Brass Bulletin Nr. 48
IV / 1984
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Brass Bulletin Nr. 48
IV / 1984
Inhaltsverzeichnis
Vorwort
Jean-Pierre Mathez
arbe hält im Brass Bulletin Einzug, während das fünfzigste Heft näher rückt und Jean-Pierre Mathez über Treue, Leser und Wandel nachdenkt.
Edna White
Eine Frau und ein Leben im Dienst der Trompete
Michel Laplace
Als das Kornett noch dominierte, machte Edna White die Trompete zur Solostimme und prägte Konzertsaal, Rundfunk, Schallplatte und neues Repertoire.
Einige Wege zur Verbesserung der Lippenentwicklung bei Blechbläsern
Sergej Gorovoj
Blechbläser greifen auf die Sportmedizin zurück: Sowjetische Elektrostimulation, Akupunktur und Massage sollen Lippen kräftigen und Überlastung beheben.
Ungarn-Spezial
Vorwort
Ungarn-Spezial
Jean-Pierre Mathez
Ungarns Blechbläserwelt gewinnt durch Organisation, internationalen Austausch und musikalischen Ehrgeiz eine kulturelle Dynamik, die weit über das Land hinausreicht.
Ungarn-Spezial
Barcs 1984
Erster internationaler Wettbewerb für Blechbläserensembles
Jean-Pierre Mathez
Eine kleine ungarische Stadt wurde zum Prüfstein der Blechbläserkammermusik, wo eine junge Generation zeigte, wie weit sich die Praxis entwickelt hatte.
Ungarn-Spezial
Internationaler Trompetenwettbewerb, Budapest 1984
Timofey Dokschidser, Philip Jones, Théo Mertens
Budapest 1984 zeigte die Kluft zwischen technischer Brillanz und musikalischer Reife, während drei bedeutende Trompeter den Sinn des Wettbewerbs hinterfragten.
Ungarn-Spezial
Die musikalische Ausbildung der Blechbläser in Ungarn
Jean-Pierre Mathez
Höchste Ausbildungsqualität, sichere Stellen und bescheidene Löhne prägten eine ungarische Blechbläserwelt voller bemerkenswerter Gegensätze.
Ungarn-Spezial
Der Bienenstock
Das nationale ungarische Musikzentrum
Jean-Pierre Mathez
In Budapest vereinte ein einziges Haus Proberäume, Verlage, Schallplatten, Konzertveranstalter und Verbände – ein Knotenpunkt des ungarischen Musiklebens.
Ungarn-Spezial
Die Blechbläserkammermusik in Ungarn
Frigyes Varasdy
Der ungarische Musiker und Pädagoge wurde 1930 geboren. Er war Schüler von Imre Lubik an der Franz-Liszt-Musikakademie. Seit 1963 unterrichtet er an diesem Institut.Seit mehr als 30 Jahren hat er mit ungarischen Spitzenorchestern gespielt. Er ist Gründungsmitglied des ungarischen Blechbläserquartetts. Ausserdem unterrichtet er Kammermusik für Blechbläser an der Akademie und im Musiklager von Barcs. Er hat auch verschiedene Werke veröffentlicht: Anfänger Trompeten- und Kammermusik, Kammermusikliteratur usw.Die Ungaren liessen sich zur Zeit der Völkerwanderung um 986 in ihrer heutigen Umgebung am Fusse der Karpaten nieder. Trotzdem gibt es musikalische Überlieferungen aus jener Gegend lange vor dieser Zeit. Beim Plattensee wurde ein Haus aus der Bronzezeit ausgegraben, etwa 2000 v. Chr., unter dessen zahlreichen Fundgegenständen sich auch ein schneckenförmiges Muschelhorn befand. Dies und zwei andere in Ungarn aufgefundene Schneckenhörner sind die ältesten im Lande aufgefundenen Verwandten der Blechblasinstrumente.In der Römerzeit wurden in unserem Land viele Städte und Garnisonen gegründet, die während der letzten 50 Jahre laufend ausgegraben wurden. Eine der Entdeckungen war eine perfekt erhaltene römische Tuba, die heute im Budapester Nationalmuseum ist. Neben diesen Musikinstrumentenfunden bezeugen auch geschriebene Dokumente dass die Ungaren schon in der Völkerwanderungszeit Blechblasinstrumenten-ähnliche Instrumente verwendeten. Nach der Besetzung ihres neuen Landes marodierten sie weiter westwärts und kamen 926 bis St. Gallen südlich des Bodensees. Dies erzählt der Chronist über die Ungaren: «Ihre Vorhut und Kundschafter signalisierten mit Claironsignalen und Schüssen, dass Feinde in der Gegend seien.» Auch: «Nachdem sie das Kloster niedergebrannt hatten, hörten die Ungaren mit dem Hornlärm auf, beendeten ihr Kriegsgeschrei und zogen ab…» Dies beweist, dass die Ungaren schon während der Völkerwanderung Blechblasinstrumente benutzten.Viele Informationen sind uns aus den folgenden Jahrhunderten überliefert über die Verwendung der Blechblasinstrumente durch die Ungaren zu Kult- und Kriegszwecken — wie es ja auch die westeuropäischen Völker zu jener Zeit zu tun pflegten. Ein Inventar des Klosters Pannonhalma aus dem 11. Jahrhundert führt zwei Hörner aus Silber auf, eines davon vergoldet. Im Gebetbuch der heiligen Elisabeth von Ungarn aus dem 12./13. Jhdt. findet sich eine Miniatur, die ein zeitgenössisches Orchester zeigt. Eines der fünf abgebildeten Instrumente ist ein Horn. Vom 14. Jhdt. an teilten sich die Funktionen der Trompeter allmählich in Hof- und Militärmusik auf. Sozialstatus und Arbeit dieser Trompeter war gleich wie in Westeuropa. Deshalb möchte ich hier nicht weiter ins Detail gehen und bloss eine kleine illustrative Anekdote aus jener Zeit erzählen: Anlässlich der Hochzeitszeremonie von König Mathias und Beatrix von Arragonien wird viel von Trompetern berichtet. Interessanter aber ist noch, dass Königin Beatrix ihren eigenen Lieblingsposaunisten aus Neapel mitbrachte, der plötzlich am Weihnachtsabend verstarb. Er wurde mit grossem Pomp in Buda begraben, und seine Posaune und seine Lieblingsblasinstrumente wurden auf seinem Katafalk aufgebahrt.Blasorchester entwickelten sich aus den Trompetenensembles der Armee. Von Blechbläserkammermusik spricht man in unserem Land erst seit 1948. Damals begann mein leider frühverstorbener Lehrer, der Trompetenkünstler Imre Lubik, seine Versuche. Erst heute, dreissig Jahre später, können wir seine Weitsicht richtig einschätzen, dass er, obwohl von der Welt abgeschnitten, die Wichtigkeit der Kammermusik erfasste und versuchte, sie auf unsere Instrumente zu übertragen. Sein Ensemble war das erste Blechbläser-Kammerensemble unseres Landes. Sein Enthusiasmus teilte er auch seinen Schülern mit, welche seine Arbeit dann weiterführten.
Ungarn-Spezial
Die schönsten instrumenten des Nationalmuseums und des Militärmuseums
Jean-Pierre Mathez
Römische und barocke Trompeten, Prunkinstrumente und Militärbilder verbinden sich in Budapester Sammlungen zu Zeugnissen aus vielen Jahrhunderten.
Ungarn-Spezial
Die Trompeten des ungarischen Nationalmuseums Budapest
Leo Kappel
Vier wenig bekannte Trompeten in Budapest werfen Licht auf Wiener Instrumentenbau, historische Stimmung und die fragile Überlieferung musealer Instrumente.
Vom Krummhorn
Aus Pierre Trichets Traité des Instruments de Musique (um 1640)
Pierre Trichet
Im 17. Jahrhundert verbindet der Tournebout römischen Lituus, Alphörner, Rohrblätter, Grifflöcher und Klappen zu einer überraschenden Instrumentenfamilie.
Zur Rezension von Schallplatten
Ist Kritik konstruktiv? Ist eine «objektive» Kritik möglich?
Uwe Wolf
Wo Geschmack und Gefühl die Plattenkritik bestimmen, droht Beliebigkeit; Uwe Wolf fordert stattdessen eine Interpretation, die sich begründen und diskutieren lässt.
Die Erfinderecke
Das eigene Mundstück formen
Ninck Blok
Eine winzige Veränderung am Mundstückrand stellt die übliche Form infrage und soll die Oberlippe entlasten, ohne Flexibilität, Attacke oder Kontrolle zu opfern.