Die Trompete in den USA
Selbstvertrauen aus der Apotheke
Von Thomas Stevens
Pablo Casals und Arthur Rubinstein hatten bei ihren öffentlichen Auftritten mit ernsthaften Nervenproblemen zu kämpfen. Wladimir Horowitz war von der Angst vor nervlichem Versagen dermaßen besessen, daß er sich fünfzehn Jahre lang weigerte, Konzertverpflichtungen einzugehen.
Wahrscheinlich ist jeder Musiker schon irgendwann einmal von «den Nerven» zu Fall gebracht worden, doch die meisten erfolgreichen Künstler haben gelernt, dem Problem beizukommen. Einige aber haben durch ihre ganze Laufbahn hindurch gelitten und oft zu dieser oder jener «Methode» Zuflucht genommen, von modernen Praktiken wie Selbsthypnose und Bio-Feedback zu älteren «Techniken» wie der Einnahme von Alkohol oder Barbituraten (Tranquilizern).
Letztere sind sehr unbefriedigend, weil sie das Denken beeinträchtigen und, im Fall der Tranquilizer, die Speicheldrüsen hemmen und dadurch zu der berüchtigten Mundtrockenheit führen. Nun aber kann der Lampenfiebernde Hoffnung schöpfen. In den letzten Jahren haben Wissenschafter und Ärzte mit Propranolol (alias Inderal, Oxyprenolol) experimentiert und diese Substanzen Künstlern mit Nervenproblemen verordnet.
Propranolol ist ein sog. Beta-Blocker, eine adrenerge Substanz, welche im Körper die Ausschüttung des Adrenalins hemmt, welches einer der Hauptverursacher des «Nervenproblems» ist. Auch verhindert Propranolol das übermäßige Ansteigen des Pulses. Doch wollen wir solche Details lieber den Medizinern überlassen.
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