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Was ist eigentlich Dein Beruf?
Eine soziologische Untersuchung des britischen Blechbläsers
Von Thomas Aitken
Maurice Murphy (Trompete), Bill Geldard (Posaune), John Pignequy (Horn), James Gourlay (Tuba)
Wie leben die britischen Blechbläser? Sind sie materiell gut gestellt? Sind sie zufrieden? Was denken die Leute über sie?
Dem Auftrage folgend, diesen Artikel zu schreiben, befragte ich vier Blechbläser unabhängig voneinander. Die vier hatten sehr unterschiedliche Karrieren beschritten. Sie sind zusammen aber repräsentativ für die meisten Aspekte des professionellen Blechblasens in England, wie sie auch die Veränderungen des Berufsbildes in den letzten vierzig Jahren anschaulich machen.
Der Trompeter Maurice Murphy war Solocornettist der Black Dyke Mills Band, bevor er Berufsmusiker wurde. Seither hat er 15 Jahre mit dem BBC Northern Orchestra (heute BBC Philharmonic) gespielt und ist seit sieben Jahren Solotrompeter des London Symphony Orchestra. Daneben spielte er in der London Sinfonietta, dem Nash Ensemble, den Fires of London und arbeitet regelmässig mit dem Locke Brass Consort. Ausserdem macht er eine Menge Aufnahmesitzungen für Filme, Fernsehen, Reklamen usw.
Maurice Murphy
Der Hornist John Pignequy verliess die Royal Academy of Music 1966 und arbeitet seither, mit Ausnahme einer zweijährigen Periode im Royal Opera House Covent Garden, als freischaffender Musiker mit Gruppen wie dem Nash Ensemble, dem Philip Jones Brass Ensemble, den London Mozart Players, dem Locke Brass Consort sowie als Studiomusiker. Kürzlich verliess er das PJBE, um sich auf das Nash Ensemble zu konzentrieren, Gelegenheitsengagements in London wahrzunehmen, und mit zwei eigenen Formationen für leichte Musik zu arbeiten.
John Pignequy
Der Posaunist Bill Geldard bekam sein erstes professionelles Engagement 1945 in einem Theaterorchester als Fünfzehnjähriger. Nach einer Zeit in Bigbands in den Butlins Holiday Camps und dem Militärdienst in der Central Band der Royal Air Force spielte er in den vierziger und fünfziger Jahren in Bigbands wie Squadronaires, Ted Heath, John Dankworth, Jack Parnell und Oscar Rabin. Seither arbeitet er freischaffend als Bläser, Dirigent, Komponist und Arrangeur.
Bill Geldard
Der Tubist James Gourlay verliess nach einem einzigen Studienjahr 1975 das Royal College of Music, um im City of Birmingham Symphony Orchester zu spielen. Vier Jahre später wechselte er zum BBC-Symphonieorchester. Er macht die üblichen Nebengeschäfte in London und spielt im Albany Brass Ensemble mit, was einen zunehmenden Anteil seiner Zeit in Anspruch nimmt.
James Gourlay
Von den vieren hat also nur John Pignequy eine klassische Ausbildung genossen. James Gourlay hat wegen seines frühen Abgangs vom College keine «Papiere an der Wand hängen». Bill Geldard verbrachte einen grossen Teil seiner Kindheit damit, Streichquartette, die sein Vater mit Freunden spielte, anzuhören. Er hatte guten Musikunterricht in der Schule (Geige und Bratsche, aber leider kein Klavier, das ihm für die Arrangierarbeit nützlich wäre) und in Brassbands (Posaune und Harmonielehre), hat aber das meiste seit seinem fünfzehnten Altersjahr durch die Arbeit gelernt.
Maurice Murphy hatte als Kind keinen Musikunterricht. «Ich wurde in Brassbands erzogen. Ich weiss wenig von Theorie, aber ich habe gespielt, seit ich 6 war. Man lernt auf diesem Wege eine Menge. Einmal kauften mir meine Eltern ein Theoriebuch. Ich konnte überhaupt nichts damit anfangen.»
Maurices Weg in den Beruf scheint heute recht ungewohnt, aber seinerzeit trat er genau in die Fussstapfen von William Lang, der immer noch neben ihm im LSO spielt. In seiner Brassband-Zeit machte er eine Menge Halbprofessioneller und professioneller Engagements. Zuzüger beim Liverpool Philharmonic, Gelegenheitsengagements beim Hallé Orchester, eine Menge Theatermusik-Liebhabertruppen, professionelle Truppen im Leeds Grand, polnische Ballette, Pantomimen. Alles gute Erfahrungen. Nach all dem schien es natürlich, zum BBC Northern Orchester in Manchester zu gehen.
Bill Geldards Anfänge im Beruf waren abrupter. Einmal blies er ein Solo bei einem Brassband-Konzert als «ein Typ kam und mich fragte, ob ich Bassschlüssel lesen könnte. Ich sagte ja, und er fragte mich, ob ich einen Job wollte. Ich antwortete ihm, ich müsse zuerst meine Mutter fragen (mein Vater war noch im Kriegsdienst). Ich glaube, ich verdiente damals 5 Pfund die Woche und fühlte mich wie ein reicher Mann. So kam ich zum Beruf.»
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Brass Bulletin 51, III / 1985 Seiten 14–24
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