Machen Sie Brass Bulletin an Ihrer Hochschule, Ihrem Konservatorium oder Ihrer Bibliothek verfügbar Institutionellen Zugang entdecken

5 Min. Lesezeit

Markneukirchen 1986

Internationale Wettbewerbe

Die Blechbläser kamen dieses Jahr in Markneukirchen zum Zuge, mit gleichzeitigen Wettbewerben für Trompete, Horn und Posaune.

Die Region von Klingenthal - Markneukirchen unterhält nicht nur ihre grosse historische Tradition, die auf 3 1/2 Jahrhunderte Instrumentenbau zurückblickt: seit einigen Jahren haben die Verantwortlichen für Industrie und Handwerk im Musikbereich ein wichtiges Podium für junge Solisten geschaffen in der Form von Instrumentalwettbewerben internationalen Charakters. Der Ruf dieser Wettbewerbe dringt immer weiter, was aus der wachsenden Anzahl der Einschreibungen und dem ausgezeichneten Niveau der Kandidaten abgelesen werden kann.

Die 12. Vogtländer Musiktage 1986 sahen die Blüte der neuen Blechbläsergeneration vorbeiziehen (mit Ausnahme der Tuba, die letztes Jahr ihren Wettbewerb hatte), aus 21 Ländern: Australien (1), Belgien (1), Brasilien (1), Bulgarien (4), Kuba (3), Vereinigte Staaten (1), Finnland (2), Frankreich (5), Ungarn (10), Italien (2), Japan (2), Norwegen (3), Niederlande (1), Polen (7), DDR (12), BRD (9), Rumänien (1), Schweden (3), Schweiz (1), Tschechoslowakei (19) und Jugoslawien (1).

Kurzer Kommentar

Grundsätzlich kann man mit Freude das ausgezeichnete Niveau der Kandidaten erwähnen. Man bemerkt eine sehr deutliche Entwicklung gewisser Kandidaten in Richtung einer solistischeren Attitüde und Ambition, die weniger auf symphonischen Interpretationskonzepten beruht als früher (trotzdem die Mehrheit - auf Grund des erhaltenen Unterrichts - in der orchestralen Konzeption der Rolle ihres Instrumentes verharrt).

Man wird mit Interesse die Zusammenfassung von Roland Schnorhk (Jurymitglied) über den Posaunenwettbewerb lesen, dessen grosse Linien ebenso für die Wettbewerbe für Horn und Trompete gültig sind.

Mit dem Wettbewerb 1986 können die ausgezeichneten Organisatoren mit Befriedigung feststellen, dass sie tatsächlich die interessantesten Kandidaten der gegenwärtigen Zeit angezogen haben und dass sie auf diesem Gebiet den alteingesessenen internationalen Wettbewerben um nichts hintanstehen.

Markneukirchen gehört von nun an zum Kreis der internationalen Wettbewerbe, die der Jugend erlauben, sich zu messen, sich gegenseitig anzuhören und sich zu situieren. Mehr noch: seine ideale geographische Lage (zwischen Ost und West), die ausserordentliche Dichte von Instrumenten- und Mundstückbauern sowie die sympathische Grösse der kleinen Provinzstadt begünstigen in idealer Weise die Begegnung und die Kontakte.

Wir haben alles Interesse daran, dieses ausserordentliche Bindeglied zu pflegen.

Zweifellos werden angesichts dieses erfreulichen Erfolges die Organisatoren anstreben, die Qualität des Empfangs und die Möglichkeiten der Einreise in die DDR noch zu verbessern.

Die Musik — seien wir uns des Privilegs bewusst! — kennt keine Grenzen.

Die Resultate

Trompete (29 Kandidaten):

  1. Preis: nicht verliehen
  2. Preis: Gabriele Cassone (Italien) und Gerd Fischer (DDR)
  3. Preis: nicht verliehen
    Förderungspreis: Werner Heckmann (DDR)

Posaune (28 Kandidaten):

  1. Preis: nicht verliehen
  2. Preis: Michael Mulcahy (Australien)
  3. Preis: Andrea Bandini (Italien) und Michael Jasko (CSSR)
    Förderungspreis: Dirk Lehmann (Deutschland)

Horn (33 Kandidaten):

  1. Preis: Miclós Nagy (Ungarn)
  2. Preis: Jens Köhli (DDR) und Andreas Langosch (DDR)
  3. Preis: nicht verliehen
    Förderungspreis: Nicolae Apostol (Rumänien)

Die Preisträger

Gabriele Cassone wurde am 6. September 1959 in Udine geboren. Diplome für Trompete (1976) und Komposition (1984). Seit 1976 ist er erster Trompeter des Orchesters «Pomeriggi Musicali» in Mailand und unterrichtet in dieser Stadt Trompete. 1985 erhielt er den ersten Preis für Trompete des Wettbewerbs von Cagliari.

Sein Stil ist elegant, raffiniert und originell, und seine ausserordentliche Technik machen aus ihm einen der interessantesten Repräsentanten der jungen Generation von Solisten.

Gerd Fischer wurde am 25. Oktober 1961 in Bad Elster geboren. Er hat hintereinander bei Albrecht Herrmann (Markneukirchen), an der spezialisierten Musikschule von Halle (1975) und schliesslich an der Musikhochschule F. Mendelssohn-Bartholdy in Leipzig bei Kurt Ramm studiert. Seit 1985 ist er Solotrompeter und zuständig für hohe Trompete im berühmten Gewandhausorchester in Leipzig.

Mit ausserordentlicher Kraft und Ausdauer begabt ist er ein wirklicher Orchestersolist, der ein Orchester von hundert Musikern führen und überstrahlen kann... Ein ausserordentlicher Musiker.

Michael Mulcahy wurde am 23. Januar 1958 in Sidney (Australien) geboren. Er studierte in seiner Geburtsstadt am New South Wales Conservatory bei Geoffrey Bailey. Gegenwärtig ist er Soloposaunist im Orchester des Westdeutschen Rundfunks in Köln. 1981 erhielt er einen zweiten Preis am internationalen Wettbewerb in München und im selben Jahr einen ersten Preis am Wettbewerb von Vercelli (Italien).

Er besitzt die Leichtigkeit des grossen Solisten! Ton, Phrasierung und Musikalität sind die grossen Trümpfe dieses sympathischen Künstlers, von dem man in den nächsten Jahren sicherlich noch viel hören wird.

Miclós Nagy wurde am 17. Mai 1963 in Budapest geboren. Er studierte bei Adam Friedrich an der Franz Liszt Akademie der ungarischen Hauptstadt seit fünf Jahren. Er hat bereits ein Lehrdiplom (1984) und erhielt am Genfer Wettbewerb 1985 einen dritten Preis.

Noch ein Produkt der berühmten ungarischen Schule. Eine vollendete Virtuosität im Dienste der Musik.

Der Posaunenwettbewerb von Markneukirchen

ROLAND SCHNORHK *

Ein internationaler Wettbewerb ist für jeden Teilnehmer ein wichtiges Ereignis, das Krönung einer langen Arbeit ist und den meisten die Möglichkeit gibt, sich den anderen gegenüber zu situieren und vor allem klar festzustellen, wie weit man selbst ist, wie gut die technische und psychologische Vorbereitung war und wie gut vielleicht auch die musikalischen und instrumentalen Konzepte sind.

Der Wettbewerb von Markneukirchen war für die Posaunisten um so wichtiger, als es der erste Wettbewerb seit drei Jahren war, der letzte hatte 1983 in Toulon stattgefunden. Ausserdem ist er Beginn einer neuen Serie: Prag (87), Genf und München (88).

Der Wettbewerb als Ort der Begegnung vermittelt all diesen jungen Musikern verschiedener Schulen, Kulturen, Sprachen und Mentalitäten bereichernde Erlebnisse dank der Begegnungen und freundschaftlichen Bande, die bei dieser Gelegenheit geknüpft werden. In Markneukirchen, einer kleinen Stadt mit reicher, lebendiger Musikkultur, begünstigen die örtlichen Gegebenheiten besonders die Begegnung. Der Empfang aller Teilnehmer, sowohl durch das Organisationskomitee und die lokalen Behörden als auch durch die Bevölkerung im allgemeinen ist warmherzig, freundschaftlich und aufmerksam.

Der Posaunenwettbewerb

Von 47 eingeschriebenen Kandidaten waren 28 anwesend, sie repräsentierten 13 Länder: 16 aus dem Ostblock, 8 aus dem Westen und je einer aus Australien, aus Brasilien, Kuba und Japan. 14 kamen in die zweite Runde (8 Länder) und 5 in das Finale.

Eine der Besonderheiten des Wettbewerbs von Markneukirchen besteht darin, dass die in jedem Durchgang erzielten Punkte zusammengezählt werden; n.b. hätte das im Reglement erwähnt werden sollen. So werden die Rangordnungen nach dem zweiten Durchgang und nach dem Finale durch Zusammenzählen der zwei bzw. drei Prüfungen ermittelt. Das verlangt von den Kandidaten eine optimale Vorbereitung und ein totales Engagement bei jedem Durchgang. Jene, die gewöhnt sind oder Lust haben, sich aufzusparen, ihre Anstrengung zu dosieren, haben kaum Chancen, in die letzte Runde zu kommen. Immerhin sollte die Finalrunde mit Orchesterbegleitung, zwangsläufig vor einem grösseren Publikum, höher bewertet werden als die erste Runde.

Eine andere Klausel des Reglementes, welche hingegen deutlich erwähnt wurde, war die, das Konzert mit Orchesterbegleitung auswendig zu spielen. Man unterstützt dies umso lieber, als es sich um das Konzert von Albrechtsberger handelte. Man kann sich gut vorstellen, dass dies in jedem Wettbewerb so gehandhabt würde, sei es mit dem Konzert von Wagenseil oder dem von Albrechtsberger, unseren beiden klassischen Konzerten. Allerdings ging nicht alles so leicht für alle, denn einer der fünf Finalisten musst forfait erklären. Aber die Reglemente sind dazu da, angewandt zu werden, sogar wenn sie diskutabel und diskutiert sind. Lassen wir deshalb jedem Wettbewerb seine Besonderheiten und sagen wir uns, dass, wenn es ein perfektes Reglement gäbe, würde es schon seit langem überall angewandt.

In Bezug auf das Programm ist zu berichten, dass in jedem Durchgang ein Pflichtstück (David, Schenker, Albrechtsberger) und ein Selbstwahlstück vorgeschrieben waren:

  1. Runde: Martin (10x gewählt), Serocki «Sonatine» (9x), Hindemith (7x), Matej «Sonate» (1x), Saint-Saens (1x).
  2. Runde: Pauer «Trombonetta» (3x), Dutilleux (3x), Milhaud (8x).
  3. Runde: Serocki «Concerto» (3x), Tomasi (2x), Spisak.

Trotz des allgemein guten Niveaus dieses Wettbewerbs wurde kein erster Preis verliehen. Ein zweiter Preis wurde einstimmig dem Australier Michael Mulcahy verliehen und zwei dritte Preise gingen an Michael Jasko (CSSR) und Andrea Bandini (Italien).

Wie immer gab es auf einige Glückliche viele Enttäuschte. Mögen diese und jene aus dieser mehr oder weniger glücklichen Erfahrung Gewinn ziehen und die guten Momente der Kameraderie und der Freundschaft, die sie in Markneukirchen erlebten, nicht vergessen.

Brass Bulletin 55, III / 1986 Seiten 25–27

Alle Inhalte sind urheberrechtlich geschützt © Brass Bulletin 1986–2026

Artikel teilen

Facebook LinkedIn
Wird geladen…

Fragen und Antworten

So funktioniert die digitale Ausgabe

Was enthält die digitale Ausgabe?

Die digitale Ausgabe vereint die bereits digitalisierten Artikel als lesbare und durchsuchbare Online-Texte – nicht nur als Scans oder PDF-Dateien – mit ihren ursprünglichen Abbildungen, Anmerkungen, Angaben zu Autoren und Ausgaben sowie den verfügbaren Übersetzungen. Empfehlungen verwandter Artikel umfassen derzeit nur dieses digitalisierte Material.

Sind die digitalen Artikel mit den Originalen identisch?

Wir bewahren den ursprünglichen Text, die Sprache, Abbildungen, Bildlegenden, Fußnoten und den redaktionellen Kontext so originalgetreu wie möglich. Die Darstellung wird für ein angenehmes Lesen am Bildschirm angepasst; offensichtliche Übertragungs- oder Scanfehler können korrigiert werden. Inhalt und Charakter des veröffentlichten Artikels bleiben unverändert.

Welche Sprachen sind verfügbar?

Brass Bulletin erschien während seiner gesamten Geschichte auf Englisch, Französisch und Deutsch. Italienische und spanische Übersetzungen kamen ab Ausgabe Nr. 60 hinzu.

Auf der italienischen und der spanischen Website werden die Artikel aus den Ausgaben 1 bis 59 daher standardmäßig auf Englisch angezeigt.

Wie oft werden neue Artikel hinzugefügt?

Neue Artikel werden fast täglich hinzugefügt; ungefähr eine vollständige Ausgabe wird pro Woche digitalisiert. Das Tempo kann je nach erforderlicher Vorbereitung, Bildbearbeitung und redaktioneller Prüfung variieren.

Warum sind noch nicht alle Artikel digital verfügbar?

Die vollständige Sammlung von Brass Bulletin umfasst 1’246 Artikel aus den Jahren 1971 bis 2003. Das vollständige Verzeichnis ist bereits online verfügbar und ermöglicht es, jeden Artikel der Sammlung zu entdecken – auch jene, deren vollständiger Text noch nicht digitalisiert wurde.

Die Digitalisierung begann im Februar 2026. Jeder Artikel wird sorgfältig für die Online-Lektüre aufbereitet, geprüft und mit seiner Ausgabe, den Autoren, Themen und Abbildungen verknüpft. Beim derzeitigen Digitalisierungstempo wird die vollständige Sammlung voraussichtlich bis Februar 2028 online verfügbar sein.

Warum verweisen manche Quellen auf Artikel, die noch nicht verfügbar sind?

Verweise in den Originalartikeln bleiben erhalten, auch wenn das Material, auf das sie hinweisen, noch nicht digitalisiert wurde. So bleiben die historischen und redaktionellen Zusammenhänge vollständig erhalten. Mit jeder weiteren digitalisierten Ausgabe werden mehr dieser Verweise zu online lesbaren Artikeln führen.

Kann ich einen Artikel vorschlagen oder einen Übertragungsfehler melden?

Ja. Wenn Sie einen bestimmten Artikel gerne digitalisiert sehen möchten oder einen möglichen Übertragungsfehler beziehungsweise eine fehlende Information entdecken, nehmen Sie bitte Kontakt mit uns auf. Rückmeldungen unserer Leser helfen uns, die digitale Ausgabe zu verbessern und sinnvolle Prioritäten im Archiv zu setzen.

Wie kann ich Brass Bulletin unterstützen?

Ihre Unterstützung hilft, die Aufbereitung, Überprüfung und Online-Veröffentlichung der vollständigen Sammlung zu finanzieren.

Digitalausgabe abonnieren

Möchten Sie uns lieber unterstützen, ohne ein Abonnement abzuschließen?

Spenden

Wie kommt die Digitalisierung voran?

Wir machen Brass Bulletin nach und nach online zugänglich, Artikel für Artikel. Neu digitalisierte Artikel können Sie lesen, sobald sie verfügbar sind – auch wenn die gesamte Ausgabe noch nicht fertig ist.

Unser Digitalisierungsplan zeigt die neuesten Ergänzungen und die voraussichtlichen Verfügbarkeitstermine der kommenden Ausgaben. Diese Schätzungen basieren auf unserem jüngsten Arbeitstempo und können sich ändern.

Brass Bulletin durchsuchen.