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Das gewundene Jadginstrument von J. W. Haas
Trompetenmuseum Säckingen
Von Edward H. Tarr
Das Haas-Jagdhorn nach der Restaurierung.
In einer Vitrine im zweiten Ausstellungsraum des Trompetenmuseums Bad Säckingen hängt ein Instrument, das im Museumskatalog schlicht als «gewundenes Jagdinstrument» bezeichnet wird.¹ Das Instrument gewinnt an Wert, wenn man weiter liest, dass es 1688 von Johann Wilhelm Haas (1649-1723), dem wohl berühmtesten Blechblasinstrumentenmacher seiner Zeit, angefertigt wurde. Die einmalige Aussagekraft kommt aber durch das beinahe lebensgrosse Porträt, das in einer gerahmten Farbreproduktion daneben hängt: es handelt sich um das Ölgemälde von Bachs Trompeter in Leipzig, Gottfried Reiche (1667-1734).² Der Betrachter erkennt sofort, dass das Haas-Instrument und das gewundene Instrument im Reiche-Porträt ein und derselbe Typ sind. Mit welchem Juwel wir es zu tun haben, wird offenbar, wenn wir erkennen, dass das Haas-Instrument das einzige erhaltene in dieser Form ist, nachdem ein ähnliches von Heinrich Pfeiffer (Leipzig 1697) den Zweiten Weltkrieg nicht überlebte.³ Das Säckinger Instrument ist somit ein Unikum.
Auffallend für die Form dieses gewundenen Instruments ist die Tatsache, dass die dreieinhalb Windungen — beim Reiche-Porträt viereinhalb — in einer Ebene verlaufen. Die früheste Darstellung eines solchen Blechblasinstruments ist bei Michael Praetorius zu finden. Auf Tafel VIII seines Syntagma musicum II (Wolfenbüttel 1619)⁴ ist unter Nr. 11 ein ähnliches Instrument mit viereinhalb Windungen und einem Ganzton-Stimmbogen — wie beim Reiche-Porträt — abgebildet; in der Legende unten wird es als «JagerTrommet» bezeichnet.
Ein ähnliches Instrument befindet sich auf einem Kupferstich aus dem Jahre 1710. Die Quelle ist Unfehlbare Engel-Freude oder Geistliches Gesangbuch (Leipzig 1710), dargestellt wird die Kirchenmusik in der Leipziger Thomaskirche unter Bachs Vorgänger Johann Kuhnau (1660-1722).⁵ Links im Vordergrund, neben zwei Instrumentalisten mit langen Naturtrompeten, steht ein Musiker — vermutlich Gottfried Reiche selber, der 1706 Stadtpfeifer-Senior wurde — mit einem hornartigen Instrument mit eineinhalb Windungen (auf dem Kupferstich wohl verzeichnet), das Schallstück in der Höhe.
Es gibt ähnliche Instrumente, die einen kleinen Durchmesser mit in einer Ebene verlaufenen Windungen aufweisen, die aber von der Schallstückform her eindeutig als Hörner zu identifizieren sind.⁶ Das Reiche-Instrument aber ist von der Forschung mal als Horn, mal als Trompete bezeichnet worden.⁷ Kürzlich urteilte der grosse Forscher Herbert Heyde wie folgt darüber:
Das Instrument hat eine zwischen Horn und Trompete stehende Zwittermensur, die bereits spätestens in der Mitte des 17. Jahrhunderts ausgebildet war und im 19. Jahrhundert die Normalmensur des Posthorns und Cornet à pistons darstellte.⁸
Er weist darauf hin, dass es in Sachsen eine Tradition des kleinen Horns gab, die «sich ... bis ins 16. Jahrhundert zurückverfolgen lässt».⁹ Ich will aber nicht weiter vorgreifen, da Heyde einen grösseren Artikel in diesen Blättern angekündigt hat.¹⁰
Bei einer derart offensichtlichen Streitfrage unter Experten, bei der die einen das Instrument als Horn, die anderen es als Trompete bezeichnen, ist es auf Grund der Literatur nicht möglich, das Reiche-Instrument mit einem eindeutigen Namen zu belegen. Einen Hinweis gibt uns aber das Bad Säckinger Instrument in die Hand. Schauen wir es uns näher an.
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Brass Bulletin 54, / 1986 Seiten 8–22
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