Machen Sie Brass Bulletin an Ihrer Hochschule, Ihrem Konservatorium oder Ihrer Bibliothek verfügbar Institutionellen Zugang entdecken

15 Min. Lesezeit

Was ist eigentlich Dein Beruf?

Eine soziologische Untersuchung des britischen Blechbläsers

Vier britische Blechbläser erleben einen Beruf im Wandel zwischen Orchester, freier Arbeit, sozialen Vorurteilen und schwindenden beruflichen Sicherheiten.
Was ist eigentlich Dein Beruf?

Maurice Murphy (Trompete), Bill Geldard (Posaune), John Pignequy (Horn), James Gourlay (Tuba)

Wie leben die britischen Blechbläser? Sind sie materiell gut gestellt? Sind sie zufrieden? Was denken die Leute über sie?

Dem Auftrage folgend, diesen Artikel zu schreiben, befragte ich vier Blechbläser unabhängig voneinander. Die vier hatten sehr unterschiedliche Karrieren beschritten. Sie sind zusammen aber repräsentativ für die meisten Aspekte des professionellen Blechblasens in England, wie sie auch die Veränderungen des Berufsbildes in den letzten vierzig Jahren anschaulich machen.

Der Trompeter Maurice Murphy war Solocornettist der Black Dyke Mills Band, bevor er Berufsmusiker wurde. Seither hat er 15 Jahre mit dem BBC Northern Orchestra (heute BBC Philharmonic) gespielt und ist seit sieben Jahren Solotrompeter des London Symphony Orchestra. Daneben spielte er in der London Sinfonietta, dem Nash Ensemble, den Fires of London und arbeitet regelmässig mit dem Locke Brass Consort. Ausserdem macht er eine Menge Aufnahmesitzungen für Filme, Fernsehen, Reklamen usw.

Maurice Murphy

Maurice Murphy

Der Hornist John Pignequy verliess die Royal Academy of Music 1966 und arbeitet seither, mit Ausnahme einer zweijährigen Periode im Royal Opera House Covent Garden, als freischaffender Musiker mit Gruppen wie dem Nash Ensemble, dem Philip Jones Brass Ensemble, den London Mozart Players, dem Locke Brass Consort sowie als Studiomusiker. Kürzlich verliess er das PJBE, um sich auf das Nash Ensemble zu konzentrieren, Gelegenheitsengagements in London wahrzunehmen, und mit zwei eigenen Formationen für leichte Musik zu arbeiten.

John Pignequy

John Pignequy

Der Posaunist Bill Geldard bekam sein erstes professionelles Engagement 1945 in einem Theaterorchester als Fünfzehnjähriger. Nach einer Zeit in Bigbands in den Butlins Holiday Camps und dem Militärdienst in der Central Band der Royal Air Force spielte er in den vierziger und fünfziger Jahren in Bigbands wie Squadronaires, Ted Heath, John Dankworth, Jack Parnell und Oscar Rabin. Seither arbeitet er freischaffend als Bläser, Dirigent, Komponist und Arrangeur.

Bill Geldard

Bill Geldard

Der Tubist James Gourlay verliess nach einem einzigen Studienjahr 1975 das Royal College of Music, um im City of Birmingham Symphony Orchester zu spielen. Vier Jahre später wechselte er zum BBC-Symphonieorchester. Er macht die üblichen Nebengeschäfte in London und spielt im Albany Brass Ensemble mit, was einen zunehmenden Anteil seiner Zeit in Anspruch nimmt.

James Gourlay

James Gourlay

Von den vieren hat also nur John Pignequy eine klassische Ausbildung genossen. James Gourlay hat wegen seines frühen Abgangs vom College keine «Papiere an der Wand hängen». Bill Geldard verbrachte einen grossen Teil seiner Kindheit damit, Streichquartette, die sein Vater mit Freunden spielte, anzuhören. Er hatte guten Musikunterricht in der Schule (Geige und Bratsche, aber leider kein Klavier, das ihm für die Arrangierarbeit nützlich wäre) und in Brassbands (Posaune und Harmonielehre), hat aber das meiste seit seinem fünfzehnten Altersjahr durch die Arbeit gelernt.

Maurice Murphy hatte als Kind keinen Musikunterricht. «Ich wurde in Brassbands erzogen. Ich weiss wenig von Theorie, aber ich habe gespielt, seit ich 6 war. Man lernt auf diesem Wege eine Menge. Einmal kauften mir meine Eltern ein Theoriebuch. Ich konnte überhaupt nichts damit anfangen.»

Maurices Weg in den Beruf scheint heute recht ungewohnt, aber seinerzeit trat er genau in die Fussstapfen von William Lang, der immer noch neben ihm im LSO spielt. In seiner Brassband-Zeit machte er eine Menge Halbprofessioneller und professioneller Engagements. Zuzüger beim Liverpool Philharmonic, Gelegenheitsengagements beim Hallé Orchester, eine Menge Theatermusik-Liebhabertruppen, professionelle Truppen im Leeds Grand, polnische Ballette, Pantomimen. Alles gute Erfahrungen. Nach all dem schien es natürlich, zum BBC Northern Orchester in Manchester zu gehen.

Bill Geldards Anfänge im Beruf waren abrupter. Einmal blies er ein Solo bei einem Brassband-Konzert als «ein Typ kam und mich fragte, ob ich Bassschlüssel lesen könnte. Ich sagte ja, und er fragte mich, ob ich einen Job wollte. Ich antwortete ihm, ich müsse zuerst meine Mutter fragen (mein Vater war noch im Kriegsdienst). Ich glaube, ich verdiente damals 5 Pfund die Woche und fühlte mich wie ein reicher Mann. So kam ich zum Beruf.»

Weiterlesen

Erhalten Sie vollständigen Zugang zur digitalen Ausgabe.

Brass Bulletin 51, III / 1985 Seiten 14–24

Alle Inhalte sind urheberrechtlich geschützt © Brass Bulletin 1985–2026

Artikel teilen

Facebook LinkedIn
Wird geladen…

Fragen und Antworten

So funktioniert die digitale Ausgabe

Was enthält die digitale Ausgabe?

Die digitale Ausgabe vereint die bereits digitalisierten Artikel als lesbare und durchsuchbare Online-Texte – nicht nur als Scans oder PDF-Dateien – mit ihren ursprünglichen Abbildungen, Anmerkungen, Angaben zu Autoren und Ausgaben sowie den verfügbaren Übersetzungen. Empfehlungen verwandter Artikel umfassen derzeit nur dieses digitalisierte Material.

Sind die digitalen Artikel mit den Originalen identisch?

Wir bewahren den ursprünglichen Text, die Sprache, Abbildungen, Bildlegenden, Fußnoten und den redaktionellen Kontext so originalgetreu wie möglich. Die Darstellung wird für ein angenehmes Lesen am Bildschirm angepasst; offensichtliche Übertragungs- oder Scanfehler können korrigiert werden. Inhalt und Charakter des veröffentlichten Artikels bleiben unverändert.

Welche Sprachen sind verfügbar?

Brass Bulletin erschien während seiner gesamten Geschichte auf Englisch, Französisch und Deutsch. Italienische und spanische Übersetzungen kamen ab Ausgabe Nr. 60 hinzu.

Auf der italienischen und der spanischen Website werden die Artikel aus den Ausgaben 1 bis 59 daher standardmäßig auf Englisch angezeigt.

Wie oft werden neue Artikel hinzugefügt?

Neue Artikel werden fast täglich hinzugefügt; ungefähr eine vollständige Ausgabe wird pro Woche digitalisiert. Das Tempo kann je nach erforderlicher Vorbereitung, Bildbearbeitung und redaktioneller Prüfung variieren.

Warum sind noch nicht alle Artikel digital verfügbar?

Die vollständige Sammlung von Brass Bulletin umfasst 1’246 Artikel aus den Jahren 1971 bis 2003. Das vollständige Verzeichnis ist bereits online verfügbar und ermöglicht es, jeden Artikel der Sammlung zu entdecken – auch jene, deren vollständiger Text noch nicht digitalisiert wurde.

Die Digitalisierung begann im Februar 2026. Jeder Artikel wird sorgfältig für die Online-Lektüre aufbereitet, geprüft und mit seiner Ausgabe, den Autoren, Themen und Abbildungen verknüpft. Beim derzeitigen Digitalisierungstempo wird die vollständige Sammlung voraussichtlich bis Februar 2028 online verfügbar sein.

Warum verweisen manche Quellen auf Artikel, die noch nicht verfügbar sind?

Verweise in den Originalartikeln bleiben erhalten, auch wenn das Material, auf das sie hinweisen, noch nicht digitalisiert wurde. So bleiben die historischen und redaktionellen Zusammenhänge vollständig erhalten. Mit jeder weiteren digitalisierten Ausgabe werden mehr dieser Verweise zu online lesbaren Artikeln führen.

Kann ich einen Artikel vorschlagen oder einen Übertragungsfehler melden?

Ja. Wenn Sie einen bestimmten Artikel gerne digitalisiert sehen möchten oder einen möglichen Übertragungsfehler beziehungsweise eine fehlende Information entdecken, nehmen Sie bitte Kontakt mit uns auf. Rückmeldungen unserer Leser helfen uns, die digitale Ausgabe zu verbessern und sinnvolle Prioritäten im Archiv zu setzen.

Wie kann ich Brass Bulletin unterstützen?

Ihre Unterstützung hilft, die Aufbereitung, Überprüfung und Online-Veröffentlichung der vollständigen Sammlung zu finanzieren.

Digitalausgabe abonnieren

Möchten Sie uns lieber unterstützen, ohne ein Abonnement abzuschließen?

Spenden

Brass Bulletin durchsuchen.