, widmete er sich der Forschung. Er experimentierte vor allem mit Ventilinstrumenten der Art des Euphoniums und leitete ihre Bauart vom Flügelhorn ab.

Červený war der erste, der die Charakteristiken der österreichischen Instrumente definierte. Während die französische Schule kleinere vom Kornett abgeleitete Instrumente verwendete, waren andersgeartete Instrumente nötig, um dem vollen reichhaltigen Klang der österreichischen Schule gerecht zu werden. Das galt aber auch für die slawische Nachfrage, die auf den melodischen Charakter achtete und wie sich später herausgestellt hat — für die deutschen Romantiker (Wagner).

Auf diesem Gebiet unternahm Červený gleich zu Anfang die Anpassung des französischen Horns zwecks Verwendung in berittener Blaskapelle: das F- oder Es-Cornon (1844). Die von deutschen Instrumentenmachern gebauten Wagnertuben sind eigentlich eine Weiterentwicklung dieses Cornons. Im folgenden Jahr stellte Červený eine neue Erfindung vor: einen sogenannten «Kontrabass», dessen Bauart von Moritzens F-Tuba abgeleitet war, der aber um eine Quarte höher (C¹), später um eine Quinte tiefer (B²) klang. Die Hauptröhre dieses Instrumentes ist eindeutig kegelförmig.

Die besten Musiker damals bestellten den «Kontrabass» und lobten ihn und seinen Erfinder in den höchsten Tönen. Dank des vereinfachten Herstellungsverfahrens gelang es Červený, Gewinne in der Grössenordnung von 500 bis 1'000% mit der Herstellung dieses Instrumentes zu erreichen. Nachahmungen wurden auf den Markt gebracht, z.B. unter dem Namen «Pelliton». Eine andere Erfindung aus dem Jahre 1846, die Tonwechselmaschine, wurde zum Anlass eines offenen Konflikts zwischen Červený und dem französischen Instrumentenmacher Gautrot, der den Tschechen zutiefst erbitterte.

Begleit-Dokument des Antrages zur Konstruktionsbewilligung der Vorrichtung für die Dreh-Ventile.

Begleit-Dokument des Antrages zur Konstruktionsbewilligung der Vorrichtung für die Dreh-Ventile.

1851 aber war ein glückliches Jahr. Der österreichische Kaiser hatte verordnet, dass die Regimentskapellen auf 48 Mann vergrössert werden sollten. Anderseits war es inzwischen Červený gelungen, seine gesellschaftlichen und Handelsbeziehungen zu Russland auszubauen. Die ersten Kontakte waren über tschechische Leiter russischer Blaskapellen entstanden, sie gipfelten in der persönlichen Freundschaft, welche Zar Alexander III und Červený verband.

Die plötzliche Steigerung der Nachfrage erlaubte es Červený, sich auf grosse Geschäfte einzulassen. Er stellte die Produktion veralteter Formen (wie des Serpent-Bombardons) ein und gab seinen Instrumenten die moderne Form, die sie heute noch haben. Das Oberkommando des russischen Heeres ernannte ihn zu seinem Berater. Freilich versorgte er von nun an die russischen Blaskapellen mit seinen Instrumenten. Eines davon ist das F- oder Es-Althorn (1859), das ein Zwischenglied ist zwischen dem Flügelhorn und den Tenorhörnern.

Prospekt der Kornett-Quartette (1876).

Prospekt der Kornett-Quartette (1876).

Den Höhepunkt seines Werkes erreichte Červený mit der Herstellung zweier Instrumentengruppen: des Kornettquartetts und der kaiserlichen Instrumente. Das Kornettquartett wurde 1876 in Privataudienz vom Zaren höchstpersönlich getestet (er galt als ausgezeichneter Flügelhornbläser). Auf dessen Anregung hin baute Červený ein Kontrabasskornett (Länge: 558 cm oder 219 Zoll). Das erste kaiserliche Instrument war der «kaiserliche Bass» (1883).

Auf dem Formblatt zur Patentanmeldung beschreibt ihn Červený mit 3–5 Dreh- oder Pumpventilen, einer Länge von 5300 mm oder 208 Zoll und einem Röhrendurchmesser von 15 mm. Das Instrument kann als Tuba oder Bombardon geliefert werden. Im folgenden Jahr baute er ein kaiserliches Tenorhorn und ein Flügelhorn, beide grossen Ausmasses. Späterhin erhielt diese Instrumentengruppe den Namen «Triumph».

Katalog von 1872

Katalog von 1872

Červený zeigte seine späteren Erfindungen auf verschiedenen Industrieausstellungen und erhielt Preise und Medaillen in zahlreichen Ländern. Sein nächster Konkurrent auf dem Weltmarkt war Adolphe Sax, Instrumentenmacher in Paris. Beide Männer hatten vieles gemeinsam, unterschieden sich aber auch mächtig voneinander: Sax entwickelte in seiner welschen Art ganze Reihen neuer Instrumente, während Červený gemäss seiner bäuerlichen Abstammung jede Neuigkeit aufs Genaueste überdachte und prüfte. Er schätzte aber Sax sehr und verurteilte alle Intrigen, die von dessen Pariser Kollegen gegen ihn geschmiedet wurden.

Schon vor seinem Tod übernahmen seine Söhne die Leitung des Unternehmens. Nach 1945 wurde das Werk verstaatlicht. Heute geht in Hradec Králové die Herstellung von Červenýs Instrumenten unter dem Namen «Amati» weiter.

Triumph Tuba in F

Triumph Tuba in F

Triumph Tenor in B

Triumph Tenor in B

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