Abbildungen aus « L’Harmonie Universelle » von Marin Mersenne, Paris 1636.
Die Liebhaber des Musischen werden auch gerne den Trompeten lauschen bei den Freudenfesten, den öffentlichen Feierlichkeiten, den Karussellen (Reiterspielen) den tragischen und komischen Theaterstücken, den Hochzeiten und sonstigen Festlichkeiten...
In Frankreich und einigen anderen Ländern sind die Trompeten gegenwärtig nur bei der Kavallerie und der Kriegsmarine im Einsatz — die Infanterie reserviert für sich Trommeln und Pfeifen. Grosse Herren lassen etwa auch nach ihren Banketten die Trompeten blasen. In Bordeaux unterhalten unsere Magistraten, die jurats genannt werden, zwei Beamte, die je eine lange, ungebogene Silbertrompete mit dem Banner der Stadt vorantragen. Dies wird bei den allgemeinen Prozessionen, den Freudenfeuern und anderen öffentlichen Feierlichkeiten gemacht. Die selben beamten Offiziere sind verpflichtet, mit ihren Trompeten die öffentlichen Bekanntmachungen zu machen und der Hinrichtung von Verbrechern, die für ihre Verbrechen eine exemplarische Strafe erleiden müssen, beizuwohnen. Darin halten sie es wie die alten Römer, die wie Gruterus berichtet, in celeberrimis urbis locis classico canere, quum jam instaret supplicii hora. (in den Plätzen der berühmten Stadt Trompetensignale bliesen, wenn die Stunde der Peinigung beginnen sollte). Man kann bei Sueton einen anderen Brauch nachlesen, nämlich, dass die römischen Imperatoren ihren Einzug in die Stadt mit Trompetenschall abhielten.
Bevor ich diese Abhandlung nun schliesse, ist es nötig, ein Wort über den Dämpfer zu sagen. Dies ist ein vom Dreher angefertigtes Holzstück, das man so in den Schalltrichter der Trompete einsetzt, dass es den Ton schwächt, stopft und leiser macht. Um diesen Dämpfer leicht in den Becher stossen zu können, besitzt er einen Griff, der aus dem selben Stück gedrechselt ist und recht schmal verläuft, mit einer Verdickung gegen den Dämpfer hin. Der Dämpfer muss hohl und durchbohrt sein und ausserdem recht dünnwandig, da er sich einerseits dem Becher anpassen muss und andererseits auch die Luft durchlassen muss, da sonst die Trompete nicht mehr klingt. Man sieht, dass der Gebrauch dieses Dämpfers ausschliesslich dazu bestimmt ist, die Öffnung des Bechers zu verkleinern und den Ton zu schwächen und abzustumpfen, der durch den Umweg durch das Holzgefäss weniger schmetternd wird, als wenn er seine volle Freiheit hätte. Darum bedient man sich eines Dämpfers, wenn man Angst hat, vom Feind entdeckt zu werden, oder wenn man ihn überraschen will, wie auch, wenn man sich verschieben will und heimlich zum Rückzug blasen möchte — was auch ich jetzt tun werde, um nicht jene zu langweilen, die den Mut hatten, mir bis hierher zu folgen.
Pierre Trichet «Traité des Instruments de Musique» ca. 1640. Mit einem Vorwort und Notizen von François Lesure herausgegeben (Genf, Minkoff Reprint, 1978).