Brass Bulletin 26, II / 1979 (Seite 3–) · 1 Min. Lesezeit
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Vorwort

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Vorwort

Zur Zeit, da dies geschrieben wird, finden die Vorrunden des Probespiels um die Tubastelle bei den New Yorker Philharmonikern statt. Aus einem Feld von 95 Bewerbern wird einer erkoren werden, die angesehene Stelle in diesem berühmten Orchester zu versehen. Es wird gewiss ein großartiger Tubist sein, der unsere Gratulation reichlich verdient. Aber nur eine Stelle ist zu vergeben, und andere Vakanzen werden immer rarer — was also wird aus den übrigen 94 ?

Dirigenten und Wahlgremien der Orchester hoffen, dass einer der Bewerber sich für die Stelle eindeutig am besten eignet, aber bei weniger Stellen und mehr Spielern als je ist das selten der Fall. Gar nicht selten sind mehrere Kandidaten qualifiziert, besonders wenn sie so zahlreich sind, und wird die Entscheidung langwierig und spannungsgeladen. Da geht es kaum nur darum, wer der beste Spieler ist, sondern wer der beste für dieses Orchester ist. Bei so vielen hervorragenden Instrumentalisten hängt die letzte Entscheidung viel eher vom Geschmack und der Tradition des Orchesters oder Dirigenten ab. Dass das Angebot die Nachfrage überschwemmt, ist gewiss nicht nur bei der Tuba der Fall, aber aus vielen Gründen scheint das Missverhältnis hier am krassesten. Diese besonderen Gründe ließen sich diskutieren, aber letztlich bleibt die Frage: Was wird aus den übrigen 94 ?

Viele der Bewerber haben schon eine Stelle, sei es in einem anderen Orchester oder als Lehrer an Musikschulen, aber viele werden dieses Probespiel als ihre vielleicht einzige große Chance sehen. Im Vergleich dazu kann die Aussicht auf Tuba-Weihnachtsfeiern, Quartettjobs in der Pizzeria und hängige Tuba-Symposien kaum Erfüllung bringen. Viele werden, zu ihrer Lehrstelle zurückgekehrt, ihre Liste von Hauptfach-Tubisten in anderem Lichte sehen.

Können wir bei diesem schiefen Verhältnis von Angebot und Nachfrage weiterhin mit gutem Gewissen professionelle Qualitäts-Tubisten ausbilden? Natürlich müssen wir allen fähigen und willigen Schülern Unterricht ermöglichen, aber dazu gehört auch ein realistisches Bild des Arbeitsmarktes und der Chancen für ehrgeizige Tubisten. Wer an einer großen Musikschule unterrichtet oder als Schulleiter eine große Zahl von Berufsschülern mit Hauptfach Tuba zulässt, täte gut daran, sich die Lage nochmals vor Augen zu halten.

Die 94, was sagen wir ihnen? Auf diesem Planeten sind viele Berufe überlaufen. Alle paar Jahre wird es wieder Stellen geben, gelegentlich sogar in einem der großen Orchester. Es gibt verwandte Berufe, die den stellenlosen Tubisten anziehen mögen: Instrumentenbau und -reparatur, Komposition, Dirigieren, verschiedene musikalische Verwaltungsarbeiten und sogar das zunehmend kontroverse Gebiet der Tubapädagogik.

Kopf hoch und viel Glück !

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