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Einfacher Zungenstoss

Ein minimaler Zungenweg verändert Tempo, Ausdauer und Klarheit und macht die Artikulation vom mechanischen Anstoss zu einem der feinsten Mittel des Trompeters.
Einfacher Zungenstoss

Louis Davidson

Die Bewegung der Zunge auf das kleinstmögliche Mass zu reduzieren, ist die direkteste Methode, sich eine korrekte Zungentechnik zu erarbeiten, denn: 1) Je kürzer der Weg der Zunge ist, desto schneller kann sie artikulieren. Die lange Bewegung nach vorn und wieder zurück ist die Ursache für träge Zungentechnik. 2) Je kürzer der Weg, desto weniger Energie muss aufgewendet werden und desto geringer sind die Ermüdungserscheinungen der Zunge. 3) Je kürzer der Weg, desto geringer ist die Möglichkeit, dass die Zunge «entgleist», «aus der Rille springt». Dadurch wird auch grössere Sicherheit gewährleistet.

Äusserst wichtige, integrierende Bestandteile dieser «Kurzweg-Technik» sind die ununterbrochene Atemstütze und das Gefühl eines fortwährenden Strömens der Luft, genau wie wenn man einen langen Ton aushält. Das muss allen artikulierten Noten zugrundeliegen.

Die physische Empfindung bei dieser Technik kann man erleben, ohne eine Trompete zu benützen, indem man einen langen Ton summt und gleichzeitig eine Reihe von «duu’s» artikuliert: «duu duu duu duu». (Die Silbe «duu» zu verwenden statt des gebräuchlichen «tuu» ist auf dieser Stufe sehr wichtig, denn das «duu» ist am besten dafür geeignet, die Zungenbewegung kürzer werden zu lassen.) Das bedeutet im Grunde nichts anderes, als dass sich eine Reihe von Artikulationen einem langen, ausgehaltenen Ton überlagert. Wie beim Anstoss ist der Kontaktpunkt bei der Vorwärtsbewegung der Zunge bei den meisten Spielern in der Gegend der oberen Zähne und des Gaumenansatzes. Wenn man so nur mit der Stimme experimentiert, wird die Zunge sehr nahe an den Zähnen bleiben, während sie die «duu’s» artikuliert. Die Bewegung der Zunge wird minimal bleiben und an der Basis der Zunge sogar überhaupt nicht spürbar sein.

Wenn Zunge und Atem auf diese Weise eingesetzt werden, so sollte im Idealfall die Bewegung der Zunge äusserlich ebenso unsichtbar sein, wie wenn man einen langen Ton aushält. Gehörsmässig sollte die Wirkung die eines gehaltenen, fliessenden Klangs sein. Wenn man mit der Zunge lange Bewegungen ausführt, so entsprechen diesen im allgemeinen Bewegungen der Gesichtsmuskulatur, welche die Mühsal der Zungenbewegungen widerspiegeln. Der Bläser, der sich mit diesem Problem konfrontiert sieht, kann es am wirksamsten bekämpfen, wenn er vor einem Spiegel übt. Dann kann er die Bewegungen der Gesichtsmuskulatur sowohl sehen wie auch fühlen, und indem er die Schläge der Zunge so gut wie möglich verkürzt, können diese Bewegungen deutlich reduziert oder sogar ganz ausgemerzt werden.

Indem er sich bemüht, das physische Gefühl beizubehalten, das er während des stimmlichen Experiments empfand, sollte der Spieler jetzt beginnen, diese Technik auf der Trompete zu üben. Der tonliche und der dynamische Umfang wie auch die Geschwindigkeit sollten bequem liegen — nicht zu hoch und nicht zu tief, nicht zu laut und nicht zu leise, nicht zu schnell und nicht zu langsam. Wie beim stimmlichen Versuch sollte wiederum nur die Silbe «duu» verwendet werden; sie bewirkt nicht nur, dass die Zunge nahe an den Zähnen bleibt und der Stoss möglichst kurz wird, sie sorgt auch in hohem Masse für eine durchgehende Atemstütze.

Wenn der Spieler einmal eine gewisse Leichtigkeit und Beständigkeit in dieser Technik erreicht hat, sollte er nach und nach die schwierigeren und schärferen Artikulationsarten zu entwickeln beginnen. Dies bedeutet im Grunde nur eine leichte Intensivierung der weichen Silbe «du», die der Spieler bis jetzt geübt hat, um den Stoss der Zunge zu verkürzen. Dieses «du» sollte jetzt etwas mehr Bestimmtheit bekommen, einen etwas schärferen Punkt (Härte) bei jeder Artikulation. Durch allmähliche, fortgesetzte Intensivierung dieser Silbe wird sich die «du»-Artikulation über verschiedene Zwischenstufen zuerst in ein weiches, dann in ein hartes «tu» verwandeln, welches bei weitem am häufigsten verwendet wird. Normalerweise sollte der Bläser keine grossen Schwierigkeiten haben, wenn er vom weicheren «tu» zum härteren «tu» wechselt, und innerhalb einer vernünftigen Zeitspanne sollte er fähig sein, beide mit gleicher Leichtigkeit zu spielen.

Wie bei der weichen «tu»-Artikulation sollten auch bei der härteren «tu»-Artikulation Abstände zwischen den Noten aufs sorgfältigste vermieden werden. Es ist jenes ununterbrochene Strömen der Luft in Verbindung mit dem schärferen Anstoss auf jeder artikulierten Note, die dieser Technik jene wunderbare Qualität von Klangfülle und Klarheit in den gestossenen Passagen gibt, seien sie nun schnell oder langsam.

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Brass Bulletin 44, IV / 1983 Seiten 38–42

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