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Wie und warum ich Musiker wurde
Von Edouard Gros
Edouard Gros kann auf eine bemerkenswerte Karriere als Kontrabassist und Tubist in der Schweiz zurückblicken (auf letzterem Instrument galt er als ausserordentlicher Meister seines Faches). In BB 50 hatte er von seinen Anfängen berichtet — nun verfolgen wir seinen Eintritt ins Berufsleben.
Man schreibt 1921, ich bin 11 Jahre alt. Aus dem brillanten Primarschüler, der ich gewesen war, wurde plötzlich ein schlechter und aufsässiger Gymnasiast, der den Rektor des Gymnasiums zu folgendem Eintrag ins Zeugnis bewegte: «Fauler und unkonzentrierter Schüler! Wird die Geduld seiner Lehrer überstrapazieren!» Das erregte den väterlichen Zorn, und ohne mich weiter zu fragen schrieb mich mein Vater bei den Pfadfindern ein — sicherlich in der Annahme, mich damit auf den rechten Weg zurückzuführen.
Der geneigte Leser wird sich nun fragen, was die Zugehörigkeit zu einem Pfadfindercorps wohl in Hinblick auf eine Musikerlaufbahn Entscheidendes an sich hat. Nun, so unwahrscheinlich dies klingen mag, dank der Pfadfinderei bin ich Kontrabassist geworden, anstatt Cellist, Pianist oder Beamter — hören Sie, warum.
Der Chef der Pfadfindergruppe organisierte jährlich einen Unterhaltungsabend. Zu diesem Zweck hatte er, neben den üblichen schlechten Theaterstückchen, auch ein Orchester gegründet, das die Pausen und Vorhänge musikalisch überbrücken sollte, und in dem er selbst Klavier spielte. Natürlich fehlte der Kontrabass. Man muss wissen, dass zu jener Zeit auch bescheidene Familien ihre Kinder Klavier, Geige, Cello oder seltener ein anderes Instrument lernen liessen — aber um Gottes Willen nie Kontrabass. Und so klingelte besagter Pfadfinderführer eines Tages, ohne mich weiter zu fragen, an unserer Türe und sagte ohne weitere Einleitung folgendes zu meinem Vater: «Es wäre grossartig, wenn Sie ihrem Sohn einige Stunden auf dem Kontrabass geben könnten. Blos einige wenige Stunden, damit er in unserem Orchester Kontrabass spielen kann.» Wobei er überzeugt war, dass der Kontrabass bloss Bum-Bum zu machen braucht, wie einige ignorante Spassvögel meinen. Mein Vater, der schon ahnte, welchen Weg sein Sprössling einschlagen würde, willigte ein, in der Hoffnung, dass ich schnell genug haben würde die Geschichte damit erledigt wäre. Bald trieb er ein recht kleines Instrument auf, dem man den Stachel abnahm und Hoppla, E, A, D, G, die vier Saiten erklangen. Erste Lage, Fis, H, E, A — so fing alles an, anfangs noch rittlings auf einem Schemel hockend.
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Brass Bulletin 51, III / 1985 Seiten 5–13
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