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Internationaler Trompetenwettbewerb, Budapest 1984
Finalisten des 22. Internationalen Musikwettbewerbs von Budapest — 1984: Jan Gustavsson (S) 2. Preis, Martin Schuster (DK) 2. Preis, Zoltan Kovács (H) 1. Preis, James O’Donnell (USA) Diplom, Geoffrey Payne (AUS) 1. Preis.
Nur selten sind sich bei den Ergebnissen eines Musikwettbewerbes alle einig. Vollends unmöglich wird dies, wenn das Niveau der Kandidaten relativ gleichmässig ist, wie dieses Jahr in Budapest.
Ehrlich gesagt: der grosse Solist, die Persönlichkeit, die wirklich über dem Durchschnitt ist, war nicht in Budapest.
Wie man beim Wein sagt, war es ein guter Jahrgang, was das etwas inflationäre Resultat erklärt (2 erste und 2 zweite Preise).
Warum aber wurden diese Preise verteilt — 2 erste, 2 zweite?
Das Resultat «Budapest 1984» soll man nicht mit anderen Jahren und anderen Wettbewerben vergleichen. Auch die Gewinner soll man nicht mit anderen, ehemaligen Preisträgern vergleichen. Sie haben ihre eigene Identität.
Die Preisträger müssen wissen: diese Preise sind eine Ermutigung, mehr und besser zu arbeiten, eine grössere musikalische Reife zu erreichen. Wenn die «Abgeschlagenen» das Schlussklassement ungerecht finden — an die Arbeit und auf zu neuen Zielen! Eine andere Jury, ein anderer Wettbewerb, eine andere Schar Kandidaten werden ihnen vielleicht zu einer neuen Chance verhelfen.
Geoffrey Payne — 1. Preis
Zoltan Kovács — 1. Preis
Preisträger: 1. Preis: Geoffrey H. Payne (Australien), Zoltan Kovács (Ungarn). 2. Preis: Jan Gustavsson (Schweden), Martin Schuster (Dänemark).
BRASS BULLETIN ist glücklich, hier die Meinung dreier grosser Meister der Trompete veröffentlichen zu können, die dem Wettbewerb beigewohnt haben: Timofey Dokshidser (Jury), Theo Mertens (Beobachter) und Philip Jones (Jury).
Timofey Dokshidzer
Timofey Dokshidzer
Am internationalen Trompetenwettbewerb in Budapest hatte ich die Gelegenheit, junge Bläser aus 20 Ländern zu treffen und einige neue Werke zu hören, so z.B. das Stück von Hidas. Mein Gesamteindruck: Das technische Niveau heute ist hoch, das musikalische Niveau weniger.
Weniger als die Hälfte der vierzig Teilnehmer spielten das Haydn-Konzert rhythmisch exakt, die meisten spielten die technischen Passagen zu rasch und die lyrischen Stellen zu langsam. Alle hatten Mühe mit dem hohen Des. Der dramatische Teil der «Légende» von Enesco wurde meist durch zu schnelle Ausführung von Leuten verbogen, die ihre Technik demonstrieren wollten. Manche Spieler waren unfähig, ihr Spiel planmässig zu gestalten, was zu mangelnden dynamischen Kontrasten führte.
Weitere Schwierigkeiten entstanden daraus, dass jeder Kandidat ein ganzes dreisätziges Werk auf der Piccolotrompete vortragen musste. Trompetenwechsel ist immer schwierig. Vielleicht ist es realistischer, auf der Piccolo nur ein kurzes Werk oder einen Satz zu verlangen. Dieses Instrument ist hoffähig geworden durch seinen Gebrauch durch weltbekannte Solisten — aber soll man richtigerweise von künftigen Orchestertrompetern verlangen, diesen nachzueifern?
Théo Mertens
Théo Mertens
Den Veranstaltern des Wettbewerbes gebührt ein Kompliment für die Organisation eines solchen internationalen Ereignisses. Es war dies eine neue Gelegenheit für die Trompeter aus aller Welt, einander zu begegnen, sich zu messen und das künstlerische Niveau des Trompetenspiels zu heben.
Ich danke den Veranstaltern, mich als Beobachter eingeladen zu haben. Es gelang ihnen, eine Atmosphäre der Freundlichkeit und der Herzlichkeit zu schaffen.
Der Erfolg des Wettbewerbs wird bestätigt durch die Tatsache, dass 45 Kandidaten auf der Bühne der Franz-Liszt-Akademie auftraten. Die in BRASS BULLETIN erschienenen Anzeigen waren bestimmt massgeblich daran beteiligt.
Der Wettbewerb
Erste Ausscheidungsrunde (43 Kandidaten)
In der ersten Runde spielten 43 Kandidaten das Konzert in Es-Dur von Joseph Haydn und ein zeitgenössisches Werk nach freier Wahl. Elf Kandidaten wählten «Légende» von Enesco und die meisten anderen traditionelle Werke von oft ungenügendem Schwierigkeitsgrad. Ich glaube, die jungen Trompeter sollten mehr Wagemut und Geschmack bei der Auswahl ihres Repertoires zeigen.
Mit dem Haydn-Konzert entdeckten wir den effektiven Wert und die tatsächliche Dimension der Kandidaten. Einige häufige Fehler: zuviel technische Probleme, zu rasche Tempi (schnelle Passagen verpfuscht). Auch könnte man viel über die Kadenzen sagen, die oft von zweifelhaftem Geschmack waren und sich musikalisch weit vom Werk entfernten. Meiner Meinung nach müsste viel an der Interpretation gearbeitet werden. Viel Kandidaten konnten mit ihren Noten nichts anfangen.
Halbfinal (17 Kandidaten)
Auf dem Programm standen die Konzerte von Tartini oder Stölzel sowie eines der drei eigens für den Wettbewerb komponierten ungarischen Werke (Hidas, «Trumpet Fantasy»; Lendway, «Senza sordino» und Szöllözy, «Suono di tromba»).
Die auffälligste Erscheinung in diesem Halbfinal war die Anwesenheit von fünf rotchinesischen Trompetern. Ich kannte diese Trompetenschule nicht.
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Brass Bulletin 48, IV / 1984 Seiten 30–37
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