Althorn in Es
Nachdem V. F. Červený die organisatorischen und technischen Voraussetzungen für die Produktion geschaffen hatte, widmete er sich der Forschung. Er experimentierte vor allem mit Ventilinstrumenten der Art des Euphoniums und leitete ihre Bauart vom Flügelhorn ab.
Červený war der erste, der die Charakteristiken der österreichischen Instrumente definierte. Während die französische Schule kleinere vom Kornett abgeleitete Instrumente verwendete, waren andersgeartete Instrumente nötig, um dem vollen reichhaltigen Klang der österreichischen Schule gerecht zu werden. Das galt aber auch für die slawische Nachfrage, die auf den melodischen Charakter achtete und wie sich später herausgestellt hat — für die deutschen Romantiker (Wagner).
Auf diesem Gebiet unternahm Červený gleich zu Anfang die Anpassung des französischen Horns zwecks Verwendung in berittener Blaskapelle: das F- oder Es-Cornon (1844). Die von deutschen Instrumentenmachern gebauten Wagnertuben sind eigentlich eine Weiterentwicklung dieses Cornons. Im folgenden Jahr stellte Červený eine neue Erfindung vor: einen sogenannten «Kontrabass», dessen Bauart von Moritzens F-Tuba abgeleitet war, der aber um eine Quarte höher (C¹), später um eine Quinte tiefer (B²) klang. Die Hauptröhre dieses Instrumentes ist eindeutig kegelförmig.
Die besten Musiker damals bestellten den «Kontrabass» und lobten ihn und seinen Erfinder in den höchsten Tönen. Dank des vereinfachten Herstellungsverfahrens gelang es Červený, Gewinne in der Grössenordnung von 500 bis 1'000% mit der Herstellung dieses Instrumentes zu erreichen. Nachahmungen wurden auf den Markt gebracht, z.B. unter dem Namen «Pelliton». Eine andere Erfindung aus dem Jahre 1846, die Tonwechselmaschine, wurde zum Anlass eines offenen Konflikts zwischen Červený und dem französischen Instrumentenmacher Gautrot, der den Tschechen zutiefst erbitterte.
Begleit-Dokument des Antrages zur Konstruktionsbewilligung der Vorrichtung für die Dreh-Ventile.
1851 aber war ein glückliches Jahr. Der österreichische Kaiser hatte verordnet, dass die Regimentskapellen auf 48 Mann vergrössert werden sollten. Anderseits war es inzwischen Červený gelungen, seine gesellschaftlichen und Handelsbeziehungen zu Russland auszubauen. Die ersten Kontakte waren über tschechische Leiter russischer Blaskapellen entstanden, sie gipfelten in der persönlichen Freundschaft, welche Zar Alexander III und Červený verband.
Die plötzliche Steigerung der Nachfrage erlaubte es Červený, sich auf grosse Geschäfte einzulassen. Er stellte die Produktion veralteter Formen (wie des Serpent-Bombardons) ein und gab seinen Instrumenten die moderne Form, die sie heute noch haben. Das Oberkommando des russischen Heeres ernannte ihn zu seinem Berater. Freilich versorgte er von nun an die russischen Blaskapellen mit seinen Instrumenten. Eines davon ist das F- oder Es-Althorn (1859), das ein Zwischenglied ist zwischen dem Flügelhorn und den Tenorhörnern.
Prospekt der Kornett-Quartette (1876).
Den Höhepunkt seines Werkes erreichte Červený mit der Herstellung zweier Instrumentengruppen: des Kornettquartetts und der kaiserlichen Instrumente. Das Kornettquartett wurde 1876 in Privataudienz vom Zaren höchstpersönlich getestet (er galt als ausgezeichneter Flügelhornbläser). Auf dessen Anregung hin baute Červený ein Kontrabasskornett (Länge: 558 cm oder 219 Zoll). Das erste kaiserliche Instrument war der «kaiserliche Bass» (1883).
Auf dem Formblatt zur Patentanmeldung beschreibt ihn Červený mit 3–5 Dreh- oder Pumpventilen, einer Länge von 5300 mm oder 208 Zoll und einem Röhrendurchmesser von 15 mm. Das Instrument kann als Tuba oder Bombardon geliefert werden. Im folgenden Jahr baute er ein kaiserliches Tenorhorn und ein Flügelhorn, beide grossen Ausmasses. Späterhin erhielt diese Instrumentengruppe den Namen «Triumph».
Katalog von 1872
Červený zeigte seine späteren Erfindungen auf verschiedenen Industrieausstellungen und erhielt Preise und Medaillen in zahlreichen Ländern. Sein nächster Konkurrent auf dem Weltmarkt war Adolphe Sax, Instrumentenmacher in Paris. Beide Männer hatten vieles gemeinsam, unterschieden sich aber auch mächtig voneinander: Sax entwickelte in seiner welschen Art ganze Reihen neuer Instrumente, während Červený gemäss seiner bäuerlichen Abstammung jede Neuigkeit aufs Genaueste überdachte und prüfte. Er schätzte aber Sax sehr und verurteilte alle Intrigen, die von dessen Pariser Kollegen gegen ihn geschmiedet wurden.
Schon vor seinem Tod übernahmen seine Söhne die Leitung des Unternehmens. Nach 1945 wurde das Werk verstaatlicht. Heute geht in Hradec Králové die Herstellung von Červenýs Instrumenten unter dem Namen «Amati» weiter.
Triumph Tuba in F
Triumph Tenor in B