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Das Posthorn der Königlich Bayerischen Post des 19. Jahrhunderts im Dienste der Volksmusik
Von Albert Hiller
Sicher über Berg und Tal
fahren Postillions die Gäste,
verkürzen durch lieblichen Hörnerschall
den Weg und die Zeit auf das beste.»
C. Hildebrandt
«Posthornklänge» (Bayerischer Postillion beim Üben), Ölgemälde (1890) von Friedrich Ortlieb, im Besitz des Bundespostmuseums Frankfurt am Main.
Bayerische Postillione um 1850, Aquarell (1890) von Gustav Müller. Original im Bundespostmuseum Frankfurt am Main.
«Der Hauptzweck des Posthorns», so lesen wir in der «Anweisung zum Gebrauche des Posthorns für die Königlich Hannoverschen Postillons» von 1832, «besteht darin, die Annäherung postmässiger Transporte anzuzeigen, und solchen dadurch eine ungestörte und schleunige Beförderung zu sichern... Ausserdem dient das Posthorn dazu, die Annehmlichkeiten des Postverkehrs zu erhöhen, indem sich dasselbe zu dem Vortrage wohlklingender Melodien sehr wohl eignet.»
Im Zeitalter der Romantik sah man also im Posthorn nicht mehr nur das Signalinstrument, sondern mass ihm auch als Melodieinstrument eine grosse Bedeutung bei; somit begann in den zwanziger Jahren des 19. Jahrhunderts die Blütezeit der Posthornkunst. Bis etwa 1830 waren in Bayern zwei- bzw. dreiwindige Posthörner in C oder B mit Kesselmundstück in Gebrauch, die nur über einen beschränkten Tonumfang verfügten:
Notierung in C
Nach 1830 wurden die bayerischen Postillione mit tiefer gestimmten, vierwindigen Posthörnern in F mit mehr trichterförmigem Mundstück ausgerüstet, die bis in unser Jahrhundert im Gebrauch waren. Die Naturinstrumente verfügten über folgenden Tonvorrat:
Notierung in C
Tatsächlicher Klang in F
Damit liessen sich bequem die folgenden Signale ausführen, die von 1839 bis 1903 benutzt wurden:
Nr. 1. «Signal vor der Abfahrt/Lebhaft.»
No. 2 - Call on giving wayNr. 2. «Signal beim Ausweichen.»
Nr. 3. «Signal vor der Anfahrt bei der Station/Lebhaft.»
Um den Tonvorrat des einfachen Signalposthorns zu erweitern, versah man die Dienstinstrumente mit einem Tonloch, das am Ende des zweiten Drittels der Rohrlänge angebracht ist und aufgrund der Rohrverkürzung beim Öffnen die Naturtöne des Horns um eine Quarte erhöht:
° = geöffnetes Tonloch
Somit ergab sich folgende Grifftabelle für das Posthorn mit einem Tonloch:
Notierung in C
Wenngleich die durch das Tonloch gewonnenen Töne die Klangqualität der Naturtöne nicht erreichen, so bedeutete diese Neuerung eine wesentliche Verbesserung des bayerischen Posthorns. Zwar gab es für den Einsatz in der Salon- und in der «Harmoniemusik» (alte Bezeichnung für Blaskapellen) seit ca. 1830 auch vollchromatische Posthörner mit vier bis fünf durch Klappen verschliessbaren Tonlöchern oder mit den damals noch sehr teuren Ventilen. Abgesehen von den hohen Beschaffungskosten waren diese Instrumente für den Dienstgebrauch zu empfindlich. Sie mussten von den Posthornvirtuosen privat beschafft werden. Manche Postillione benutzten auch ein Kornett — «Piston» genannt — für ihre musikalischen Darbietungen.
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Brass Bulletin 50, II / 1985 Seiten 52–65
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