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Ein Hornduo von Händel in Südamerika aufgefunden
Von Edward H. Tarr
1981 wurde der zweite Band des «Moravian Brass Duet Book» für Trompeten oder Hörner publiziert.¹ Die darin und im ersten Band² enthaltene Musik war aus Herrnhut in Böhmen nach Amerika gesandt worden und kam in Salem, North Carolina, am 26. Oktober 1875 an. Kenner der Sammlung wissen, dass die ersten 42 Nummern Choräle mit deutschem Text sind, denen 140 eigentliche Duette folgen, darunter viele Menuette und Märsche. Zum Schluss findet man 20 verschiedene Stücke, mit teils deutschen, teils englischen Titeln.
Die letzten drei Stücke (Nr. 18-20 der verschiedenen) stammen aus einer sonst nicht näher bezeichneten «Waldhornschule», gemäss einer Notiz im Originalmanuskript. Da die Oberstimme aufgrund einiger fehlender Seiten im Oberstimmenband bei diesen drei Stücken fehlte, musste die erwähnte Hornschule gefunden werden. Wie Stephen L. Glover und ich im Vorwort feststellten, verlief unsere Suche bei einigen der bekanntesten Spezialisten für frühe Hornmusik ergebnislos. Die grösste Hilfe leistete uns Kurt Janetzky, der einige lose Blätter besitzt — vermutlich aus der verschollenen «Waldhornschule». Diese enthalten unsere Nummern 18 und 19, aber weder ein Titelblatt noch die Nummer 20³. Schliesslich schritten Glover und ich zur Publikation und druckten die überlebenden 15 Takte der Nummer 20 ab — in der Hoffnung, die vermisste «Waldhornschule» werde später einmal aufgefunden und das Duett, welches als «Air von Händel» bezeichnet und auf Seite 28 der «Waldhornschule» lokalisiert wird, könne so ergänzt werden.
Während eines meiner Sommerkurse im Palast von Mateus in Nord-Portugal spielte mir der Zufall die langgesuchte Hornschule in die Hände. Einer meiner Kollegen, Pedro Rodriguez, Hornlehrer am Konservatorium in Lissabon, hatte Fotokopien einer alten Hornschule von einem südamerikanischen Schüler erhalten. Eines Tages zeigte er mir diese Kopien, ohne zu wissen, dass ich an Hornmusik speziell interessiert war. Sofort blätterte ich zur Seite 28 der von Rodriguez gebrachten Fotokopien. Man stelle sich meine Überraschung und Freude vor, als ich das fehlende Stück intakt vorfand!
Ich drucke es hier ab, so dass alle Blechbläser an der Entdeckung teilhaben können. (Falsche Noten in der US-Quelle sind mit einem x markiert. Weiterhin ist in der Schule die letzte Note im Takt 13, obere Stimme, eher ein e′′ als ein d′′.)
Beispiel 1
Air von Händel
A = Neue Angaben für das Horn
B = Fragment der 2. Stimme in den USA aufbewahrt: Moravian Music Archives, Winston-Salem, N. Carolina
Notenbeispiel Nr. 1
Was die «Waldhornschule» selbst betrifft, so vermuteten Glover und ich, es sei eine der verschiedenen der Musikwissenschaft bekannten Schulen: entweder der «Compleat Tutor for the French Horn» (London, Simpson 1746 und London, Thompson 1756) oder die «Instructions for the French Horn» (Apollos Delight oder The Muses Delight, Liverpool, 1757). Es war aber in der Tat keine dieser beiden Schulen. Eine komplette Übersetzung der Titelseite lautet folgendermassen:
Neue Instruktion für das Waldhorn, enthaltend die modernsten und besten Methoden, das Blasen zu erlernen. Beigefügt sind alle Jagdsignale und eine Sammlung von Liedern, Märschen, Menuetten usw. Trefflich diesem Instrument angepasst von einem grossen Bläser. Preis L/6. Gedruckt und verkauft bei Longman & Broderip, Nr. 26 Cheapside, wo man auch Waldhörner alle Grössen, Konzerthörner, Trompeten und alle Arten von Blasinstrumenten haben kann, ausserdem Musikbücher, Stücke etc.
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Brass Bulletin 49, I / 1985 Seiten 41–44
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