Brass Bulletin 37, I / 1982 Seite 45–46 · 1 Min. Lesezeit

ASA-Methode - ASA-Technik

ASA-Methode - ASA-Technik

Die Veränderung des Geschmacks in den letzten Jahrzehnten in der Musik allgemein hat auch uns Blechbläser inspiriert und, wie ich meine, positiv angeregt, über Ansatz, Fingertechnik, Tonqualität, Interpretationsstil usw. nach- oder besser gesagt umzudenken. Barocke, klassische, glücklicherweise auch zeitgenössische Komponisten haben in ihren Werken durch klanglich und musikalisch so herrliche Verwendung der Trompeten, Hörner, Posaunen und Tuben als virtuoses Soloinstrument Literatur geschaffen, die unser Können geradezu herausfordert.

Können, insbesondere virtuoses Können, setzt allerdings Übung, sprich: Arbeit, voraus. Jeder Bläser sollte zunächst ein positives Verhältnis zu seiner Weiterbildung gewinnen. Zwei Probleme stehen im Mittelpunkt. Nicht so sehr technische oder ansatzliche Schwierigkeiten sind es, die ein erfolgversprechendes Studium verhindern, vielmehr Mangel an Geduld, sie durch Leistungsbereitschaft und Zielstrebigkeit zu überwinden. Vielen Blechbläsern, Studenten wie Amateuren, fehlt es an Motivation, vor allem aber an Einsicht, sich bei ihrem täglichen Studium auch mit Tonleitern, Sequenzen und rhythmischen Figuren zu befassen.

Sie suchen die Schönheit ihres Instruments dort, wo sie allein nicht zu finden ist, nämlich nur in absoluter Höhe und glauben, dies sei schon ein Qualitätsprädikat, als guter Bläser zu gelten. Gewiß, hohe Noten sind erstrebenswertes Ziel, sie erfordern leichtes, lockeres, druckschwaches Blasen — wie ich es in meiner ASA-Methode¹ beschreibe — das erst die Voraussetzungen schafft, durch intensives Tonleiter- und Etüdenspiel Virtuosität erreichen zu können.

Das zweite Problem sind die Versetzungszeichen (Akzidentien ♭, ♯, ♮), die sowohl am Anfang des Notensystems für die betreffende Tonart stehen können als auch zufällig vor jeder Note, wie sie ausschließlich von Komponisten unserer Zeit gesetzt werden. Um Akzidentien, Phrasierungsbögen, auch dynamische Zeichen prima vista erfassen zu können, bedarf es einer gewissen Konzentration. Wer am Anfang seiner Ausbildung versäumt hat, solche Zeichen bewußt zu lesen, kann dies nur durch intensives Studium nachholen. Dafür bieten die hier vorliegenden Studien reichlich Material.

Der Wille zum Aufnehmen des Lehrstoffes, persönlicher Einsatz, Art und Umfang des Studienmaterials entscheiden neben anderen Bedingungen über den Erfolg eines Ausbildungsganges. Unlust, Leichtfertigkeit, aber auch Übereifer und falscher Ehrgeiz sind schlechte Ausbildungsbegleiter. Üben Sie systematisch. Sondern Sie zu schwierige Aufgaben aus, stellen Sie sie zurück. Zerlegen Sie die bleibenden Probleme in kleinste Einzelheiten; versuchen Sie so die Lösung zu finden. Halten Sie trotz aller Anforderungen Arbeit und Freizeit in angemessenem Verhältnis, indem Sie nur überschaubare Lehrstoffmengen aus eigenem Antrieb erarbeiten.

Werden diese Ratschläge beachtet, so wird in der Regel ein bläserisches Niveau erworben, das sicher gewisse Standardleistungen übersteigt und eine solide Basis für den späteren Beruf, vielleicht auch für eine solistische Karriere bildet.

Alle Inhalte sind urheberrechtlich geschützt © Brass Bulletin 1982–2026

Artikel teilen

Facebook LinkedIn
Loading…

Im Brass-Bulletin-Archiv suchen.