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Doc Severinsen

Talent, Wille und Ruhm

Doc Severinsen

Doc Severinsen

Doc Severinsen ist einer der populärsten Trompeter und Fernsehstars der Vereinigten Staaten. Seit über 25 Jahren, während fünf Tagen in der Woche, ist er Moderator einer der meistgesehenen Sendungen Nordamerikas, die «Tonight Show» von Johnny Carson.

Von der Geige zur Trompete

Carl Severin Severinsen war der einzige Zahnarzt der kleinen Stadt Arlington (600 Einwohner) im Staate Oregon. Es war also nicht erstaunlich, dass der kleine Carl Hilding, bei seiner Geburt am 7. Juli 1927, den Übernamen «Little Doc» erhielt.

Papa Doc war, wenn er nicht gerade die Zähne seiner Mitbürger ausriss, ein leidenschaftlicher und fähiger Amateurgeiger. Der junge Sohn hingegen hatte gar keine Lust, Saiten zum Vibrieren zu bringen. Im Alter von sieben Jahren beschloss er, Posaune und nichts anderes zu spielen. Zu kurze Arme? Gut dann eben Kornett.

Der Hauptvertrag für seine Zukunft war damit unterzeichnet.

Er trieb eine Schule auf, besorgte sich die Griffe und die wichtigsten Tricks. Da er keine Übungen machen wollte, gab ihm sein Vater, der nichts von Blechblasinstrumenten verstand, den ersten musikalischen Grundunterricht mit «geigerischen Begriffen», indem er ihn Stücke und Solos spielen liess. Dies sollte genügen, um seinem Talent einen fantastischen Start zu ermöglichen und seine ausserordentliche Begabung zu erkennen. Einige Wochen später spielte er im Blasorchester seiner Schule...

Mit zwölf Jahren gewann er einen regionalen Musikwettbewerb, und die Dinge begannen sich schneller zu entwickeln. Noch als Schüler wurde er in das berühmte Orchester Ted Fio Rito engagiert. Mit 14 Jahren hörte er Zigi Elman und entdeckte die Big Band. Dieses Erlebnis, zusammen mit den Solos von Herbert Clarke und Hartmann, mit denen sein Kopf angefüllt war, bewirkte eine Verschmelzung beider Einflüsse, welche ihn zu seinem eigenen Stil führen sollte. Er spielte immer mehr in Tanzorchestern. Am Ende seiner Schulpflicht — mit 17 Jahren — ging er wie ein wirklicher Profi auf Tournee, und trat so, ohne Zeit zur Eingewöhnung zu haben, in den Beruf ein. Und mit wem? Mit niemand geringerem als den Orchestern von Tommy Dorsey, Benny Goodman und Charlie Barnet.

Erster fester Vertrag

Nach Beendigung seines Militärdienstes wurde er 1949 in New York vom Orchester der NBC (National Broadcasting Corporation) engagiert. Dort sollte er endlich regelmässig und ernsthaft Trompetenunterricht bekommen, und zwar von Benny Baker, dem damaligen Solotrompeter des von Arturo Toscanini dirigierten NBC Sinfonie Orchesters. Diese fruchtbare Arbeit dauerte einige Jahre.

Doc Severinsen

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Benny Baker war es, der den jungen Virtuosen überzeugen konnte, dass «es von kapitaler Wichtigkeit ist, die Mundwinkel zu fixieren, während die Mitte der Lippen geschmeidig und entspannt bleibt», und er schaffte es auch, dass Doc endlich die Übungen und Etüden übte (Charlier, Saint-Jacome, Arban usw.). Dies ist der Schlüssel seiner fantastischen Technik. Später begegnete er Lennie Morrisson, einem Atomphysiker, der Geige spielte und nach einem Unfall zur Trompete wechselte. Lennie brachte ihm bei, die Luft korrekt zu komprimieren um die nötige Energie für die Kontrolle des hohen Registers zu erhalten. Neben ihm im Orchester gibt ihm auch Ray Crisera wertvolle Ratschläge. Durch alle diese Einflüsse entwickelt sich die Meisterschaft Docs, dessen Stil von nun an Schule machen sollte.

Immer häufiger tritt er als Solist auf, und zahlreiche Komponisten schreiben ihm Konzerte «auf den Leib» (Werle, Lovelock, Fischer-Tull, Jeff Tirsik, Vizzutti, Bilek, usw.). Seine Programme bestehen in der Regel aus «klassischen Amerikanern» für den ersten Teil und Jazz- und Unterhaltungsmusik im zweiten Teil. Er spielt eine alte amerikanische B-Trompete mit einem Mundstück, das ihm Bob Reeves in Los Angeles gedreht hat (mittlere Bohrung).

«Tonight Show»

1958 etwa beginnt er an dieser Sendung mitzuwirken, die noch heute alle Rekorde an Langlebigkeit und Popularität schlägt. Er dirigiert die Big Band der Sendung, spielt als Solist, empfängt die Gäste und moderiert die Bühne vor Millionen treuer Fernsehzuschauer. Er wird einer der grossen Stars des Landes. Daneben wird er immer mehr als Solist angefragt, um mit Orchestern von Colleges oder Universitäten aufzutreten. Alle seine Wochenenden — seine einzige Freizeit — sind diesen Sprüngen durch das ganze Land reserviert: «Flugzeug - Probe - Konzert».

Von 1963 an beginnen auch die Sinfonieorchester ihn als Solisten zu umwerben: London, Chicago, Baltimore, Cleveland, Cincinnati, Pittsburgh, San Diego, Dallas, Milwaukee, Minneapolis, Denver... ein ruhmreicher Reigen!

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Fünfundzwanzig Platten

Doc Severinsen hat ungefähr zwei Dutzend Schallplatten aufgenommen (darunter eine, Anfang der achtziger Jahre mit dem London Philharmonic Orchestra, mit zwei grossen zeitgenössischen amerikanischen Konzerten, die an einem Wochenende in London geprobt und aufgenommen wurden, inklusive Reise...).

Alle diese Aufnahmen beweisen seine erstaunliche Virtuosität, seine einmalige Leichtigkeit. Trotzdem ist es sehr schwierig, wenn nicht gar unmöglich, diese Platten auf dem gegenwärtigen Markt zu erhalten. Wie soll man sich erklären, dass ein so berühmter Musiker, der ausserdem so ausserordentlich geschäftstüchtig ist, so schlecht vermarktet wird? Unnötig zu fragen, dies ist eines des Geheimnisse, der Widersprüche dieser Persönlichkeit. Doc Severinsen ist nicht absolut überzeugt von der Qualität seiner Platten. Dieser Bühnenprofi, dieser Superstar, der täglich vor Millionen von Menschen auftritt, pflegt eine seltsame Zurückhaltung gegenüber seinen Platten («Ich habe nie genug Zeit gehabt, um sie auszufeilen, wie es nötig gewesen wäre, ich will sie nicht mehr hören!» gesteht er.) Er tut nichts, um sie zu vermarkten oder neu aufzulegen. Schade für die vielen tausend Bewunderer...

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Immer auf dem Sprung

Doc ist ein Künstler, der die Bühne förmlich versengt, die Gegenwart interessiert ihn, und er braucht dauernd Neues, um den Geschmack am Leben zu behalten.

1980, auf dem Gipfel seines Ruhmes, gründete er «Xebron», ein modernes Jazz-Quintett, eine Formel, die er schon lange besser kennenlernen wollte. Das Gerüst seines Stils besteht in der Bewunderung, die er für Harry James, Louis Armstrong, Dizzy Gillespie, Raphaël Mendez, Clark Terry, Benny Baker, Bill Vacchiano, Adolph Herseth, Maurice André und noch viele andere hegt. All diese Einflüsse haben dazu beigetragen, aus ihm das zu machen, was er ist.

Heute

Doc Severinsen hat seine Karriere mit eisernem Willen aufgebaut. Er übt täglich, immer noch, pflegt seine körperliche Kondition (Laufen und Gewicht heben), pflegt die Genüsse der Tafel (vor allem der italienischen Küche) und trinkt nie Alkohol. Er lebt in seinem wunderschönen Besitz (Nichols Canyon, Los Angeles), mit seiner Frau Emily Marshall, die für das Fernsehen schreibt.

Als passionierter Pferdeliebhaber besitzt er einen eigenen Rennstall und vermarktet diesen. Ebenso besitzt er eine grosse Sammlung von Bildern amerikanischer Maler.

Brass Bulletin 55, III / 1986 Seiten 58–63

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