Machen Sie Brass Bulletin an Ihrer Hochschule, Ihrem Konservatorium oder Ihrer Bibliothek verfügbar Institutionellen Zugang entdecken

4 Min. Lesezeit

Teil 1

Jazz Improvisation

Dur-Tonleiter

Jazz Improvisation

Einleitende Bemerkungen

Thomas Stevens: In meinem einführenden Artikel über Ihre Arbeit als Lehrer der Jazz Improvisation (BRASS BULLETIN 57) wurden die Leser informiert, dass grundlegende Kenntnisse der Musiktheorie notwendig sind (Dur- und Molltonleitern, Intervalle und Dreiklänge) als Voraussetzung für das Studium Ihrer Methode. Möchten Sie zu Beginn dieser hoffentlich informativen Artikelserie noch etwas anderes sagen?

Charles Shoemake: Der Schüler sollte begreifen, dass es grundsätzlich zwei Wege, Jazz zu spielen, gibt. Der eine besteht darin, nach dem Gehör zu spielen ohne genaue Kenntnisse von Tonleitern und Dreiklängen, während der andere darin besteht, nach dem Ohr zu spielen mit solchen Kenntnissen. Beide Wege haben erfolgreiche Interpreten hervorgebracht, aber ich ziehe den zweiten Weg vor, da er auf lange Sicht eine solidere Basis für das musikalische Schaffen gibt. Auch wenn das Erlernen länger dauert und mehr Disziplin erfordert wird die Kenntnis aus einem solchen Studiengang den Schüler besser vorbereiten, fähig zu sein, sich neuen und manchmal schwierigeren Entwicklungen in dieser Kunstform anzupassen.

T.S.: Dies gesagt möchte BRASS BULLETIN, dass Sie Ihre Serie über Jazz Improvisation so beginnen, wie Sie es bei einem Studenten ohne jegliche Vorkenntnis in Jazz tun würden.

Wir beginnen unsere Studien mit einer sehr elementaren diatonischen Betrachtungsweise (fortgeschrittene Tonleitern und Dreiklänge werden später folgen).

Die Durtonleiter

Es gibt zwölf Durtonleitern mit je sieben Tonschritten. Vier leitereigene Akkorde können gebildet werden durch diatonisches Aufsteigen in der Tonleiter, indem man jeden diatonischen Tonschritt als Wurzel eines Akkordes benutzt (Beispiel 1).

Beispiel 1C-Dur Tonart

Beispiel 1

C-Dur Tonart

Der Schüler sollte dieses Beispiel ausschreiben und in alle Durtonarten transponieren. Die vier daraus resultierenden Akkordarten sind folgende: Der grosse Septakkord (maj. 7), der immer vom Grundton oder Wurzel aus gezählt, aus einer Schichtung grosser Terzen besteht; der kleine Septakkord (−7) der aus kleiner Terz, grosser Terz und kleiner Terz besteht; der Dominant-Septakkord (einfach mit 7 bezeichnet) der aus grosser Terz, grosser Terz und kleiner Terz besteht und der kleine Septakkord mit vertiefter Quint (−7 ⁵♭), den manche Musiker einen halbverminderten Akkord nennen (Ø). Es ist zu bemerken, dass die vier Akkordtypen in allen Tonarten gleich nummeriert werden (I=grosse Sept (maj. 7), II=kleine Sept (−7), usw. (Beispiel 2).

Beispiel 2

Beispiel 2

Intervallübung

Nun, da wir wissen, wie die vier Grundakkorde aufgebaut werden, begreifen wir die Wichtigkeit einer tatsächlichen Kenntnis der Intervalle. Ich habe eine Übung entwickelt, die dafür hilfreich sein sollte (Beispiel 3).

Tonart

A C F B♭ E♭ A♭ D♭ G♭ H E A D G

Stufe

B 1 ♯1 ♭2 2 ♯2 ♭3 3 4 ♯4 ♭5 5 ♯5 ♭6 6 ♭7 7 (1)

Der Schüler sollte seinen Daumen auf eine Zahl der Gruppe B setzen (Leiterstufennummern) dann soll er einen Finger auf einen der Buchstaben der Gruppe A (Tonarten) setzen. Die Aufgabe besteht darin, die richtige Stufe so schnell wie möglich zu finden. Z.B. ist die richtige Stufe, wenn der Daumen auf Nr. 6 steht und der Finger auf C in der oberen Gruppe, «A», denn dies ist die sechste Stufe in der C-Dur Leiter. Wenn der Daumen auf Nr. 4 steht und der Finger auf F, ist der richtige Ton «B», da er das Quartintervall von F aufsteigend ist. Man kann dieses Verfahren auch umkehren. Man kann z.B. den Finger auf B setzen und den Daumen auf die vertiefte Nr. 7 (♭7) der Gruppe darunter. Die richtige Stufe wäre «As». Diese Übung sollte geübt werden, bis kein Zögern mehr beim Erkennen jedes Intervalls in jeder der zwölf in der Tabelle aufgelisteten Tonarten mehr besteht.

Beziehungen zwischen Akkorden und Leitern

Es gibt keine Akkorde, weder einfache noch komplizierte, die nicht aus einer Art von Tonleiter hervorgehen. Deshalb ist die Fähigkeit, irgendeinen Akkord zu sehen und zu wissen, welche Tonleiter ihm entspricht, von enormer Wichtigkeit. Ich habe von den vier verschiedenen Typen von Grundakkorden in der Dur-Tonleiter gesprochen und den Positionen, welche sie darin einnehmen. Man sollte die Grundakkordstellungen auswendig lernen als ersten Schritt zur Kenntnis der Harmonielehre, die man zur Improvisation braucht (Tabelle).

  
C-dur 7(1. Akkord der C-dur Tonleiter; 4. Akkord der G-dur Tonleiter)
F-dur 7(1. Akkord der F-dur Tonleiter; 4. Akkord der C-dur Tonleiter)
B-dur 7(1. Akkord der B-dur Tonleiter; 4. Akkord der F-dur Tonleiter)
E♭-dur 7(1. Akkord der Es-dur Tonleiter; 4. Akkord der B-dur Tonleiter)
A♭-dur 7(1. Akkord der As-dur Tonleiter; 4. Akkord der E♭-dur Tonleiter)
D♭-dur 7(1. Akkord der D♭-dur Tonleiter; 4. Akkord der A♭-dur Tonleiter)
G♭-dur 7(1. Akkord der G♭-dur Tonleiter; 4. Akkord der D♭-dur Tonleiter)
H-dur 7(1. Akkord der H-dur Tonleiter; 4. Akkord der G♭-dur Tonleiter)
E-dur 7(1. Akkord der E-dur Tonleiter; 4. Akkord der H-dur Tonleiter)
A-dur 7(1. Akkord der A-dur Tonleiter; 4. Akkord der E-dur Tonleiter)
D-dur 7(1. Akkord der D-dur Tonleiter; 4. Akkord der A-dur Tonleiter)
G-dur 7(1. Akkord der G-dur Tonleiter; 4. Akkord der D-dur Tonleiter)

Dies bedeutet, dass wenn Sie einen grossen Septakkord in irgendeinem Musikstück sehen, haben Sie die Möglichkeit, aufgrund von zwei richtigen Dur-Tonleitern ihre Improvisation aufzubauen. Ich habe zwei Beispiele bekannter Jazzkünstler beigefügt, Art Farmer und Phil Woods, die zeigen, wie dies funktioniert (Beispiel 4). Farmer behandelt die grosse Sept von Des-Dur als Akkord der vierten Stufe von As-Dur, während Woods Töne benützt, die sowohl aus der G-Dur als aus der D-Dur Leiter über der grossen Sept zu G-Dur kommen.

Beispiel 4

Beispiel 4

Bis hierher wird einiges noch leicht abstrakt erscheinen, aber die Dinge werden sich hoffentlich mit fortschreitender Serie klären. Wer weiss? Vielleicht wird es auch noch verwirrender! Es fällt mir sehr schwer, ein System niederzuschreiben, das so sehr auf der Interaktion zwischen Lehrer und Schüler beruht, aber ich werde mein Bestes versuchen!

(Fortsetzung folgt)

Brass Bulletin 58, II / 1987 Seiten 13–16

Alle Inhalte sind urheberrechtlich geschützt © Brass Bulletin 1987–2026

Artikel teilen

Facebook LinkedIn
Wird geladen…

Fragen und Antworten

So funktioniert die digitale Ausgabe

Was enthält die digitale Ausgabe?

Die digitale Ausgabe vereint die bereits digitalisierten Artikel als lesbare und durchsuchbare Online-Texte – nicht nur als Scans oder PDF-Dateien – mit ihren ursprünglichen Abbildungen, Anmerkungen, Angaben zu Autoren und Ausgaben sowie den verfügbaren Übersetzungen. Empfehlungen verwandter Artikel umfassen derzeit nur dieses digitalisierte Material.

Sind die digitalen Artikel mit den Originalen identisch?

Wir bewahren den ursprünglichen Text, die Sprache, Abbildungen, Bildlegenden, Fußnoten und den redaktionellen Kontext so originalgetreu wie möglich. Die Darstellung wird für ein angenehmes Lesen am Bildschirm angepasst; offensichtliche Übertragungs- oder Scanfehler können korrigiert werden. Inhalt und Charakter des veröffentlichten Artikels bleiben unverändert.

Welche Sprachen sind verfügbar?

Brass Bulletin erschien während seiner gesamten Geschichte auf Englisch, Französisch und Deutsch. Italienische und spanische Übersetzungen kamen ab Ausgabe Nr. 60 hinzu.

Auf der italienischen und der spanischen Website werden die Artikel aus den Ausgaben 1 bis 59 daher standardmäßig auf Englisch angezeigt.

Wie oft werden neue Artikel hinzugefügt?

Neue Artikel werden fast täglich hinzugefügt; ungefähr eine vollständige Ausgabe wird pro Woche digitalisiert. Das Tempo kann je nach erforderlicher Vorbereitung, Bildbearbeitung und redaktioneller Prüfung variieren.

Warum sind noch nicht alle Artikel digital verfügbar?

Die vollständige Sammlung von Brass Bulletin umfasst 1’246 Artikel aus den Jahren 1971 bis 2003. Das vollständige Verzeichnis ist bereits online verfügbar und ermöglicht es, jeden Artikel der Sammlung zu entdecken – auch jene, deren vollständiger Text noch nicht digitalisiert wurde.

Die Digitalisierung begann im Februar 2026. Jeder Artikel wird sorgfältig für die Online-Lektüre aufbereitet, geprüft und mit seiner Ausgabe, den Autoren, Themen und Abbildungen verknüpft. Beim derzeitigen Digitalisierungstempo wird die vollständige Sammlung voraussichtlich bis Februar 2028 online verfügbar sein.

Warum verweisen manche Quellen auf Artikel, die noch nicht verfügbar sind?

Verweise in den Originalartikeln bleiben erhalten, auch wenn das Material, auf das sie hinweisen, noch nicht digitalisiert wurde. So bleiben die historischen und redaktionellen Zusammenhänge vollständig erhalten. Mit jeder weiteren digitalisierten Ausgabe werden mehr dieser Verweise zu online lesbaren Artikeln führen.

Kann ich einen Artikel vorschlagen oder einen Übertragungsfehler melden?

Ja. Wenn Sie einen bestimmten Artikel gerne digitalisiert sehen möchten oder einen möglichen Übertragungsfehler beziehungsweise eine fehlende Information entdecken, nehmen Sie bitte Kontakt mit uns auf. Rückmeldungen unserer Leser helfen uns, die digitale Ausgabe zu verbessern und sinnvolle Prioritäten im Archiv zu setzen.

Wie kann ich Brass Bulletin unterstützen?

Ihre Unterstützung hilft, die Aufbereitung, Überprüfung und Online-Veröffentlichung der vollständigen Sammlung zu finanzieren.

Digitalausgabe abonnieren

Möchten Sie uns lieber unterstützen, ohne ein Abonnement abzuschließen?

Spenden

Wie kommt die Digitalisierung voran?

Wir machen Brass Bulletin nach und nach online zugänglich, Artikel für Artikel. Neu digitalisierte Artikel können Sie lesen, sobald sie verfügbar sind – auch wenn die gesamte Ausgabe noch nicht fertig ist.

Unser Digitalisierungsplan zeigt die neuesten Ergänzungen und die voraussichtlichen Verfügbarkeitstermine der kommenden Ausgaben. Diese Schätzungen basieren auf unserem jüngsten Arbeitstempo und können sich ändern.

Brass Bulletin durchsuchen.