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Verzierungen in Hornkonzerten des 18. Jahrhunderts?

Teil 1

Von Peter Damm

Zwischen Notentext und freier Gestaltung lag im 18. Jahrhundert eine Selbstverständlichkeit, die frühe Hornkonzerte bis heute anders hören lässt.
Verzierungen in Hornkonzerten des 18. Jahrhunderts?

Diese, vielleicht etwas provozierend erscheinende Frage ist nicht unberechtigt. Zu wenig ist darüber bekannt.

Die Unwissenheit eines Musikkritikers, welcher in einer Aufführung des Konzertes von Peter Johann Fick mehr «virtuose Ausschmückung» erwartete, — welche aber vorhanden, sich stilistisch eng der Komposition und den technischen Möglichkeiten des barocken Hornes anpasste — und eine Frage an einen Studenten, woher die Triller etc. kämen, welche doch nicht in den Noten ständen, waren Anlaß zu einem Vortrag mit Demonstration auf einem Naturhorn anläßlich der 8. Wissenschaftlichen Arbeitstagung 1980 in Blankenburg/Harz (DDR).

Probleme der Aufführungspraxis und Interpretation der Musik des 18. Jahrhunderts werden vielerorts in Symposien und Konferenzen diskutiert. Daß unser Horn dabei nicht gerade im Vordergrund stand, liegt daran, daß es erst relativ spät Eingang in die Kunstmusik fand, als bereits Tasteninstrumente, Holzblasinstrumente und Streichinstrumente das Feld beherrschten. Entsprechend gab es für diese Instrumente Lehrbücher von hoher Qualität, während recht spät, auf den Schulwerken anderer basierend, der «Versuch einer Anleitung zur [...] Trompeterkunst» von J.E. Altenburg als Lehrbuch für ein Blechblasinstrument dieser Epoche erschien. In der Mehrzahl sind die sehr ausführlichen Lehrbücher mit «Versuch...» überschrieben. «Versuch einer Anleitung» möchte auch ich meine Ausführungen überschreiben. Sie erheben keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit, das Thema ist unerschöpflich. Meine Absicht war es, zur Auseinandersetzung mit dem Stoff anzuregen, Hinweise auf die viel gründlicheren Quellen zu geben.

Während der Musiker unserer Zeit gewöhnt ist, das Notenbild gewissenhaft ohne Hinzufügungen oder Veränderungen umzusetzen, gab es bis zum 18. Jahrh. keine solche ins Detail gehende Fixierung der Musik. Erst seit Mitte des 18. Jahrh. begannen in zunehmendem Maße die Komponisten die Interpretation ihrer Werke durch genaue Ausführungsanweisungen festzulegen. Bis zu diesem Zeitpunkt diente der Notentext als ein Gerüst oder Skelett, welches der Musiker mittels umfassender Kenntnisse der Interpretationsmöglichkeiten individuell-schöpferisch ausfüllen konnte. Diese Aufführungspraxis ist eine Form der Improvisation. In der Kunst der Auszierung einer Komposition zeigt sich das Können und Geschick eines Musikers. Hilfsmittel zum Verzieren sind die sogenannten «wesentlichen Manieren» und «willkürlichen Veränderungen». Im «Versuch über die wahre Art das Clavier zu spielen» schreibt Carl Phil. Eman. Bach über die Manieren: «Sie hängen die Noten zusammen; sie beleben sie; [...] geben ihnen [...] Nachdruck und Gewicht [...] machen sie gefällig; [...] einer mäßigen Komposition kann durch sie aufgeholfen werden»¹.

Um ein Werk zufriedenstellend verzieren zu können, bedarf es neben hohen technischen Fertigkeiten auf dem Instrument auch umfassender musiktheoretischer Kenntnisse. Dinge, die bis zu einem gewissen Grade lehrbar und erlernbar sind. Notwendig ist aber auch viel Fantasie und eine gründliche Stilkenntnis. Letztere entscheidet wesentlich darüber, wann und wo ausgeziert werden kann.

«Ein Stück mit Manieren und Veränderungen ausziehen wollen, ehe man gelernt hat es nach dem Tact und der Reinigkeit der Töne zu spielen, heisset mahlen wollen, ohne die Zeichenkunst vorher begriffen zu haben»².

Im 18. Jahrhundert fanden die Lernenden wichtige Anleitungen zur «Kunst der Verzierung» in den Lehrbüchern von Johann Joachim Quantz, Carl Philipp Emanuel Bach, Leopold Mozart, um die einflußreichsten zu nennen.

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Brass Bulletin 42, II / 1983 Seiten 12–15

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