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Vorwort

Vorwort

Du spazierst durch ein Museum und betrachtest jene seltsamen alten Blechblasinstrumente, die, hinter Glas hängend oder liegend, im Schweigen und im Staub der Zeiten erstarrt sind. Lass deiner Phantasie etwas freien Lauf, und du wirst vielleicht den Bläser dieses Instrumentes vor dir sehen. Gross, klein, dick, dünn, gewandter oder mittelmässiger Spieler? Ein Virtuose oder ein bescheidener Begleiter? Seine Persönlichkeit versank im Strom der Zeiten. Sein Instrument liegt hier, verbeult oder schön restauriert, traurig verstummt. Museen sind kostbar, aber sie sind traurige Friedhöfe von Gegenständen…

Du besuchst eine Instrumentenfabrik und betrachtest all diese ineinandergereihten verstummten Becher, die vielen hundert Ventile in Achtungsstellung, die bereit sind unter Fingern und Dirigenten zum Leben zu erwachen, die vielen tausend kleinen Röhren, Zwischenstücke und Stützen, die geschickte Handwerker bearbeiten, hämmern, wärmen, abkühlen, feilen, anpassen, löten, zusammensetzen und polieren werden bis zur Geburt dieses Horns, dieser Trompete, Posaune, dieses Flügelhorns oder Barytons oder jener Tuba. Nochmals zum Schlafen in schöne Etuis verpackt (wie in der Geschichte von Pinocchio) und irgendwohin in der Welt ausgeliefert, an jenem bestimmten Ort, an den du darauf wartetest oder noch wartest.

Erinnerst du dich an die bewegenden Begegnungen mit den Instrumenten, die du spielen wolltest oder jetzt spielst? An den intensiven Kontakt deiner forschenden Hände mit dem Metall, der Form, die sich deinen Augen einprägt, während deine Lippen die magische Röhre zum Erklingen bringen? Gedenkst du des Augenblicks, da das Instrument dein wurde?

Leg es doch eine Weile vor dich hin. Sieh es gut an. Es existiert nicht ohne dich, es ist deine Stimme, dein Leben, die daraus sprechen. Nütze diese einmalige Begegnung, um jene wunderbare Zweisamkeit bis zur Grenze deiner Empfindsamkeit, deiner Intelligenz zu führen: dorthin, wo dein Lebensnerv, der Motor deiner Entwicklung verborgen ist. Von dort erhebt sich die schönste aller Musiken!

Brass Bulletin 51, III / 1985 Seite 3

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