Die Musik ist schön.
Plötzlich wird mir bewusst, dass ich aufmerksam zuhöre. Meine Freunde im Orchester spielen herrlich gut heute Abend. Ich habe grosse Lust, mitzumachen, zu spielen. Die Zeit steht still, das Lampenfieber ist weg. Ich gehöre zum Ganzen, und das Ganze trägt mich mit. Ich spreche nicht mehr mit mir selbst, meine Gedanken sind direkt, vom Wort befreit müssen sie sich nicht mehr an den Umweg der Sprache halten. Jeder Ton wird durch mich dosiert, gesetzt, abgestimmt, betont, zurückgehalten, entflammt, gelöscht...
Der Dirigent hat längst keinen Namen mehr, meine Kollegen auch nicht. Die Musik hat keinen Titel mehr, keinen Komponisten. Nur noch diese stille Sammlung und das Tongebäude, das daraus wächst, von unseren mitschwingenden Instrumenten zum Leben erweckt.
Nach dem Abebben des Beifalls habe ich mich langsam auf den Heimweg gemacht, habe sorgfältig meine schöne Trompete in ihrem Samtetui versorgt. Mit einigen guten Kollegen habe ich an der Ecke einen Schlummerbecher genommen, vor der Heimkehr. Die Nacht war schön, ich war glücklich, Musiker zu sein und begriff einmal mehr, warum ich es hatte werden wollen. Das Tam-tam hatte funktioniert.