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Eine neue Stelle¹
Pierre war viel früher als gewöhnlich aufgestanden. Seine vom Schlaf noch verschwollenen Augen musterten im Badezimmerspiegel beunruhigt sein Gesicht, während er geschickt den Rasierapparat über seine gespannte Haut führte. Die Nervosität, die ihn zwickte, seit er sich um diese Solohornistenstelle im Orchester der Hauptstadt beworben hatte, war heute auf ihrem Höhepunkt.
Einmal mehr ging er den Weg durch: früh genug abfahren, einen Parkplatz finden, sich durch die Konkurrenten nicht beeindrucken lassen. Sich stellen. Durchhalten. Er lächelt sich zu:
Spinnst Du, dich mit all diesen Jungen, die nichts zu verlieren haben, messen zu gehen?
Nach dem Studium hatte Pierre diese Stelle als zweiter Hornist in einem kleinen Provinzorchester erhalten, an der er immer noch sass. Mit den Jahren hatte er die Erfahrung und Routine eines wirklichen Orchestermusikers erworben. Aber mit der Zeit begann er sich zu langweilen, und wenn er seine Kollegen wohl ertrug, so empfand er doch gar keine Sympathie für sie. Man grüsste sich, manchmal schwatzte man Belangloses, und jeder spielte seine Stimme…
Es stimmt, anderswo sind gewisse Sätze im Orchester miteinander befreundet. Pierre dachte oft neidisch daran. Er wusste, dass dort die Musiker des selben Instrumentes sich zwischen den Proben trafen, um ihren Stil zu vereinheitlichen, um Intonation zu arbeiten, schwierige Stellen zu üben oder um des Vergnügens willen Kammermusik zu machen.
Nichts von all dem an seiner gegenwärtigen Stelle. Totale Langeweile. Er hatte die Mittelmässigkeit der Stellung nicht gleich erkannt, da er Jacqueline begegnet war, da sie miteinander wundervolle Jahre verbracht hatten und sie ihm drei prächtige Kinder geschenkt hatte. Sie hatten sich in einer Wohnung in einem guten Quartier niedergelassen. Sein Gehalt, die Nebengeschäfte und einige Unterrichtsstunden erlaubten ihm, gut zu leben. Und die Jahre vergingen.
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Brass Bulletin 51, III / 1985 Seiten 59–61
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