Erste Karriere - moderne Trompeten
1970 — er ist erst 22 — spielt er mit Erfolg das zweite Brandenburgische Konzert von Bach. Er hält auch perfekt die erste Trompete der h-moll-Messe durch. Von nun an verbreitet sich sein guter Ruf unaufhaltsam.
In dieser Zeit aber studiert er nicht ausschliesslich Musik. Zuerst ist er an der medizinischen Fakultät immatrikuliert, dann studiert er Mathematik und Physik. Erst 1977, kurz vor Abschlussexamen, verlässt er die Wissenschaft ganz, um sich ausschliesslich der Musik zu widmen. Seine solistische Karriere ist bereits auf gutem Wege, als er sich an der Kölner Musikhochschule in der Klasse von Walter Holy immatrikuliert¹. Was er in der Tat vor allem sucht, ist der obligatorische theoretische Ballast, der für ein Lehrdiplom gefordert wird.
Als vollbeschäftigter Berufsmusiker und gleichzeitig Student ist er in einer geradezu komischen Situation, denn das Institut, an dem er studiert, bietet ihm bald einen Lehrstuhl für alte Musik an. Ein Beweis dafür, dass es glücklicherweise auch heute noch möglich ist, eine wichtige Stelle auf Grund von Kenntnis und Talent zu bekleiden, anstatt sich auf Diplome und Empfehlungen stützen zu müssen...
Friedemann Immer ist ein Selfmademan, der seine Karriere ganz allein aufgebaut hat, ohne allzusehr bei den anderen Pionieren der barocken Trompetenmusik Anleihen aufzunehmen. Sein Weg ist originell und interessant.
Zweite Karriere - Naturtrompeten
Der Oboist Helmut Hucke löst Friedemanns Begeisterung für die Naturtrompete und den Zink aus (er lernt ab 1972 dieses Instrument, zuerst auf einem Moeck, später auf einem Christopher Monk). 1976 kauft er seine erste Barocktrompete in D/C bei Meinl & Lauber. Ein Jahr später spielt er öffentlich das 2. Brandenburgische Konzert auf einer Meinl & Lauber-F-Trompete. Zuerst, im Mai, in der Schweiz, das zweite Mal in den USA, wo er auch eine Schallplattenaufnahme macht (Smithsonian Institute, Washington D.C.). Dies ist der Beginn einer zweiten Karriere, die sich parallel und in denselben Bahnen wie die erste, 1970 begonnene, bewegen wird: h-moll-Messe, Kantaten, Oratorien usw.
Seine Tätigkeit teilt er heute so auf: 30% auf modernen Trompeten, 60% auf Barocktrompeten und 10% auf dem Zink.
1980 nimmt er mit Nikolaus Harnoncourt und dem Wiener Concentus Musicus auf. 1982 nimmt er mit diesem Ensemble ein ausserordentliches und prächtiges 2. Brandenburgisches auf (Teldec). Es folgen in steter Reihe Konzerte mit den renommiertesten Ensembles für alte Musik: Collegium aureum, La petite Bande (Belgien), Leonhard Consort (Holland), Academy of ancient Music (England), Taverner Players (England), Aston Magna (USA), Linde-Consort (Schweiz) usw.
Er hat bis jetzt über 40mal das 2. Brandenburgische auf der Barocktrompete aufgeführt und über 160mal auf der Piccolotrompete. Er hat auch mehrere Platten unter eigener Leitung publiziert.
Friedemann Immer steht auf der höchsten Stufe der zeitgenössischen Trompeterwelt.
In einem folgenden Artikel wird Friedemann Immer auf die grundlegenden Techniken, die für ein vernünftiges Spiel auf der Naturtrompete nötig sind, genauer eingehen.