Machen Sie Brass Bulletin an Ihrer Hochschule, Ihrem Konservatorium oder Ihrer Bibliothek verfügbar Institutionellen Zugang entdecken

3 Min. Lesezeit

Von den Trompeten

Aus Pierre Trichets Traité des Instruments de Musique (um 1640)

Von den Trompeten

Von den Trompeten (17). [Fol. 62]

Im Wunsche, hier die Trompeten zu behandeln, möchte ich mit ihrer Beschreibung beginnen, welche laut Casserius folgendermassen lautet: Tuba est instrumentum musicum teres, oblugum, plurimis circuitibus, gyris, geminisque sinubus praeditum, in duo orificia non aeque tamen ac similiter exiens, ex materia ut plurimum aurichalcea ad sonos et harmoniam edendam paratum. (Die Tuba ist ein poliertes Musikinstrument, länglich, mit mehreren Windungen und Bögen und zwei Rundungen versehen, in zwei ungleiche, aber ähnliche Öffnungen auslaufend, grösstenteils aus Messing hergestellt und zu Tönen und Harmonie geeignet.)

Diese Beschreibung trifft zwar nicht auf alle Trompeten zu, aber es genügt, dass sie auf die meisten von ihnen passt, denn ich habe so viele Einzelheiten zu berichten über dieses Thema, dass ich mich nicht bei den Details aufhalten möchte. Die Erfindung der Trompete wird von Plinius, Raphael von Volterra und Hygin dem Pisaeus zugeschrieben und von anderen dem Maleus, ebenfalls einem Toskaner. Pausanias und Silius Italicus äussern sich nicht über den Namen des Erfinders. Der eine sagt, dies sei der Sohn des Herkules mit einer Lydierin gewesen, der andere behauptet, es sei derjenige gewesen, der die Moeonier nach Italien führte... Diodorus und Pollux schreiben diese Ehre der ganzen Nation der Toskaner zu (1.4, onom. c. 10) was den vorgängig geäusserten Meinungen nicht unbedingt widerspricht. Die Musen hassen Pauken und Trompeten: Horrent Tyrrhenos Heliconia plectra tumultus. (Sie hassen den Krach der Schlegel, die Tyrrhenischen Helikonier (Musen).)

Das muss aber aus anderen Gründen sein, denn ich glaube, die Melodie ist ihnen angenehm — bloss jene Instrumente missfallen ihnen, welche sie von ihren Übungen ablenken, ihre Ruhe stören und sie daran hindern, sich der Kontemplation der natürlichen und übernatürlichen Dinge hinzugeben. Ich glaube, sie würden sogar Gefallen finden an der Vielfalt der Töne, welche die Trompeten hervorbringen, vor allem, wenn man annehmen darf, dass auch Melodien in phrygischer Tonart (wie Loyer glaubt) oder hypoiastischem Modus (wie Glarean behauptet) gespielt werden können.

Sie könnten auch Gefallen finden an den Trompeten, wenn man sie so einsetzte wie der Arzt Aeskulap, der damit die Tauben heilte und ihnen den Gehörsinn wiedergab.

Oder wenn man das Verfahren anwendet, welches Aristoteles beschreibt: wenn man eine Trompete an das Ohr eines fast Tauben hält, könnten die Worte zu seinem Gehör gelangen, da der Schall sich nicht zerstreut sondern ganz von der Höhlung der Trompete aufgefangen wird und so eine grosse Hilfe darstellt.

Abbildungen aus « L’Harmonie Universelle » von Marin Mersenne, Paris 1636.

Abbildungen aus « L’Harmonie Universelle » von Marin Mersenne, Paris 1636.

Die Liebhaber des Musischen werden auch gerne den Trompeten lauschen bei den Freudenfesten, den öffentlichen Feierlichkeiten, den Karussellen (Reiterspielen) den tragischen und komischen Theaterstücken, den Hochzeiten und sonstigen Festlichkeiten...

In Frankreich und einigen anderen Ländern sind die Trompeten gegenwärtig nur bei der Kavallerie und der Kriegsmarine im Einsatz — die Infanterie reserviert für sich Trommeln und Pfeifen. Grosse Herren lassen etwa auch nach ihren Banketten die Trompeten blasen. In Bordeaux unterhalten unsere Magistraten, die jurats genannt werden, zwei Beamte, die je eine lange, ungebogene Silbertrompete mit dem Banner der Stadt vorantragen. Dies wird bei den allgemeinen Prozessionen, den Freudenfeuern und anderen öffentlichen Feierlichkeiten gemacht. Die selben beamten Offiziere sind verpflichtet, mit ihren Trompeten die öffentlichen Bekanntmachungen zu machen und der Hinrichtung von Verbrechern, die für ihre Verbrechen eine exemplarische Strafe erleiden müssen, beizuwohnen. Darin halten sie es wie die alten Römer, die wie Gruterus berichtet, in celeberrimis urbis locis classico canere, quum jam instaret supplicii hora. (in den Plätzen der berühmten Stadt Trompetensignale bliesen, wenn die Stunde der Peinigung beginnen sollte). Man kann bei Sueton einen anderen Brauch nachlesen, nämlich, dass die römischen Imperatoren ihren Einzug in die Stadt mit Trompetenschall abhielten.

Bevor ich diese Abhandlung nun schliesse, ist es nötig, ein Wort über den Dämpfer zu sagen. Dies ist ein vom Dreher angefertigtes Holzstück, das man so in den Schalltrichter der Trompete einsetzt, dass es den Ton schwächt, stopft und leiser macht. Um diesen Dämpfer leicht in den Becher stossen zu können, besitzt er einen Griff, der aus dem selben Stück gedrechselt ist und recht schmal verläuft, mit einer Verdickung gegen den Dämpfer hin. Der Dämpfer muss hohl und durchbohrt sein und ausserdem recht dünnwandig, da er sich einerseits dem Becher anpassen muss und andererseits auch die Luft durchlassen muss, da sonst die Trompete nicht mehr klingt. Man sieht, dass der Gebrauch dieses Dämpfers ausschliesslich dazu bestimmt ist, die Öffnung des Bechers zu verkleinern und den Ton zu schwächen und abzustumpfen, der durch den Umweg durch das Holzgefäss weniger schmetternd wird, als wenn er seine volle Freiheit hätte. Darum bedient man sich eines Dämpfers, wenn man Angst hat, vom Feind entdeckt zu werden, oder wenn man ihn überraschen will, wie auch, wenn man sich verschieben will und heimlich zum Rückzug blasen möchte — was auch ich jetzt tun werde, um nicht jene zu langweilen, die den Mut hatten, mir bis hierher zu folgen.

Pierre Trichet «Traité des Instruments de Musique» ca. 1640. Mit einem Vorwort und Notizen von François Lesure herausgegeben (Genf, Minkoff Reprint, 1978).

Brass Bulletin 49, I / 1985 Seiten 31–33

Alle Inhalte sind urheberrechtlich geschützt © Brass Bulletin 1985–2026

Artikel teilen

Facebook LinkedIn
Wird geladen…

Fragen und Antworten

So funktioniert die digitale Ausgabe

Was enthält die digitale Ausgabe?

Die digitale Ausgabe vereint die bereits digitalisierten Artikel als lesbare und durchsuchbare Online-Texte – nicht nur als Scans oder PDF-Dateien – mit ihren ursprünglichen Abbildungen, Anmerkungen, Angaben zu Autoren und Ausgaben sowie den verfügbaren Übersetzungen. Empfehlungen verwandter Artikel umfassen derzeit nur dieses digitalisierte Material.

Sind die digitalen Artikel mit den Originalen identisch?

Wir bewahren den ursprünglichen Text, die Sprache, Abbildungen, Bildlegenden, Fußnoten und den redaktionellen Kontext so originalgetreu wie möglich. Die Darstellung wird für ein angenehmes Lesen am Bildschirm angepasst; offensichtliche Übertragungs- oder Scanfehler können korrigiert werden. Inhalt und Charakter des veröffentlichten Artikels bleiben unverändert.

Welche Sprachen sind verfügbar?

Brass Bulletin erschien während seiner gesamten Geschichte auf Englisch, Französisch und Deutsch. Italienische und spanische Übersetzungen kamen ab Ausgabe Nr. 60 hinzu.

Auf der italienischen und der spanischen Website werden die Artikel aus den Ausgaben 1 bis 59 daher standardmäßig auf Englisch angezeigt.

Wie oft werden neue Artikel hinzugefügt?

Neue Artikel werden fast täglich hinzugefügt; ungefähr eine vollständige Ausgabe wird pro Woche digitalisiert. Das Tempo kann je nach erforderlicher Vorbereitung, Bildbearbeitung und redaktioneller Prüfung variieren.

Warum sind noch nicht alle Artikel digital verfügbar?

Die vollständige Sammlung von Brass Bulletin umfasst 1’246 Artikel aus den Jahren 1971 bis 2003. Das vollständige Verzeichnis ist bereits online verfügbar und ermöglicht es, jeden Artikel der Sammlung zu entdecken – auch jene, deren vollständiger Text noch nicht digitalisiert wurde.

Die Digitalisierung begann im Februar 2026. Jeder Artikel wird sorgfältig für die Online-Lektüre aufbereitet, geprüft und mit seiner Ausgabe, den Autoren, Themen und Abbildungen verknüpft. Beim derzeitigen Digitalisierungstempo wird die vollständige Sammlung voraussichtlich bis Februar 2028 online verfügbar sein.

Warum verweisen manche Quellen auf Artikel, die noch nicht verfügbar sind?

Verweise in den Originalartikeln bleiben erhalten, auch wenn das Material, auf das sie hinweisen, noch nicht digitalisiert wurde. So bleiben die historischen und redaktionellen Zusammenhänge vollständig erhalten. Mit jeder weiteren digitalisierten Ausgabe werden mehr dieser Verweise zu online lesbaren Artikeln führen.

Kann ich einen Artikel vorschlagen oder einen Übertragungsfehler melden?

Ja. Wenn Sie einen bestimmten Artikel gerne digitalisiert sehen möchten oder einen möglichen Übertragungsfehler beziehungsweise eine fehlende Information entdecken, nehmen Sie bitte Kontakt mit uns auf. Rückmeldungen unserer Leser helfen uns, die digitale Ausgabe zu verbessern und sinnvolle Prioritäten im Archiv zu setzen.

Wie kann ich Brass Bulletin unterstützen?

Ihre Unterstützung hilft, die Aufbereitung, Überprüfung und Online-Veröffentlichung der vollständigen Sammlung zu finanzieren.

Digitalausgabe abonnieren

Möchten Sie uns lieber unterstützen, ohne ein Abonnement abzuschließen?

Spenden

Brass Bulletin durchsuchen.