Das Instrument, das man für diese Musik spielt, ist von grosser Bedeutung. Meiner Meinung nach sind die Hauptkriterien bei der Wahl einer solchen Tuba, unter vielen anderen ein präzis zentrierter Ton (bei Mikrofonaufnahmen erforderlich), leichtes und schnelles Reagieren in allen Tonlagen und geschmeidiges Anstimmen. Meine Arbeitstuba (diejenige, die ich für den grössten Teil meiner Arbeit benutze) ist eine C-Mirafone Modell 185-5U. Für sehr hohe Stimmen benutze ich eine F-Mirafone-Tuba.
Die Tuba wird in Film- und Fernsehmusik, Rundfunk- und Fernsehwerbung, für Schallplatten, in direkt übertragenen Unterhaltungssendungen an Fernseher usw. eingesetzt. Jedoch bestehen 80 bis 85% der kommerziellen Verwendung der Tuba in der Filmmusik fürs Fernsehen. Unter den Fernsehprogrammen, die im Jahre 1977 ausgiebig auf die Tuba zurückgegriffen haben, findet man Baa Baa Black Sheep, Wonder Women, How the West Was Won, Hanna-Barbera Cartoons, Charlie's Angels, Chips und Hulk.
In zwei Spielfilmen hält sogar die Tuba eine der Hauptrollen der Story: der Hai in «Der weisse Hai» und das Mutterschiff in «Unheimliche Begegnung der dritten Art». Weitere Filme haben im letzten Jahr die Tuba massgeblich eingesetzt, so «Der Teufel auf Rädern», «Schnapp mich, Sheriff», «MacArthur — Held des Pazifiks», «Der grösste Liebhaber der Welt», «High Anxiety», «Der Clan», «Demon Seed».
In der Gegend von Los Angeles findet man noch andere kommerzielle Verwendungen der Tuba wie Orchesterarbeit im Disneyland oder in anderen Unterhaltungszentren. Im Grunde genommen aber sind die Möglichkeiten recht begrenzt.
In den letzten fünf Jahren hat die Verwendungsrate der Tuba in der kommerziellen Musik enorm zugenommen. Der Ruf der Tuba als der eines Instrumentes mit «beschränkten Möglichkeiten» ist sozusagen überholt. Komponisten schreiben immer häufiger schwierige Partituren, die nur von ausgezeichneten Tubisten gespielt werden können. Das Instrument findet Anwendungsbereiche, an die man vor Jahren noch nicht denken konnte.
Trotzdem bleibt ein Problem bestehen, das nach Lösung verlangt: die häufigere Verwendung der Tuba in den Studioorchestern. Man braucht dort die Tuba nur gelegentlich, längst noch nicht regelmässig. Zum Beispiel entfällt auf zehn musikalische Fernsehsendungen nur eine mit der Tuba. In der Filmmusik ist das Verhältnis etwas besser, erreicht aber von weitem nicht das der anderen Blechblasinstrumente.
Deswegen eben sind die Möglichkeiten fürs Emporkommen neuer Talente so begrenzt. Solange es nicht mehr Arbeit geben wird, wird das Angebot viel grösser bleiben als die Nachfrage. Hoffentlich verbessert sich die Lage in den nächsten Jahren.
Zusammenfassend: um zu den erstrangigen Tubisten der kommerziellen Musik zu zählen, muss man sehr gut vorbereitet sein: unerlässlich sind ein sicheres Zeitmass und die Fähigkeit, vom Blatt zu lesen. Für Aufnahmen empfiehlt sich eine Tuba mittlerer Bohrung mit wohl zentriertem Ton. Alle kommerziellen Jobs verwenden die Tuba, leider aber nur in beschränktem Masse. Zur Zeit gibt es nur wenig Nachfrage, ich habe aber das Gefühl, dass sich die Lage in den nächsten Jahren verbessern wird. Arbeitet also weiterhin an Eurer Vorbereitung, man kann ja nie wissen, wann sich die Gelegenheit bieten wird.
Tommy Johnson
Der Autor
Tommy Johnson stammt aus Los Angeles. Er ist bestimmt der meistgefragte Tubist in den Aufnahmestudios von Hollywood und — dank den elektronischen Medien und der Filmmusik — wahrscheinlich der meistgehörte auf der Welt.
Seit Johnson in der Welt der Studios aufgetaucht ist, wird die Tuba häufiger verlangt, das Bedeutende aber ist, dass die Verwendungsart sich geändert hat. Die Anzahl der Film- und Fernsehpartituren, in denen Johnson gespielt hat, ist viel zu gross, um die Titel einzeln aufzuzählen.
Folgender Artikel ist 1973 für eine Sondernummer von «The Instrumentalist» verfasst worden, in der die Tuba gelegentlich des ersten National Tuba Symposium, das an der University of Indiana in Bloomington USA stattgefunden hat, vorgestellt wurde. Leider hat der Artikel in besagter Nummer nicht veröffentlicht werden können. Deshalb ist er hinsichtlich der Lage im Jahre 1979 überarbeitet worden, im Wesentlichen aber der Urfassung gleich.