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Hermann Baumann
Der Weg des Virtuosen
Hermann Baumann
Hermann Baumann ist unbestreitbar eine der markantesten Figuren unter der Handvoll von Blechbläser-Virtuosen, die es geschafft haben, eine grosse internationale Karriere zu machen.
Die erfolgreichen Ergebnisse in solcher Dimension sind faszinierend, und es erschien uns interessant, gewisse Elemente in dem aussergewöhnlichen Weg dieses grossen Hornisten darzulegen. Die biographischen Elemente haben wir einer Unterhaltung entnommen, die vor einigen Jahren in Bern auf Band aufgenommen wurde, als Hermann Baumann dort gerade eine meisterhafte Aufführung des 1. Konzerts von Richard Strauss gegeben hatte. Die Zitate im Kursiv sind wörtlich von Hermann Baumann.
Hermann Baumann erblickte das Licht 1934 in Norddeutschland in der Nähe Hamburgs. Sein Vater, Landarzt, war Amateur-Sänger, seine Mutter, ausgebildete Pianistin, pflegte die Musik in der Familie; und so bereiteten die Eltern einen fruchtbaren Boden für die Berufung des zweiten ihrer Söhne, Hermann, dessen musikalische Begabung früh erkannt wurde, und der das Glück hatte, Nutzen aus den Erfahrungen zu ziehen, die die Eltern mit dem ältesten Sohn gemacht hatten.
Das ist in vielen Familien so — es ist leichter für das zweite Kind, weil die Eltern schon am ersten gelernt haben...
Seine beiden Grossväter waren Lehrer, Organisten und Kirchen-Chorleiter. In diesem besonderen Milieu war es nicht verwunderlich, dass Hermann schon im zartesten Alter Themen vor sich hinsang, die seine Mutter auf dem Klavier spielte. Trotz der sorgenvollen und schwierigen Zeiten des Zweiten Weltkriegs bekommt Hermann, im Alter von sechs Jahren, seine ersten Klavierstunden.
Es war eine Kindheit ohne Fernsehen, in der — und das betont er — Hermann jede freie Minute genoss, um seiner Fantasie freien Lauf zu lassen.
1950 entdeckt er den Jazz; er setzt sich ans Schlagzeug und begleitet seinen Vetter, einen exzellenten Pianisten. Er kommt bestens zurecht auf dem Instrument, das er zufällig vom berühmten Big Flechit persönlich kaufen konnte.
Seinen Wunsch, klassische Musik zu hören, kann er nur am Radio befriedigen. Zu dieser Zeit konnte er sich eine Plattensammlung nicht leisten. Die Baumanns besassen allerdings einige alte Schallplatten von Karl Erb, Heinrich Schlusnus und auch vom Busch-Quartett.
Das waren damals meine Vorbilder.
1982
Photo Christian Steiner
Die Anerkennung, die der junge Hermann fand, wenn er Chöre dirigierte, bewog seine Eltern, das Nötige zu tun, um ihn Dirigent werden zu lassen. Aber das Schicksal wollte es anders. Als er auf das Gymnasium übergewechselt war, spielte ihm der Zufall ein Horn in die Hand. Bei seinem Vater zuhaus gab es ein Instrument, aber Hermann realisierte gar nicht, dass das ein Horn sei... Diese ganz zerbeulte «Maschine» hatte seine Aufmerksamkeit nicht erregt. Erst sein Musiklehrer auf dem Gymnasium brachte ihm dieses Instrument nahe und er entschloss sich, ihm einen Lehrer zu suchen. Hermann war gerade 17 Jahre alt und in diesem Alter hörte er auch zum erstenmal die Eroica im Konzert und mit einem Schlag erkannte er die ausserordentliche Schönheit des Hornklangs.
Der Unterricht begann. Hermann ging zu den Stunden mit dem Horn, ohne Etui, unter dem Arm. Es war ein Militärhorn, rechtsgriffig, in B. Sein Lehrer blockierte das erste und dritte Ventil mit Hilfe von Stöckchen. Er mochte den Klang des Horns in B ganz und gar nicht und er zwang seinen jungen Anfänger, nur auf dem «Naturhorn» in F zu spielen. So war Hermann gezwungen, ein ganzes Jahr lang mit Stöckchen am ersten und dritten Ventil zu spielen. Das war also der Anfang, absolut konzentriert auf den Ton an sich.
Durch das Musizieren vorher war Hermann das Phrasieren vertraut, und er konnte Partitur lesen. Jetzt ging es darum, tiefer einzudringen, sich des Wesens des (Horn) Tons bewusst zu werden und daraus etwas zu machen.
Dieser erste Lehrer, Postbote seines Zeichens, wusste Hermann so für das Horn zu begeistern, dass dieser fühlte, dass sich seine Zukunft mit diesem Instrument abzeichnen werde.
Im Alter von 18 Jahren entschliesst er sich, Hornist und nicht Dirigent zu werden.
Eine Aussage von einem der damaligen deutschen Fussball-Stars mit Namen Spundflasche bringt unsern jungen ehrgeizigen Musiker zum Nachdenken. Als Erklärung, warum er den Club gewechselt hat, sagte der berühmte Fussballer vor der Presse: «Ich möchte lieber einer unter anderen in einer guten Mannschaft als der grosse Star in einem mittelmässigen Club sein.» Hermann sieht seinen musikalischen Weg genau so:
Ich möchte lieber erster Hornist in einem guten Orchester sein als Chef eines Orchesters der vierten Klasse.
So beginnt er seinen Beruf aufzufassen und widmet alle Zeit dem Hornstudium.
1955
Junger Student
1957
1. Jahr in Dortmund
Er nimmt nun Unterricht in Hamburg bei Heinrich Keller, Solohornist im Philharmonischen Staatsorchester.
Bei einem Autounfall verletzt er seine Lippen und kann 4 Monate lang nicht blasen. Er benutzt die Gelegenheit, die privaten Studien zu beenden und schreibt sich an der Hamburger Musikhochschule ein, dies hauptsächlich, um den Lehrer wechseln zu können. Keller hatte ihm die Flügel beschnitten — er hatte ihm geraten, lieber Tonmeister, jedenfalls etwas anderes als Hornist zu werden. Als Hornist sagt Keller ihm eine düstere Zukunft voraus...
Auch heute finde ich es gut, wenn ein Schüler manchmal den Lehrer wechselt. Nach drei Jahren mit demselben Lehrer ist dies oft ein guter Entschluss; nach vier Jahren ist das eine Notwendigkeit; fünf Jahre mit demselben ist schon viel zu viel... Selbst heute kommt es vor, dass ein Schüler, nachdem er zwölf Jahre beim selben Lehrer verbracht hat, mit mir arbeiten will. Ich habe nicht die geringste Idee, was man da noch machen soll. Solch ein Fall ist tragisch. Man braucht mehrere Quellen.
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Brass Bulletin 51, III / 1985 Seiten 26–39
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