Immer häufiger tritt er als Solist auf, und zahlreiche Komponisten schreiben ihm Konzerte «auf den Leib» (Werle, Lovelock, Fischer-Tull, Jeff Tirsik, Vizzutti, Bilek, usw.). Seine Programme bestehen in der Regel aus «klassischen Amerikanern» für den ersten Teil und Jazz- und Unterhaltungsmusik im zweiten Teil. Er spielt eine alte amerikanische B-Trompete mit einem Mundstück, das ihm Bob Reeves in Los Angeles gedreht hat (mittlere Bohrung).
«Tonight Show»
1958 etwa beginnt er an dieser Sendung mitzuwirken, die noch heute alle Rekorde an Langlebigkeit und Popularität schlägt. Er dirigiert die Big Band der Sendung, spielt als Solist, empfängt die Gäste und moderiert die Bühne vor Millionen treuer Fernsehzuschauer. Er wird einer der grossen Stars des Landes. Daneben wird er immer mehr als Solist angefragt, um mit Orchestern von Colleges oder Universitäten aufzutreten. Alle seine Wochenenden — seine einzige Freizeit — sind diesen Sprüngen durch das ganze Land reserviert: «Flugzeug - Probe - Konzert».
Von 1963 an beginnen auch die Sinfonieorchester ihn als Solisten zu umwerben: London, Chicago, Baltimore, Cleveland, Cincinnati, Pittsburgh, San Diego, Dallas, Milwaukee, Minneapolis, Denver... ein ruhmreicher Reigen!
Doc Severinsen
Fünfundzwanzig Platten
Doc Severinsen hat ungefähr zwei Dutzend Schallplatten aufgenommen (darunter eine, Anfang der achtziger Jahre mit dem London Philharmonic Orchestra, mit zwei grossen zeitgenössischen amerikanischen Konzerten, die an einem Wochenende in London geprobt und aufgenommen wurden, inklusive Reise...).
Alle diese Aufnahmen beweisen seine erstaunliche Virtuosität, seine einmalige Leichtigkeit. Trotzdem ist es sehr schwierig, wenn nicht gar unmöglich, diese Platten auf dem gegenwärtigen Markt zu erhalten. Wie soll man sich erklären, dass ein so berühmter Musiker, der ausserdem so ausserordentlich geschäftstüchtig ist, so schlecht vermarktet wird? Unnötig zu fragen, dies ist eines des Geheimnisse, der Widersprüche dieser Persönlichkeit. Doc Severinsen ist nicht absolut überzeugt von der Qualität seiner Platten. Dieser Bühnenprofi, dieser Superstar, der täglich vor Millionen von Menschen auftritt, pflegt eine seltsame Zurückhaltung gegenüber seinen Platten («Ich habe nie genug Zeit gehabt, um sie auszufeilen, wie es nötig gewesen wäre, ich will sie nicht mehr hören!» gesteht er.) Er tut nichts, um sie zu vermarkten oder neu aufzulegen. Schade für die vielen tausend Bewunderer...
Immer auf dem Sprung
Doc ist ein Künstler, der die Bühne förmlich versengt, die Gegenwart interessiert ihn, und er braucht dauernd Neues, um den Geschmack am Leben zu behalten.
1980, auf dem Gipfel seines Ruhmes, gründete er «Xebron», ein modernes Jazz-Quintett, eine Formel, die er schon lange besser kennenlernen wollte. Das Gerüst seines Stils besteht in der Bewunderung, die er für Harry James, Louis Armstrong, Dizzy Gillespie, Raphaël Mendez, Clark Terry, Benny Baker, Bill Vacchiano, Adolph Herseth, Maurice André und noch viele andere hegt. All diese Einflüsse haben dazu beigetragen, aus ihm das zu machen, was er ist.
Heute
Doc Severinsen hat seine Karriere mit eisernem Willen aufgebaut. Er übt täglich, immer noch, pflegt seine körperliche Kondition (Laufen und Gewicht heben), pflegt die Genüsse der Tafel (vor allem der italienischen Küche) und trinkt nie Alkohol. Er lebt in seinem wunderschönen Besitz (Nichols Canyon, Los Angeles), mit seiner Frau Emily Marshall, die für das Fernsehen schreibt.
Als passionierter Pferdeliebhaber besitzt er einen eigenen Rennstall und vermarktet diesen. Ebenso besitzt er eine grosse Sammlung von Bildern amerikanischer Maler.