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Verzierungen in Hornkonzerten des 18. Jahrhunderts?
Auszierungen
Von Peter Damm
Peter Damm
In den Lehrbüchern des 17. und 18. Jahrhunderts sind gebräuchliche Formen der Auszierung für häufig vorkommende Intervalle überliefert worden. Sie konnten als Modelle verwendet werden, mit ihnen als Hilfsmittel improvisiert werden. Zunehmend genau ausgeführte und bezeichnete Kompositionen liessen diese Kunst in Vergessenheit geraten. Doch bleiben in klassischen Werken Relikte erhalten. So in der Form der Variationen, in Kadenzen sowie in Figurationen und Koloraturen. Beispiele von ausgeschriebenen Diminutionen aus dem Konzert Es-Dur, KV 417, 1. Satz, von W.A. Mozart,
Anton Rösler-Rosetti, Konzert Es Dur, Nr. 2, 1. Satz.
«Willkürliche Veränderungen» werden von Eduard Melkus in zwei Gruppen eingeteilt: A. Rhythmische Veränderungen B. Melodische Veränderungen.²⁷ Beide Formen treten untereinander vermischt auf.
Rhythmische Veränderungen sind: 1. Unterteilung eines einzelnen Notenwertes in kleinere Notenwerte. Als älteste Form gilt die Tonwiederholung, zu ihr zählen das Tremolo der Streicher, die Flatterzunge der Bläser, auch die sogenannte «Haue» der Clarintrompeter. 2. Rubato, 3. Synkopation, 4. Suspir (Seufzer, die betreffende Note wird durch Voransetzen einer ausdrucksbedingten Pause verzögert gespielt), 5. Ausfüllen von Pausen in Verbindung mit melodischen Veränderungen.
Die sechs Gruppen der melodischen Veränderungen umfassen alle bereits aufgeführten Formen der «wesentlichen Manieren», das Aufsuchen von akkordeigenen Tönen nach oben oder unten, was gute Kenntnis der Kompositionsregeln verlangt. In die fünfte Gruppe gehören melodische Verbindungen zwischen zwei Tönen der ursprünglichen Melodie durch Portamento, rasche diatonische Verbindungsnoten (Tirata) oder einen langsamen Durchgang in diatonischer oder chromatischer Tonfolge. Die sechste Gruppe umfasst die «Passagien», eine Verbindung von Tirata mit Nachschlägen und anderen möglichen Kombinationen, wie Tirata und Nachschlag, Tirata und Terzüberschlag, Pralltriller, Tirata und Cirkel, um nur einige zu nennen. Mit der Systematisierung der freien Auszierung durch Ed. Melkus, Wien, wurde ein Überblick über die vielfältigen Möglichkeiten von Figurationen und Passagien gegeben.
Zu den «willk. Veränderungen» in freier Improvisation gehören auch die Kadenzen «bey stillestehender Begleitung» an entsprechenden Stellen. Ihre Dauer soll für ein Blasinstrument nach Quantz «so beschaffen seyn, dass sie in einem Athem gemachet werden können».²⁸ In unseren Hornkonzerten finden wir eine einzige Möglichkeit für eine Kadenz bei Peter Joh. Fick im zweiten Satz seines Concertos.
Wie bereits an anderer Stelle erwähnt, gehören auch die verschiedenen Artikulationsarten zu den Verzierungen. Nachdrücklichst unterstreichen diese den Affektgehalt der Musik.
In den Werken der alten Meister sind Artikulationsbezeichnungen sehr selten angegeben, der Musiker hatte die Freiheit (und entsprechende Kenntnisse!) diese entsprechend dem Affekt der Musik selbst zu finden. Dass dies heute nicht immer erkannt wurde, ist manchmal auf Schallplatteneinspielungen vorklassischer Hornkonzerte festzustellen, wo selbst in Adagiosätzen durchweg gestossen artikuliert wird. (Ich möchte darauf aufmerksam machen, dass auch Mozart in seinen Hornkonzerten dem Solisten freie Hand zur Ausschmückung mit Artikulationen gelassen hat!)
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Brass Bulletin 44, IV / 1983 Seiten 48–52
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