Ich entschloss mich dann, meine musikalischen Kenntnisse zu vertiefen und studierte Harmonie, Kontrapunkt und Fuge. Auch fing ich an, Kontrabass zu spielen, was mir den Zugang in die Welt der Jazz-Musik ermöglichte, ein wegen der Rhythmik aufregendes Erlebnis ! Ich machte Bearbeitungen und fing zu komponieren an, etwas das immer mein beliebtestes Hobby geblieben ist : es ist überaus faszinierend, die zahllosen Möglichkeiten meines herrlichen Instrumentes zu entdecken und zu nützen !
Erst 1948 kam ich nach Paris zurück und zwar trat ich dem ORTF-Orchester bei, mit dem ich meine ersten Konzertreisen durch Kanada und die Vereinigten Staaten machte, unter der Leitung von Charles Munch. Später kamen Europa und seine Festivals an die Reihe mit dem Orchestre de la Société des concerts du Conservatoire. Und endlich 1950 verwirklichte sich mein langjähriger Traum : ich wurde Schüler des Pariser Konservatoriums ! Ich gewann im gleichen Jahr meinen Prix d'Honneur und im Jahr darauf den (einstimmig erteilten) Ersten Preis am Internationalen Musikwettbewerb in Genf. Es war hier in Genf, nachdem ich die vielen Methoden des Hornspiels gehört hatte, dass ich realisierte, wie dringend es für uns Hornisten war, zwecks Verbesserung unseres Könnens und unseres Verständnisses, eine Synthese der verschiedenen Methoden zu schaffen.
In Frankreich war das « vibrato » damals grosse Mode, sodass wir, wenn wir z.B. deutsche oder österreichische Hornisten (die kein kontinuierliches Vibrato spielten) hörten, ihre Art zu spielen reichlich merkwürdig fanden. Der grosse Hornist und Lehrer Edmond Leloir, Genf, hat mir geholfen, mich mit diesem Problem auseinanderzusetzen und hat mich zum Einsehen gebracht, dass wir französische Hornisten mit dem kontinuierlichen Vibrato, einer zu künstlichen und leichten Lösung, brechen mussten. Eigentlich sind es die Engländer mit Denis Brain an der Spitze, die als erste die Synthese verwirklicht haben, indem sie zu ihrer eigenen Spielart das Beste aus der französischen und der deutschen Methode hinzunahmen.
Für Schallplattenaufnahmen wurde es unerlässlich, dass man den vollen runden Ton hatte, der international verlangt wurde, ja, das ging so weit, dass der Besitz eines deutschen Ventilhorns quasi ein « muss » wurde ! Trotz der ausgezeichneten Eigenschaften dieses Horns und seines Erfolgs in Frankreich, bin ich immer noch der Ansicht, dass es viel weniger auf die Art des Horns ankommt, als auf die Kunst des Spielens. Ich selbst habe immer ein französisches Horn gehabt, das ich sowohl in Konzerten wie für Schallplatten, als Solist oder in grossen oder kleinen Orchestern, sowohl für klassische als auch für « leichte » Musik verwendet habe.
Ich habe sogar Aufnahmen mit Duke Ellington gemacht ! Es ist des Hornisten besonderes Glück, dass er alle Arten Musik, von Barock bis Avant-Garde, von populärer bis Pop-Musik spielen kann, ohne den Stil zu ändern. Sogar wenn wir uns spezialisiert haben, können wir ohne Weiteres von einer Art Musik in die andere hinüberwechseln.
Schallplatten und Radio haben uns mit allen grossen Solisten und Dirigenten bekannt gemacht und dies mag dazu geführt haben, dass viele unserer Hornisten, die die allbekannte französische Finger- und Zungentechnik spielten, umstellten und die Synthese mit den anderen Methoden vollzogen, genau wie es ihre Kollegen in anderen Ländern machten.
Es ist mein grösster Wunsch, dass dies zu vermehrtem Kontakt zwischen allen Hornisten der Welt, zu Freundschaft und Verständnis führen möge. Als Professor am Pariser Konservatorium und Mitglied der Gruppe Ars Nova habe ich Gelegenheit, vielen grossen Künstlern und Lehrern aller Länder zu begegnen, und ich fühle, dass sich eine grosse Wandlung in der Welt der Blechbläser vollzieht : Mit Hilfe der neuen Musik spielt sich der Bläser vom Gruppenmusiker zum Solisten empor, während sein Instrument zu dem wird, was es naturgemäss ist : zum Solo-Instrument !
Sieht von allen Musikinstrumenten nicht das Blechblasinstrument mit seinem ausdrucksvollen Ton der menschlichen Stimme am nächsten ?