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Ungarn-Spezial

Barcs 1984

Erster internationaler Wettbewerb für Blechbläserensembles

Barcs 1984

Man muss schon fest entschlossen sein, um zu wagen, die Musiker aller Länder zusammenzurufen zu einem internationalen Wettbewerb für Blechbläserensembles, und das in einer kleinen ungarischen Stadt an der jugoslawischen Grenze.

Vendel Bauer, Direktor der Musikschule von Barcs, war der Initiant und Organisator dieser ersten Begegnung.

Sie wurde zu einem Erfolg, den alle Teilnehmer empfanden, und fand die Anerkennung der ungarischen musikalischen Autoritäten (die eine wichtige Delegation entsandt hatten) sowie der Gemeinde von Barcs, die eine wichtige administrative und finanzielle Hilfe leistete.

24 Ensembles aus 18 Ländern traten auf das Podium einer Ganz neuen Sporthalle, die für diesen Zweck in einen Konzertsaal umfunktioniert wurde. Barcs, eine ganz junge Stadt, eben erst dem Bauerndorf entwachsen, trat seinen Gästen im Sonntagsstaat entgegen. Der Enthusiasmus und die Freundlichkeit liessen schnell die kleinen Probleme vergessen, die auftraten (die Hotelinfrastruktur ist noch nicht ganz eingespielt). Die treffliche Tischkultur und die erstaunlichen Weine der Gegend trugen sehr zu einem angenehmen Aufenthalt bei.

Die Überlegenheit der einheimischen Ensembles war evident und logisch: Ungarn fördert systematisch die Kammermusik für Blechbläser.

Man bedauert trotzdem, dass die Jury das erstaunliche Quintett des Moskauer Konservatoriums (vorbereitet von Prof. Leonid Tchumov) und das Gabrieli-Quintett aus Karlsruhe, von den Gebrüdern Friedrich geleitet, das durch ein raffiniertes und musikalisches Spiel hervorstach, nicht zum Final zuliess.

Das Schlussresultat (siehe Kasten) ist aber nicht das wichtigste Element dieses musikalischen Wettstreites. Was auf der Hand liegt, ist, dass das Niveau aller Teilnehmer von der bewundernswerten Arbeit zeugt, die diese junge Generation von Musikern leistet.

Am Ende des Wettbewerbes wurde offenbar, dass die Blechbläser auf dem Weg zu einer ernsthaften Meisterschaft in der Kammermusik sind, die z.B. die Streicher schon lange kennen.

Durch die Entwicklung eines interessanten Repertoires, durch fruchtbare Kontakte mit Komponisten, und vor allem durch eine noch sensiblere und differenziertere Ausführung der Kammermusik werden die Blechbläser ein grosses kulturelles Betätigungsfeld und eine nicht zu unterschätzende Verdienstquelle finden.

Bravo, Barcs für diese Pionierarbeit¹, und Treffpunkt 1.-14. August 1986 für die zweite Ausgabe, mit u.a. Philip Jones.

Frigyes Varasdy dirigiert die eigens vom ungarischen Komponisten Frigyes Hidas geschriebene Eröffnungsfanfare.

Frigyes Varasdy dirigiert die eigens vom ungarischen Komponisten Frigyes Hidas geschriebene Eröffnungsfanfare.

Resultate des Wettbewerbs:

Erster Preis:
Blechbläserquintett der Budapester Oper

Erster Preis in Barcs: Das Blechbläserquintett der Budapester Oper. Eine unbestrittene Meisterschaft, gepaart mit beeind...

Erster Preis in Barcs: Das Blechbläserquintett der Budapester Oper. Eine unbestrittene Meisterschaft, gepaart mit beeindruckender Kraft.

Zweiter Preis:
Hornquartett der Budapester Musikakademie

Hornquartett der Musikakademie von Budapest — 2. Preis.Tamas Csurgo, Laszlo Kreka, Eniko Fojto, Zoltan Varga.

Hornquartett der Musikakademie von Budapest — 2. Preis.
Tamas Csurgo, Laszlo Kreka, Eniko Fojto, Zoltan Varga.

Dritter Preis:
Blechbläsersextett der Budapester Musikakademie

Blechbläsersextett der Musikakademie Budapest — 3. Preis.Istvan Ujvari, Tibor Kiraly, Zoltan Bauer, Zoltan Horvath, Istv...

Blechbläsersextett der Musikakademie Budapest — 3. Preis.
Istvan Ujvari, Tibor Kiraly, Zoltan Bauer, Zoltan Horvath, Istvan Venekei, Ferenc Koczias.

Das Seminar für Blechbläserensembles.

Das Seminar besteht aus zwei Teilen: Das nationale Seminar, das jährlich stattfindet und den ungarischen Ensembles vorbehalten ist und das internationale Seminar, das alle zwei Jahre vorgesehen ist.

In beiden Fällen sind anerkannte Lehrkräfte an der Arbeit. Die Arbeitstage werden durch Konzerte gekrönt. Dieses Jahr hörte man das Quintett von Guy Touvron (blendend), das Modern Brass Ensemble aus Budapest, das Ensemble des Wiener Waldhornvereines, sowie das Budapester Blechbläserquintett (eindrucksvoll virtuos).

Gabrieli-Quintett Karlsruhe: bald und viel wird von diesem Ensemble gesprochen werden! Ein seltenes, feines musikalische...

Gabrieli-Quintett Karlsruhe: bald und viel wird von diesem Ensemble gesprochen werden! Ein seltenes, feines musikalisches Raffinement!

Leipzig Horn Quartet + Wiener Waldhornverein.

Leipzig Horn Quartet + Wiener Waldhornverein.

Triumph für Guy Touvrons Blechbläserquintett.

Triumph für Guy Touvrons Blechbläserquintett.

Die Kammermusikausbildung ist in Ungarn hervorragend organisiert. Das Blechbläserquintett Budapest III mit ihrem Lehrer...

Die Kammermusikausbildung ist in Ungarn hervorragend organisiert. Das Blechbläserquintett Budapest III mit ihrem Lehrer Istvan Farkas, dem Posaunisten des Budapest Blechbläserquintetts. Ein starker Eindruck in Barcs.

Das Budapester Blechbläserquintett, Preisträger des Maurice-André-Wettbewerbs 1979. Gross geworden, geben sie ihre Erfah...

Das Budapester Blechbläserquintett, Preisträger des Maurice-André-Wettbewerbs 1979. Gross geworden, geben sie ihre Erfahrung weiter. Hier nach ihrem Galakonzert in Barcs, wo ihre Virtuosität allen den Atem raubte.

¹ 1979 hatte Maurice André ebenfalls einen Ensemblewettbewerb parallel zu seinem Trompetenwettbewerb geschaffen. Das war eine Première in der professionellen Welt. Der damalige erste Preisträger war übrigens das «Renaissance»-Quintett, heute sehr bekannt unter dem Namen «Budapester Quintett».

Brass Bulletin 48, IV / 1984 Seiten 24–29

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