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Jazz und das Horn
Julius Watkins
Von Jeffrey Agrell
Julius Watkins performing with the Quincy Jones Orchestra at Kulttuuritalo, Helsinki, 29 August 1960. Photo: Finnish Heritage Agency / Press Photo Archive JOKA (Hufvudstadsbladet). Used under CC BY 4.0. Cropped from the original.
Als Jazz-Musiker sein Leben zu verdienen, ist immer äusserst schwierig gewesen, und für den Spieler eines Instruments, das für den Jazz so atypisch ist wie das Horn, kann dies sogar völlig unmöglich sein. Julius Watkins war ein Hornist, dessen Liebe zum Horn derart stark war, dass er trotz aller Not dem Instrument während praktisch seiner ganzen Karriere als Jazz-Musiker treu blieb. Das bedeutete, dass er die meiste Zeit nur wenig Arbeit hatte.
Watkins wuchs in Detroit auf und begann 1930 Horn zu spielen, als er neun Jahre alt war. Als er seinen Lehrer Francis Hellstein (Mitglied des Detroit Symphonie-Orchesters) spielen hörte, wusste er, dass dies sein Instrument war. John Wilson in Down Beat erzählte er: «Ich hatte seinen Klang sehr gern. Ich weiss nicht genau weshalb, und ich kann es noch immer nicht zufriedenstellend erklären. Aber ich verliebte mich in den Klang und in das Instrument.» Weshalb Jazz? «Ich wollte Solist werden, aber in der klassischen Literatur ist das Repertoire für Solo-Horn sehr eng begrenzt. Deshalb wandte ich mich dem Jazz zu.»
Zu jener Zeit gab es keine andern Jazz-Hornisten, denen er hätte nacheifern können, und so erlernte er den Jazz, indem er Trompetern und Saxophonisten zuhörte und indem er in Tanzkapellen in Detroit selber Posaunen- und dritte Altsaxophon-Stimmen spielte. Seine erste Arbeit als Berufsspieler bekam er im Jahre 1943, als er Ernie Fields Band beitreten konnte, allerdings als Trompeter. Während drei Jahren hielt er aus, verliess die Band dann jedoch 1946, um sich wieder dem Horn zuzuwenden. Er hatte die Möglichkeit, in einer kleinen Gruppe in Denver, Colo., Horn zu spielen, und blieb während eines Jahres dort. Als sich die Gruppe auflöste, ging er nach Detroit zurück und bekam zufälligerweise von Milt Buckner das Angebot, mit seiner Band zu spielen und Aufnahmen zu machen. Watkins gewann viel Erfahrung und auch die Gelegenheit, Solo zu spielen; aber allzu häufig musste er immer noch Trompete spielen, und die Art und Weise, wie das Horn bei den Bearbeitungen eingesetzt wurde, machte ihn ebenfalls nicht glücklich. «Nach zwei Jahren verleidete mir das Ganze, und ich ging wieder in die Schule.»
Die Schule war die Manhattan School of Music in New York. Dort studierte er während drei Jahren Musiktheorie, Komposition und Horn bei Robert Schultze vom Philharmonischen Orchester New York.
Aufträge mit Pete Rugolo und mit Oscar Pettifords Sextett folgten. Der Saxophonist in Pettifords Gruppe war Charlie Rouse, und gegen Ende des Jahres 1955 begannen Rouse und Watkins auch ausserhalb der Gruppe zusammen zu spielen. Ihre Experimente mit der Verschmelzung des Klangs von Horn und Tenorsaxophon inspirierten sie zur Gründung ihrer eigenen Band, indem sie noch eine Rhythmus-Gruppe hinzunahmen.
Rouse war sehr beeindruckt von Watkins Fähigkeit, nicht nur langsame Balladen, sondern auch sehr leicht und schnell zu spielen und stets in Übereinstimmung und Harmonie mit dem Saxophon. Rouse sagte zu Gary Kramer in einem Interview:
«Die meisten Leute verbinden mit dem Waldhorn die Vorstellung einer Klangfarbe des Mysteriösen, diesen distanzierten Alphornklang, der von Wagner und Mahler benutzt wird. Das ist jedoch nur eine der Klangfarben, die Julius dem Horn abverlangt. Sein Instrument kann auch die Kraft und harte, männliche Eigenart der Trompete oder der Posaune haben. Im Horn ist so viel mehr enthalten, als der Spieler in einem Symphonie-Orchester je entdeckt, und Julius ist der Mann, der dies allen klarmacht. Und lassen Sie sich von ihm nicht hinters Licht führen, er kann auch sehr virtuos spielen.»
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Brass Bulletin 41, I / 1983 Seiten 20–23
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