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Arnold Jacobs

Interview

Teil 2 – Ende

Von Roger Bobo

Von Curtis bis Chicago führt der Weg eines Tubisten über Reiner, Koussevitzky und Ormandy, während Unterricht zunehmend von Atmung, Denken und musikalischer Funktion geprägt wird.
Arnold Jacobs

Arnold Jacobs

Roger Bobo: Das Chicago Symphony Orchestra war nicht Ihr erstes Orchester.

Arnold Jacobs: Nein. Ich begann im Curtis Institute of Music um 1930. Dort war ich sechs oder sieben Jahre, unter Fritz Reiner.

R. B. : Sie begannen also sehr jung in Curtis.

A. J.: Ich glaube mit etwa 15. Dann ging ich nach Indianapolis für zwei Spielzeiten unter Fabian Sevitsky, darauf spielte ich fünf Jahre im Pittsburgh Symphony Orchestra unter Reiner und nachher kam ich nach Chicago und bin jetzt seit 36 Jahren hier.

R. B. : Hatten Sie während dieser Zeit Gelegenheit, zu andern Orchestern zu gehen?

A. J.: Praktisch zu jedem Orchester im Land. George Szell versuchte mich nach Cleveland zu holen...

R. B. : Erzählen Sie mal eine Geschichte aus der Zeit, da Sie so grosse Auswahl hatten.

A. J.: Nun, während meines letzten Jahres in Pittsburgh wurde mir die Stelle im Boston Symphony Orchestra offeriert. Sie war mir schon angeboten worden, als ich 18 war. Kussevitsky wollte mich, wollte mir aber wegen meiner Jugend keinen Vertrag geben. Ich hatte nie mit einem Orchester gespielt ausser im Curtis Institute, aber mein Spiel gefiel ihm. Er wollte, dass ich in der Mitte der Spielzeit einstieg, und wenn ich mich bewähren würde, gäbe er mir dann am Ende der Spielzeit einen Vertrag.

Nun, das Orchester war damals noch nicht gewerkschaftlich organisiert, und sie boten mir als Anfangslohn 90 Dollars die Woche an, aber ich arbeitete bereits in einem Nachtklub in Philadelphia, ebenfalls für 90 Dollars pro Woche, und ich hatte gehört, wie streng er als Dirigent war und fürchtete, ich würde rausgeschmissen, wenn ich's nicht gut genug machte, und dann wäre ich aus der Gewerkschaft und aus dem Bostoner Orchester draussen — mit anderen Worten, weg vom Fenster! Deshalb sagte ich ab.

Dann erhielt ich einen Vertrag für das Symphonieorchester in St. Louis. Das ist eine interessante Geschichte, denn zwei Wochen vor meiner Abreise nach St. Louis kriegte ich ein Telegramm von der Gewerkschaft, des Inhalts, dass sie meine Einstellung nicht akzeptierten, weil sie einen guten einheimischen Tubisten hätten (es war Johnny Bambridge, ein guter Tubist). Da stand ich nun, hatte meinen Nachtklubjob in Philadelphia gekündigt, einen Frack gekauft und wusste nicht wohin gehen. Ging schliesslich wieder ans Curtis-Institut zurück und war weiterhin Schüler dort.

Der Grund, weshalb St. Louis so interessant ist, ist der, dass mich vor etwa zehn Jahren, als Makinalty dort die Stelle kriegte, der Chef der Gewerkschaft anrief und fragte, ob ich nicht einen einheimischen Tubisten begutachten würde, weil sie keinen «importieren» wollten, und mir von einer ähnlichen Situation im Jahre 1936 erzählte, als sie einen Tubisten ferngehalten hatten, weil da ein guter einheimischer Mann gewesen war. Sie sagten, sie wären damit bestens gefahren. Ich sagte ihnen nicht, dass ich derjenige gewesen war, den sie kaltgestellt hatten!

Trotzdem hörte ich mir den fraglichen Mann an, und er hatte nicht annähernd soviel drauf, wie man in einem Symphonieorchester braucht. Deshalb empfahl ich ihnen, Makinalty anzustellen, ohne ihnen zu sagen, dass ich es war, den sie damals abgesägt hatten.

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Brass Bulletin 34, II / 1981 Seiten 37–44

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