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Zwischen Hörnern und Jägertrompeten
Von Herbert Heyde
Zu beurteilen, was ein Horn und was eine Trompete sei, sieht auf den ersten Blick leichter aus, als es in manchen Fällen in Wirklichkeit ist.
Man sagt so leicht hin, ein Horn sei konisch und habe vor allem ein konisches Mundrohr, die Trompete sei dagegen überwiegend zylindrisch mensuriert. Das ist eine lakonische Formel, die zum grossen Teil auch richtig ist, aber eben nicht ganz und nicht in allen Fällen.
Horn und Trompete unterscheiden sich mehr als nur durch die Mensur des vorderen Rohrteils. Denn da ist z.B. die moderne Ventiltrompete, die im Normalfall ein ungefähr konisches Mundrohr hat, da ist die alte Handelian Trumpet von Köhler & Sons in London, die nach der Mensur weitgehend John Bayleys Improved Acoustic Cornet (1862) entspricht, dann auch die Jazztrompete mit konischem Mundrohr und schliesslich die mittelalterliche Geradtrompete, die im Normalfall ganz konisch mensuriert war. Da selbst bei Langtrompeten des 18. Jh. manchmal leicht konische Mundrohre vorkommen, verwundert es nicht, dass bereits in der Frühzeit der Ventiltrompete konische Mundrohre gebaut wurden, z.B. von Griesling & Schlott in Berlin, so dass man leicht versucht ist, hier von Cornets zu sprechen.
Diese Bemerkungen wurden vorangeschickt, um zu zeigen, dass man bei Einteilungen von Horn und Trompete auch den klanglichen Gestus in der Gesamtpalette, den sozialen Charakter, die musikalischen Traditionen, die musikalische Aufgabe, das Mundstück und selbst die äussere Form berücksichtigen muss. Um auf die Hörner zu kommen: Nicht nur im 19. und 20. Jh. wurden von einigen Firmen Hörner und Parforcehörner mit einer zylindrischen Mensur und Mundstücken ähnlich wie bei Trompete und Cornett gebaut, sondern bereits im 18. Jh. gab es Hörner mit zylindrischem Rohranfang und einem trompetenartigen Mundstück, wozu zwei Hörner von Friedrich Ehe (Abb. 1), zwei von Georg Friedrich Steinmetz (Abb. 2) und ein Horn von Wilhelm Martin Müller von 1779 gehören (Musikinstrumentenmuseum Berlin, Kriegsverlust). Es wurden auch Posaunen mit Trompeten-Schallstücken wie umgekehrt auch Trompeten mit Schallstücken hergestellt, die man eher der Posaune oder dem Horn zuweisen möchte, von der absoluten Grösse einmal abgesehen.
Abbildung 1
Jagd-Waldhorn in D alto von Friedrich Ehe (Meisterrecht 1697, gest. 1743). Mit zylindrischem Mundrohr (innen 10,5 - 11 mm), Stürzendurchmesser 175 mm, Kreisdurchmesser 24 cm.
Salzburg, Carolino Augusteum.
Abbildung 2
Jagd-Waldhorn in D alto von Georg Friedrich Steinmetz (Meisterrecht 1694, gest. 1740) in Nürnberg. Zylindrisches Mundrohr fast mit Trompetenmensur von 9,6 mm, Stürzendurchmesser 176 mm.
Berlin (West), Staatliches Institut für Musikforschung Preussischer Kulturbesitz, Musikinstrumenten-Museum.
Übergangs- und Mischformen
Übergangs- und Mischformen bestehen im 18. Jh. auch im Umfeld von Jägertrompeten und Hörnern in Altolage. Diese mensurell «uneindeutigen» Verhältnisse machen heute viel Kopfzerbrechen, weil man — vom modernen Bewusstsein ausgehend — gern alles eindeutig, klar und logisch unanfechtbar klassifizieren und auf eine Entweder-Oder-Entscheidung zurückführen möchte. Aber: Man sollte nicht genauer sein wollen als man in der Vergangenheit selbst war.
Wie verliefen die grossen Entwicklungsbögen in der Geschichte des kreisförmig gewundenen Horns zwischen 1600 und 1800? Welche Haupttypen gab es? Es ist schwer, aus der fast unübersehbaren Formenfülle die Grundtypen herauszuschälen¹. Zuerst seien die kleinen, schlichten einwindigen Instrumente genannt (Typ A), die bald eng, bald weit, mit konischem oder ausladendem Schallstück gebaut wurden. Ihre vielleicht edelsten Formen sind die Thurn- und Taxisschen Posthörner, mit denen die Postillone zum Teil bis ins 19. Jh. bescheidene Signale mit Grundton und Oktave bliesen.
Im 16. und 17. Jh. hatten die vier- bis fünfwindigen Hörner in Rohrlänge und Stimmung der Langtrompeten, die also in C alto bis G alto standen, eine gewisse Bedeutung (Typ B). Das älteste erhaltene Horn dieses Typs ist wohl das um 1570 von Valten Springer in Dresden gebaute (Abb. 3).
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Brass Bulletin 55, III / 1986 Seiten 42–56
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