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Serie Jazz und das Horn • Teil 8
Jazz und das Horn
Dale Clevenger
Von Jeffrey Agrell
Dale Clevenger
Wir wissen, was Sie jetzt denken: «Wart mal: Dale Clevenger ist doch Solohornist des Chicago-Symphony-Orchesters. Warum in aller Welt schreibt ihr in einer Jazz-Hornisten Serie über ihn?» Wir waren selbst sehr erstaunt, als wir erfuhren, was er Dienstag abends tut. So entschlossen wir uns, ihn darüber zu befragen:
– Wie kamen Sie vom klassischen Hornspiel dazu, Jazz zu spielen?
Das war eine lange Entwicklung. Auf dem Gymnasium hatte ich einen Kameraden, Andy Hagen, der jetzt einer der besten Trompeter dieses Landes ist. Ich pflegte ihn in seinem Gebäude zu besuchen, während er mit Stan-Kenton-Platten mitspielte. Ich grämte mich, weil ich das auf meinem Horn nicht konnte. Ich versuchte es auch gar nicht — sein Können schüchterte mich ein. Während meiner vier Jahre am Carnegie Tech spielte mein Zimmergenosse, Calvom Custer, Jazz-Klavier und Jazz-Bass, und alle meine Jahrgangskollegen konnten Jazz spielen. Ich versuchte einige Sachen, aber sie lachten mich aus und sagten: «Bleib bei der klassischen Musik». So ging ich wieder an der Gelegenheit vorbei.
Ich kam dann nach New York und beschritt den langen Weg eines freien Musikers, und das allererste Engagement, das ich hatte, war an der Radio City Music Hall. Ich merkte sofort, dass ich fähig sein musste, zu swingen und gewisse Rhythmen spielen zu können. Jazz, Swing, Be-bop, oder was immer in der Show vorkam. Einmal spielte ich bei einer Aufnahmesitzung mit Earl Chapin ein sehr rasches Stück, das sehr schnell begann 1-2-3-4 [gesungen], und ich sagte: «Earl, das kann ich nicht spielen». Er sagte: «Doch, doch, das kannst du, spiel nur. Du brauchst mir nur zu folgen.» Das konfrontierte mich mit der Notwendigkeit, Jazz-Figuren mindestens lesen zu können.
Ich lernte aber immer noch nicht zu improvisieren. Dann, etwa 1975, am Horn-Seminar in Muncie, Indiana, hörte ich einen Vortrag von Dave Amram über Improvisation. Er sagte: «Zuerst schlagt euch aus dem Kopf, dass man nur auf Zweiunddreissigsteln improvisieren kann. Ihr könnt ganze Noten probieren dann halbe Noten. Dann Viertelnoten. Dann Achtel, dann Sechzehntel und dann Zweiunddreissigstel.» Ich begann darüber nachzudenken und war schliesslich überzeugt, dass ich mit 35 Jahren Jazz-Improvisation beginnen konnte.
Eines Tages kam dann Cy Tauf (von der Jazz-Gruppe Eras) vorbei, und ich fragte ihn: «Wo gehst du hin?» und er antwortete: «Ich gehe etwas Jazz spielen. Komm doch mit.» Ich stimmte zu und setzte mich zu ihnen. Das ist nun neun Jahre her. Wir spielen alles, von Dixieland über Blues, Swing, Be-bop, Balladen bis zum Rock der 70er und 80er Jahre; Jazz aller Epochen. Bobby Lewis und George Beam spielen Trompete, Cy Tauf Bass-Trompete (Posaune), dazu kommen Bass, Schlagzeug, Klavier und meist ein Rohrblattinstrument — Sax oder Klarinette. Sie erlaubten mir, zu ihnen zu kommen und durch Osmose die Stücke, die Rhythmen, das Gefühl zu lernen, eine Menge Sachen zu imitieren und jetzt auch dort zu improvisieren und eben auch eine Menge Fehler zu machen. Aber nach neun Jahren stelle ich doch meinen Mann in gewissen Arten von Musik, in denen ich mich sehr wohl fühle und die ich gut kenne — Melodien, Harmoniewechsel. Ich kann fast jede Art Blues spielen.
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Brass Bulletin 54, / 1986 Seiten 104–107
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