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Internationales Magazin für Blechbläser

Brass Bulletin 33, I / 1981 (Seite 13–16) · 5 Min. Lesezeit
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Das erste europäische Horn-Symposium

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Das erste europäische  Horn-Symposium

Das langersehnte erste Europäische Horn-Symposium fand vom 17. bis zum 24. August 1980 in der Bundesakademie für musikalische Jugendbildung in Trossingen (BRD) statt.

Ich war einer der 150 Teilnehmer, von denen laut Programm 1/4 aus den USA oder andern überseeischen Ländern, 1/4 aus 15 europäischen Staaten und die Hälfte aus der BRD stammten. Englisch war als Konferenzsprache mit Deutsch gleichberechtigt, da gewiss 3/4 der Teilnehmer Englisch als Mutter- oder Zweitsprache beherrschten.

Die Liste der Gastsolisten und Dozenten war nicht enden wollend, wenn auch überraschungsarm, fand man doch nur wenige Namen von Musikern, die nicht schon bei früheren Hornistentreffen dabeigewesen wären. Es war zu erfahren, dass die Internationale Horngesellschaft (deren Beziehung zum Symposium nicht klar war) in Zukunft mehr Einfluss auf die Auswahl der Solisten und Referenten nehmen will, damit weniger bekannte, regionale oder jüngere Talente in den Programmen vermehrt zum Zuge kämen.

Bisher haben alle Veranstalter ihre Mannschaftsaufstellung selbst gewählt und es dabei natürlich auf die ganz grossen Namen als Zugpferde abgesehen. Das mag einerseits beruhigend sein, doch werden andererseits die Ereignisse dadurch immer voraussehbarer. Zum Beispiel: wir sind ja alle in Frøydis Ree Wekre und ihr sagenhaftes Spiel verliebt, doch ist sie wirklich die einzige Hornistin auf diesem Niveau?

Prof. Michael Höltzel, der Tagungsleiter, hatte eine ebenso risikolose wie imposante Garnitur von Horn-Superstars aufgeboten, die, wie er in seiner Eröffnungsrede bekanntgab, samt und sonders ohne Gage auftraten (?!), was ermöglichte, den Kurspreis — alles inbegriffen — auf nur 370 DM für sechs Tage anzusetzen.

Und welche sechs Tage! Da ging's um 7:30 Uhr aus den Federn, um nach dem Frühstück den Bus vom Hotel zur Bundesakademie zu kriegen, wo sich dann bis 11 Uhr die Vorlesungen, Rezitale, Hornensembles, Meisterkurse und Konzerte Schlag auf Schlag folgten. Ins Bett zurück sank man dann so um Mitternacht (im Fall der englischen Delegation gegen 3 oder 4 Uhr).

Wenn es freie Momente gab, dann nahm man die Gelegenheit wahr, Hörner von Paxman, Finke, Otto, Alexander, Schmidt und Ganter auszuprobieren oder in den von Köbl, McCoy und Pizka aufgelegten Musikalien zu stöbern.

Doch noch interessanter und lohnender als all dies war die Möglichkeit, so viele neue Bekanntschaften zu schliessen und so viele grossartige Hornisten aus nächster Nähe kennenzulernen. Die «grossen Tiere» zeigten sich stets zugänglich, hilfsbereit und freundlich, und es war beinahe erleichternd, festzustellen, dass auch sie Wesen aus Fleisch und Blut sind, mit gar nicht so anderen Stärken und Schwächen, Hoffnungen und Träumen als wir.

Ich weiss noch, wie Ib Lanzky-Otto sich über eines seiner technischen Probleme ausliess — natürlich gefolgt von einer lupenreinen Demonstration ebendieser Technik. Hm-hm.

Unmöglich, über alles Gebotene zu berichten, ohne die ganze Nummer zu füllen. Ich muss mich deshalb mit ein paar repräsentativen Ereignissen und Namen begnügen.

Peter Damm und Hermann Jeurissen hielten (bereits in The Horn Call erschienene) Vorträge über die Mozart-Konzerte. Damm postulierte auf Grund bestehender Fragmente, dass Mozart sieben Hornkonzerte konzipiert hatte.

Jeurissen ging noch weiter und erläuterte seine Rekonstruktion des ersten Satzes von Mozarts fünftem Hornkonzert nach einem Bruchstück. Einzelheiten der Rekonstruktion mögen diskutabel sein, aber soviel steht fest: der Satz klingt tatsächlich sehr nach Mozart, die Musik ist schön, und ihre Ausführung durch Jeurissen (mit Orchester) war exquisit.

Hat jemand noch mehr Fragmente für den jungen Mann?

Eine recht erhitzte Podiumsdiskussion, in der aber jedermann auf derselben Seite stand, betraf den Gebrauch des Diskanthorns (einschliesslich des B/hoch F-Doppelhorns, nehme ich an). Man war sich einig darin, dass die Hauptgefahr des Diskanthorns in der Versuchung liegt, es auch ausserhalb der höchsten Lagen und der dafür geeigneten Stilbereiche zu verwenden, und dass man bei Überverwendung sein Selbstvertrauen gefährdet. Auch gaben fast alle zu, eins zu besitzen.

Die vielleicht vernünftigsten Worte in dieser Sache sprach, in einer späteren Vorlesung über das Naturhorn, Hermann Baumann. Er nannte legitim, was immer im Dienst der Musik steht. Die Musik, nicht das Werkzeug, hat den Vorrang.

Sodann geht es nicht an, das Diskanthorn zu verdammen oder bei Wettbewerben (wo z.B. Trompeter kleine Instrumente blasen) in willkürlicher und voreingenommener Weise zu verbieten. Nicht einmal Preisrichter, sagte er, bewerten unsere «Ausrüstung» Stück für Stück. Das musikalische Endergebnis zählt, nicht, wie man es erzielt.

Zum Schluss desselben Podiumsgespräches bat Michael Höltzel um Unterstützung für einen Aufruf an die Verleger, doch bitte die Hornstimmen in der ursprünglichen Stimmung zu belassen.

Die Verleger — berichtete Kurt Janetzky — pflegten darauf zu antworten, dass «die Amerikaner schuld» seien, da sie «keine Noten in Originalstimmung kaufen». Eine Neuheit für die amerikanischen Teilnehmer, die sich zu Hause unverzüglich ihre Notenwarte vorknöpfen wollen.

Was die Solodarbietungen anbetrifft, so waren wir zu einem wahren Ohrenschmaus geladen, oder einem musikalischen smorgasbord mit einer grossen Vielfalt von Klangfarben, Stilen, Interpretationen — für jeden etwas.

Um nur wenig zu erwähnen: Einmal mehr demonstrierte Frøydis Ree Wekre, wie perfekt sie Schwieriges memoriert und beherrscht, verbunden mit Tonschönheit und singender Phrasierung.

Und ich möchte wetten, dass Wagner seinen «Siegfriedruf» Gerd Seifert auf den Leib geschrieben hat, gäbe es da nicht eine kleine Diskrepanz in den Lebensdaten.

Nachdem Peter Damm das Quintett KV 407 beendet hatte, trennte ich mich von der Vorstellung, ich würde je schöneres Mozartspiel hören.

Bei Ferenc Tarjáni beeindruckte mich seine Fähigkeit, ein sonst nicht allzu hübsches Stück moderner Musik durchaus schön und genussreich wiederzugeben.

Douglas Hill schien pudelwohl zu sein, während er bei der Aufführung eigener Kompositionen stupende Virtuosität an den Tag legte. Seine Stücke halte ich für einige der interessantesten und genussreichsten zeitgenössischen Kompositionen für Horn, nur schon auf Grund einer emotionalen Aussage und Wirkung, wie sie in solcher Musik nicht oft zu finden und zu fühlen ist.

Nun muss ich aber noch Ärger loswerden: über die Bedingungen, unter denen die Solisten oftmals spielen mussten.

Gelegentlich störten Fernsehkameras, -beleuchtungen und -teams oder von draussen Mähmaschinen und Traktoren, doch die schlimmste Ablenkung kam — unglaublicherweise — von den zuhörenden Teilnehmern selbst.

Auch nach wiederholten Appellen von Dr. Berg (Direktor der Bundesakademie) und Michael Höltzel gab es noch welche, die weiterhin während der Darbietungen photographierten.

Beispiel: da erhebt sich, in den letzten zehn Sekunden eines Schlusssatzes, in der ersten Reihe direkt vor der Nase des Solisten ein junger Mann und ballert mit lautem SLR-Klick und grellem Blitz in den Schlusston rein.

Zugegeben, so schlimm wie 1976 in Montreux war es nicht, wo zusätzlich zu den Kameras laut geschwatzt und 200 Kassettengeräte beständig ein- und ausgeknipst wurden.

All den Trotteln, Barbaren und anderen Gefühllosen, denen Andenkenjagd über Rücksicht auf Solisten und Zuhörer geht, ein Pfui! Schämt euch! Geht mal in euch. Und wartet nächstes Mal mit Knipsen bis zum Applaus.

Buchstäblich der Höhepunkt der Woche war unser Ausflug auf die Burg Hohenzollern, ein Festungsschloss, das auf hohem Bergkegel thront, wo wir dieselbe Aussicht und denselben spektakulären Sonnenuntergang geniessen durften wie einst die königlichen Hohenzollern.

Fürstlich war auch die uns gebotene Musik (und in der Tat gab uns Prinz Ludwig Ferdinand die Ehre), wobei sich zuerst im Hof Höltzels Detmolder Horngruppe und Peter Damm auf dem Alphorn produzierten, darauf im reichverzierten Grafensaal fünf junge Bläser zwischen 17 und 23: Jakob Slagter, Matthias Berg, Kerstin Künkele, Radovan Vlatković und Bruno Schneider.

Sie spielten mit Glanz und Gloria, mit Leichtigkeit und Sicherheit.

Zum Schluss des Programms spielte ein Ensemble aus etwa einem Dutzend der weltbesten Hornisten Karl-Heinz Köpers Coup des Cors (Burleske für zwölf Hörner), gefolgt von Alan Civils noch unverschämterer Bearbeitung der Egmont-Ouvertüre für «eine Menge Hörner».

Da spielten Virtuosen verrückt, und jeder hatte seinen Spass dran.

Danach ein kaltes Büfett mit zu wenig belegten Broten und zuviel Wein — doch Schwamm darüber...

Alles in allem, eine lohnende, wenn auch ermüdende Woche.

Gewiss wird viel von dem in den Vorlesungen Gehörten und Gelernten wieder aus dem Gedächtnis verblassen, doch das ist bei solchen Zusammenkünften ohnehin nicht so wichtig.

Der Hauptgewinn aus dieser und jeder Tagung ist das wärmende Gefühl, das zurückbleibt, nachdem man so viele Freundschaften mit interessanten Leuten aus aller Welt, ob Solisten oder Kursteilnehmer, geschlossen oder erneuert hat.

Die kurze Woche voller Klänge, Kontakte und Spass gab der Begeisterung für unser Instrument und seine Literatur neuen Auftrieb und wird noch lange nachklingen.

Ich beneide die Leute, die alljährlich an so einem Kurs teilnehmen können.

Es verlautete etwas über ein Symposium in Avignon nächstes Jahr, mit Daniel Bourgue als Gastgeber, Où est mon livre de grammaire française ?

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