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Edward H. Tarr

Edward H. Tarr

Edward H. Tarr (1936–2020) war ein amerikanischer Trompeter, Musikwissenschaftler, Pädagoge und Herausgeber, der eine Pionierrolle bei der Wiederentdeckung des historischen Trompetenrepertoires und seiner Aufführungstraditionen spielte. Indem er die Tätigkeit des Interpreten mit der des Forschers verband, wurde er zu einer der einflussreichsten Persönlichkeiten der Wiederbelebung der Natur- und Barocktrompete in…

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Edward H. Tarr (1936–2020) war ein amerikanischer Trompeter, Musikwissenschaftler, Pädagoge und Herausgeber, der eine Pionierrolle bei der Wiederentdeckung des historischen Trompetenrepertoires und seiner Aufführungstraditionen spielte. Indem er die Tätigkeit des Interpreten mit der des Forschers verband, wurde er zu einer der einflussreichsten Persönlichkeiten der Wiederbelebung der Natur- und Barocktrompete in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Tarr wurde in Norwich, Connecticut, geboren und studierte Trompete in den Vereinigten Staaten bei zwei der führenden Orchestertrompeter ihrer Generation: Roger Voisin vom Boston Symphony Orchestra und Adolph Herseth vom Chicago Symphony Orchestra. Sein frühes Interesse an vernachlässigtem Trompetenrepertoire führte ihn zunehmend zur historischen Forschung. Nach seiner Übersiedlung nach Europa studierte er in Basel Musikwissenschaft bei Leo Schrade. Europa sollte fortan das Zentrum seines beruflichen Lebens bleiben.

Als Interpret bewegte sich Tarr gleichermaßen auf historischen und modernen Instrumenten sowie zwischen Alter Musik und zeitgenössischem Repertoire. Seine Arbeit trug wesentlich dazu bei zu zeigen, dass die Wiederentdeckung historischer Instrumente mit moderner Virtuosität und fundierter musikwissenschaftlicher Forschung einhergehen konnte. Er konzertierte international, hinterließ eine umfangreiche Diskografie und arbeitete mit zeitgenössischen Komponisten zusammen. Mauricio Kagel schrieb Werke für ihn; Tarr interpretierte darüber hinaus Musik von Komponisten wie Luciano Berio und Karlheinz Stockhausen.

Auch das Edward Tarr Brass Ensemble verkörperte diese breit angelegte musikalische Haltung. Mit historischen wie modernen Instrumenten widmete sich das Ensemble dem Repertoire der Renaissance und des Barock ebenso wie zeitgenössischer Musik und trug dazu bei, lange vernachlässigte Blechbläserliteratur einem neuen Publikum zugänglich zu machen.

Ebenso bedeutend war Tarrs Einfluss als Forscher und Herausgeber. Seine Untersuchungen zur Geschichte der Trompete, zu historischen Spieltechniken und zum Repertoire führten zu zahlreichen Artikeln, wissenschaftlichen Editionen und Publikationen. Er erarbeitete moderne Ausgaben bedeutender Trompetenwerke, darunter die vollständige Trompetenmusik von Giuseppe Torelli. Sein Buch Die Trompete, das später in englischer Sprache als The Trumpet erschien, wurde zu einem grundlegenden Referenzwerk zur Geschichte des Instruments. Seine Forschungen reichten weit über die bekannteren westeuropäischen Traditionen hinaus und umfassten insbesondere umfangreiche Arbeiten zur Geschichte des Trompetenspiels in Russland.

Die Lehrtätigkeit bildete einen weiteren Schwerpunkt von Tarrs Laufbahn. Viele Jahre lang unterrichtete er historische Trompete und Zink an der Schola Cantorum Basiliensis und zugleich moderne Trompete am Basler Konservatorium. Durch diese Verbindung wurde Basel zu einem wichtigen Zentrum für das Studium sowohl des historischen als auch des modernen Trompetenspiels. Darüber hinaus unterrichtete er an weiteren europäischen Institutionen und gab weltweit Meisterkurse. Zu den Musikern, die bei ihm studierten, gehörten Reinhold Friedrich und Håkan Hardenberger.

Sein Interesse an historischen Instrumenten war ebenso praktisch wie wissenschaftlich. Tarr arbeitete mit Instrumentenbauern an der Rekonstruktion und Weiterentwicklung historischer Trompeten und trug damit dazu bei, Musikern Instrumente zur Verfügung zu stellen, die dem von ihm erforschten Repertoire entsprachen. Als Leiter des Trompetenmuseums in Bad Säckingen war er außerdem eng mit der Bewahrung und Vermittlung der materiellen Geschichte des Instruments verbunden.

Im Laufe seiner Karriere trug Tarr eine außergewöhnliche Sammlung originaler Trompetenliteratur zusammen. Die Sammlung, die später vom Royal Conservatoire of Scotland erworben wurde, spiegelt die enorme Bandbreite seiner Forschungen und sein lebenslanges Bestreben wider, das musikalische Erbe der Trompete wiederzuentdecken, zu dokumentieren und zugänglich zu machen.

Edward H. Tarrs Bedeutung liegt in der außergewöhnlichen Verbindung all dieser Tätigkeiten. Interpret, Forscher, Herausgeber, Pädagoge und Verfechter historischer Instrumente waren für ihn keine voneinander getrennten Rollen, sondern unterschiedliche Aspekte derselben Auseinandersetzung mit der Trompete und ihrer Geschichte. Durch seine Aufnahmen, Editionen, Bücher, seine Lehrtätigkeit und seine Forschung half er, moderne Trompeter wieder mit mehreren Jahrhunderten Geschichte ihres Instruments zu verbinden.

10 Artikel von Edward H. Tarr

Brass Bulletin 2 - 1 / 1972

Die Barocktrompete, die hohe Trompete und die sogenannte «Bachtrompete»

Tarr, Edward H.

Die Barocktrompete, die hohe Trompete und die sogenannte «Bachtrompete»

Teil 1

Edward H. Tarr untersucht die Barocktrompete und klärt Herkunft und Bedeutung der sogenannten „Bach-Trompete“.

S. 25–42

Brass Bulletin No 2 · 1972

Trompete· Geschichte· Ausrüstung· Repertoire· Historische Instrumente· Klang

Brass Bulletin 3 - 2 / 1972

Die Barocktrompete, die hohe Trompete und die sogenannte «Bachtrompete»

Tarr, Edward H.

Die Barocktrompete, die hohe Trompete und die sogenannte «Bachtrompete»

Teil 2 – Ende

Fortsetzung von Edward H. Tarrs Studie über die Barocktrompete mit Untersuchung der hohen Trompete und weiterer Klärung des Begriffs „Bach-Trompete“.

S. 39–57

Brass Bulletin No 3 · 1972

Trompete· Geschichte· Ausrüstung· Repertoire· Historische Instrumente· Klang

Brass Bulletin 17 - 1 / 1977

Cesare Bendinelli (1542-1671)

Tarr, Edward H.

Cesare Bendinelli (1542-1671)

Teil 1

Biographie

Cesare Bendinelli (1542–1617), Hoftrompeter und Pädagoge, prägte eine Schule und hinterließ die erste Trompetenmethode — ein Schlüsselzeugnis der Renaissance.

S. 31–45

Brass Bulletin No 17 · 1977

Trompete· Geschichte· Historische Instrumente· Soziologie

Brass Bulletin 21 - 1 / 1978

Cesare Bendinelli (1542-1617)

Tarr, Edward H.

Cesare Bendinelli (1542-1617)

Teil 2 – Ende

Die Trompetenschule

Die erste Trompetenschule neu entdeckt: Edward H. Tarr zeigt, wie Bendinellis Traktat von 1614 unser Bild von Technik, Signalen und Ensemblespiel verändert.

S. 13–25

Brass Bulletin No 21 · 1978

Trompete· Geschichte· Historische Instrumente· Artikulation

Brass Bulletin 49 - 1 / 1985

Ein Hornduo von Händel in Südamerika aufgefunden

Tarr, Edward H.

Ein Hornduo von Händel in Südamerika aufgefunden

Eine über Südamerika wiedergefundene Hornschule des 18. Jahrhunderts ergänzt ein Händel-Duett und überliefert erstaunlich zeitgemässe Spielratschläge.

S. 41–44

Brass Bulletin No 49 · 1985

Horn· Repertoire· Geschichte

Brass Bulletin 54 - 2 / 1986

Tarr, Edward H.

Das gewundene Jadginstrument von J.W. Haas im Trompetenmuseum Säckingen

S. 8–22

Brass Bulletin No 54 · 1986

Horn· Trompete· Geschichte· Ausrüstung· Repertoire

Brass Bulletin 56 - 4 / 1986

Tarr, Edward H.

MÜNCHEN 1986: Trompetenwettbewerb [R. Friedrich, U. Agnas, G. Vosburgh]

S. 7–11

Brass Bulletin No 56 · 1986

Trompete· Reportage· Wettbewerb

Brass Bulletin 70 - 2 / 1990

Tarr, Edward H.

Nerudas Konzert für Horn (oder Trompete)

S. 36–45

Brass Bulletin No 70 · 1990

Horn· Trompete· Repertoire

Brass Bulletin 119 - 3 / 2002

Bach und die Anderen:

Tarr, Edward H.

Bach und die Anderen:

Teil 1

Trompeter-Hornisten im 18. Jahrhundert

Von Bachs Leipziger Kantaten bis zur Stadtpfeifertradition erscheinen Trompete und Horn als Instrumente einer aussergewöhnlich vielseitigen Musikerpraxis.

S. 44–55

Brass Bulletin No 119 · 2002

Trompete· Horn· Geschichte

Brass Bulletin 120 - 4 / 2002

Bach und die Anderen:

Tarr, Edward H.

Bach und die Anderen:

Teil 2 – Ende

Trompeter-Hornisten im 18. Jahrhundert

Über Leipzig hinaus reicht die Praxis von Weissenfels bis Dresden und Wien, während sich Horn und Trompete allmählich zu eigenständigen Rollen entwickeln.

S. 38–47

Brass Bulletin No 120 · 2002

Trompete· Horn· Geschichte

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