The David Short Brass Quintet. Stefano Aprile, Massimo Bartoletti, David Short, Renzo Brocculi, Carlo Ingrati.
Stefano Aprile: Vor zehn Jahren verdiente ein Musiker in Italien noch das Gehalt eines — sagen wir — Generals. Heutzutage muss er sich mit dem eines Hauptmanns zufrieden geben. Unsere Kaufkraft wird kleiner und kleiner. Es ist unmöglich, mit einem Orchestergehalt allein in Rom zu leben. Ich selbst befinde mich in einer bevorzugten Lage: ich bin Römer und stehe im Genuss der elterlichen Wohnverhältnisse. Aber ein Auswärtiger muss mit ernsthaften wirtschaftlichen Schwierigkeiten rechnen, wenn er dem Orchester beitritt. Er muss Zusatzarbeit leisten, Privatstunden geben, in einem Konservatorium unterrichten, Schwarzarbeit suchen, Kammermusik spielen usw. Die Tage werden kurz...
Massimo Bartoletti⁴: Mein Fall ist ebenfalls typisch. Ich spiele im Orchester und ich unterrichte, aber es ist mir nicht möglich, vom einen oder andern allein zu leben. Stellen Sie sich vor, unsere hohen kulturellen Instanzen haben sich «Lösungen» ausgedacht, die dem gesunden Menschenverstand zuwiderlaufen und dem gesamten berufsmusikalischen Leben in Italien den Todesstoss versetzen könnten: um mehr Berufsstellen zu schaffen, ziehen sie einfach in Betracht, die Verbindung «Orchester/Unterricht» zu verbieten. Wir kämen alle in eine Notlage... Unsere Gewerkschaften sind machtlos und schlecht strukturiert. Es gelingt ihnen nicht einmal, die elementarsten Gehaltsanpassungen zu erwirken.
Renzo Brocculi⁵: [bricht in schallendes Lachen aus] Meine Geschichte ist ganz einfach. Ich brauch Ihnen bloss meine wöchentliche Agenda anzugeben: Von Dienstag- bis Samstagsabend versehe ich meine Dienste im RAI-Orchester. Samstagnachts kehre ich nach Cesena zurück, wo ich zuhause bin — 350 km von Rom aus. Den Sonntag widme ich meiner Familie. Am Montag unterrichte ich im 70 km entfernten Konservatorium von Pesaro. Ich verlasse Pesaro gegen Dienstagmittag, um für die Probe um acht Uhr in Rom zu sein... und dies immer wieder von vorne!
Was verdient 1983 ein Musiker im RAI-Symphonie-Orchester in Rom?
- Junger Musiker am Anfang (1. Pult): ca. 800 000 Lire (ca. $ 500.00)
- Nach 30 Dienstjahren: ca. 1 300 000 Lire (ca. $ 840.00)
- Zweites Pult: ca. 700 000 Lire (ca. $ 400.00)
Wie man sieht, ist das Leben für diese Musiker nicht einfach. Aber sie sind glücklich, begeistert, Lebenskünstler. Sie bleiben Künstler, deren Grundnahrung die Musik ist, die ihnen im Blute liegt. Alle reckern sich ab wie die Teufel, um sich durchzusetzen. Welch eine Gesundheit!
Die «inkompetenten Autoritäten» können von grossem Glück reden, dass es in ihrem Volk Musiker gibt, für die die Musik um vieles wichtiger ist als soziales Wohlergehen!
Luciano Giuliani
Luciano Giuliani ist ein Hornist, der ganz unwahrscheinlich begabt ist. Er verbindet auf vollkommene Weise eine aussergewöhnliche Technik mit tiefgründiger Musikalität. 1945 wurde er in Forli geboren. Mit achtzehn erhielt er am Konservatorium G.B. Martini in Bologna sein Diplom «mit Einstimmigkeit». Für die Position des Solo-Hornisten brachte er den 1. Preis zahlreicher nationaler Wettspiele mit: Scala von Mailand, Theater der Oper von Rom. Im Augenblick ist er Solo-Hornist im RAI-Symphonieorchester und unterrichtet im St. Cäcilien-Konservatorium in Rom.
Das Neue Polyphonische Trompeten-Ensemble, Rom
Dieses neue Trompeten-Ensemble besteht ausschliesslich aus jungen und talentierten, italienischen Trompetern, die bei Maestro Sandro Verzari studiert haben. Dieser ist der Leiter des Ensembles. Er spielt als Co-Solist im RAI-Symphonieorchester in Rom.
Das gemeinsame musikalische Rüstzeug verleiht dem Ensemble eine eindrückliche, jedoch unerlässliche Homogenität des Klangs. Das N.P.T.E.R. präsentiert ein Programm mit Werken vom XVI. bis XIX. Jahrhundert und hofft auf diese Weise, die im italienischen Publikum noch stark verankerte Meinung zu beeinflussen, die Trompete sei eher ein militärisches als ein musikalisches Instrument.
In allen Regionen Italiens, wo es spielte, wurde dieses einzigartige Ensemble vom Publikum und von der Presse mit Begeisterung gefeiert. Gegenwärtig bereitet es eine kommerzielle Platte vor, die gegen Ende dieses Jahres erscheinen soll.
The New Polyphonic Trumpet Ensemble — Rome. Mauro Marcaccio, Patrizio Felici, Guido Pezzotti, Mario Colombi, Sandro Chicarella, Giuseppe Mascali, Roberto Pietrolini, Loreto Cardarelli, Giovanni de Cillis, Gianluca Impei, Marco Boncompagni, Carlo A. Campana. Direttore: Sandro Verzari.
Carlo Ingrati
Carlo Ingrati wurde 1947 in Falciano geboren. Er studierte bei Prof. R. Citro. Mitglied des RAI-Symphonieorchesters von Rom und des Blechbläser-Quintetts von David Short. In den Aufnahmestudios der Hauptstadt ist er sehr gefragt.