9 Min. Lesezeit
Reminiszenzen an modifizierte Drehventile
Patentierte Kuriositäten oder verpasste Chancen?*
Von Günter Dullat
Im Zusammenhang mit der Manuskriptausarbeitung für ein Fachbuch über den Metallblasinstrumentenbau ², musste ich zwangsläufig auch zahlreiche in- und ausländische Patentschriften durcharbeiten. Aus der Vielzahl der für den Blasinstrumentenbau vorliegenden Urkunden, habe ich für den folgenden Beitrag einige Schriften ausgewählt, die von den herkömmlichen Neuerungen in ihrer Art doch z.T. wesentlich abweichen. Obwohl es sich dabei durchweg um Erfindungen handelt, die keinen Eingang in den praktischen Metallblasinstrumentenbau gefunden haben, soll doch gerade durch sie einmal dargestellt werden, welche Ideen von Instrumentenbauern, Solisten und Amateuren ausgingen, um dem Bläser weitere Spielhilfen anzubieten. Im folgenden werden ausschliesslich Druckwerke vorgestellt, die in deutschen Patentschriften belegt sind.
C.W. Moritz
Einrichtung an Drehventilen für Blas-Instrumente
Pat. Nr. 176 - (1877)
Diese Patentschrift ist nach der Eröffnung des Kaiserlichen Patentamtes am 1.7.1877 die erste Urkunde für den Blasinstrumentenbau überhaupt.
Das Wesentliche dieser Neuerung besteht in einem unterschiedlichen Mechanismus des Antriebes zu den herkömmlichen Druckwerken. Während bei den bis dato üblichen Vorrichtungen eine Schubstange als Übertragungsmittel vom Drücker auf den Kolben üblich war, wird hier das Ventil über ein Zahnradsegment bewegt.
Die Abbildungen zeigen im einzelnen:
Fig. 1 einen Querschnitt durch das Ventil
Fig. 2 die Draufsicht
Fig. 3 die Seitenansicht mit vollständiger Büchse, Drückerstange und Zahnradsegment
Fig. 4 die Draufsicht eines Drückerteils mit Feder
Fig. 5 + 6 eine Trompete mit der neuartigen Vorrichtung
C.W. Moritz, Einrichtung an Drehventilen für Blas-Instrumente, Pat. Nr. 176 - (1877)
Zu der Erfindung wird u.a. ausgeführt:
«Im Vergleich zu den vorhandenen Konstruktionen mit Hebeln und Zugstangen bietet die vorliegende den wesentlichen Vorteil, dass die Hubhöhe des Armes k bedeutend kleiner ist als früher, und in Folge der geringen Anzahl beweglicher Teile mit der Leichtigkeit der Handhabung eine geringere Reparaturbedürftigkeit verbunden ist.»
C.W. Moritz
Neuerung an Drehventilen für Blasinstrumente
Pat. Nr. 11511 - (1880)
In dieser Urkunde soll eine Alternative zu dem bis heute nicht verstummten Wunsch angeboten werden, den Hub der Ventile (Kolben) bei möglichst geringem Kraftaufwand gleichzeitig klein zu halten. Auch hierbei entfällt, ähnlich wie bei der oben besprochenen Neuerung, die heute allgemein übliche Schubstange. Daher musste zwangsläufig das gesamte Druckwerk direkt über den Ventilen angeordnet und mit einem sog. Winkelhebel ausgerüstet werden.
Fig. 1 bis 3 und 4 bis 5 zeigen jeweils zwei Vorschläge auf. In Fig. 6 und 7 ist der neuartige Mechanismus für die Verwendung von Kolbenventilen dargestellt.
C.W. Moritz, Neuerung an Drehventilen für Blasinstrumente, Pat. Nr. 11511 - (1880)
Während bei den bisher gebräuchlichen Mechanismen dieser Art das Ventil stets die höchste Stellung einzunehmen suchte und behufs Wechselns der durchgehenden Kanäle direkt auf das Ventil gedrückt werden musste, ist in Fig. 6 und 7 ein Mechanismus dargestellt, bei welchem das Ventil für gewöhnlich die tiefste Stellung einnimmt. Beim Wechseln der Kanäle wird das Ventil durch Drücken der Taste a des Hebels b in die Höhe bewegt. Selbstverständlich müssen die Bohrungen des Ventils hier umgekehrt angeordnet sein, wie bei den bisher gebräuchlichen.
M.C.R. Andorff
Drehwechselventil für Blasinstrumente
Pat. Nr. 51630 - (1889)
Die vorliegende Neuerung stellt praktisch einen Zwitter zwischen dem bekannten Kolben- und Drehventil dar. Während letzteres in seinem Grundaufbau beibehalten wurde, wurde für die axiale Drehbewegung eine Art Schraubenachse gewählt. Bei Krafteinwirkung auf den Drücker wird diese nach unten bewegt und dreht dabei gleichzeitig das Ventil um 90°. Eine eingebaute Feder bewirkt nach dem Loslassen des Drückers eine selbsttätige Rückdrehung.
M.C.R. Andorff, Drehwechselventil für Blasinstrumente, Pat. Nr. 51630 - (1889)
Patent-Ansprüche:
Ein Drehwechselventil für Blasinstrumente gekennzeichnet durch einen auf der Achse des Ventils angeordneten Schraubengang (s) in Verbindung mit dem undrehbaren, ebenfalls mit Schraubengang (e) versehenen Druckknopf (d), welcher durch eine Feder (f) gehoben wird und beim Niederdrücken die Drehung des Ventils bewerkstelligt.
Weiterlesen
Erhalten Sie vollständigen Zugang zur digitalen Ausgabe.
Brass Bulletin 58, II / 1987 Seiten 18–28
Alle Inhalte sind urheberrechtlich geschützt © Brass Bulletin 1987–2026